Stuttgart (ddp). Nach Grünen-Chef Cem Özdemir beklagen auch andere Politiker aus Einwandererfamilien eine wachsende Judenfeindlichkeit unter Muslimen in Deutschland. «Der Antisemitismus wird von bestimmten islamistischen Gruppierungen ganz gezielt unter jungen Leuten gesät», sagte die SPD-Bundestagsabgeordnete Lale Akgün den «Stuttgarter Nachrichten» (Dienstagausgabe) laut Vorabbericht. «In einer multireligiösen Gesellschaft können wir es uns nicht leisten, dass eine Gruppe eine andere diffamiert», betonte die türkischstämmige Islambeauftragte der SPD-Fraktion. Bei den islamischen Verbänden sehe sie keine ernstzunehmenden Schritte, um dieses Phänomen zu bekämpfen.

Der Grünen-Bundestagabgeordnete Omid Nouripour sagte dem Blatt, es habe in den vergangenen Monaten «mehrere Vorfälle gegeben, die die Dringlichkeit des Problems unterstreichen». Allerdings gebe es zu wenig pädagogische Rezepte, um dem wachsenden Antisemitismus mehr Toleranz und Dialog entgegenzustellen. «Wir müssen uns endlich ernsthaft und fundamental mit diesem Problem auseinandersetzen», forderte der gebürtige Iraner.

Der Linke-Bundestagsabgeordnete Hüseyin Kenan Aydin sagte der Zeitung, antisemitische Tendenzen seien verbreitet. Die Spitzenfunktionäre der islamischen Verbände versuchten zwar, gegen antisemitische Stimmungen vorzugehen. «Doch ob das durchgängig bis zu den unteren Gliederungen so gemacht wird, bezweifle ich», sagte der in der Türkei geborene Politiker.

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