Wahlen, Präsident

Weit über zehn Millionen Franzosen haben rechts- und linksaußen gewählt, das Lager der EU-Gegner ist groß.

24.04.2017 - 12:14:04

Präsidentschaftswahl - Macron und Le Pen kämpfen um Einzug in Élysée. Marine Le Pen führt die Front National in der ersten Wahlrunde zum Erfolg. In der Stichwahl ist jedoch der Linksliberale Macron Favorit - als klarer EU-Freund.

  • Wahlscheine - Foto: Kay Nietfeld

    Umschläge mit abgegebenen Wahlscheinen in einem Wahllokal im französischen Henin-Beaumont. Foto: Kay Nietfeld

  • Femen-Aktivistinnen - Foto: Stringer

    In der Nähe des Wahllokals, in dem Le Pen ihre Stimme abgab, demonstrierten Femen-Aktivistinnen gegen die Rechtspopulistin. Foto: Stringer

  • Macron - Foto: Christophe Ena

    Macron erhielt die meisten Stimmen. Foto: Christophe Ena

  • Ausschreitungen - Foto: Kamil Zihnioglu

    Nach den ersten Hochrechungen zur Präsidentschaftswahl kam es zu Ausschreitungen in Paris. Foto: Kamil Zihnioglu

  • Marine Le Pen - Foto: Kay Nietfeld

    Die Rechtspopulistin Marine Le Pen, tritt in der Stichwahl um das Präsidentenamt gegen den sozialliberalen Ex-Minister Emmanuel Macron an. Foto: Kay Nietfeld

  • Macron und Le Pen - Foto: Daniel Karmann

    Frankreich ist gespalten. Um das Amt des Präsidenten ringen der Polit-Jungstar Macron und Marine Le Pen. Foto: Daniel Karmann

  • Der Tag nach der Wahl - Foto: Kay Nietfeld

    Ein Gast liest in Henin-Beaumont, der Hochburg der Front National, in einer Brasserie eine Zeitung. Foto: Kay Nietfeld

  • In Feierlaune - Foto: Kay Nietfeld

    Anhänger der Spitzenkandidatin des Front National, Marine Le Pen, feiern nach der ersten Runde der Präsidentschaftswahl ihre Vorsitzende. Foto: Kay Nietfeld

Wahlscheine - Foto: Kay NietfeldFemen-Aktivistinnen - Foto: StringerMacron - Foto: Christophe EnaAusschreitungen - Foto: Kamil ZihniogluMarine Le Pen - Foto: Kay NietfeldMacron und Le Pen - Foto: Daniel KarmannDer Tag nach der Wahl - Foto: Kay NietfeldIn Feierlaune - Foto: Kay Nietfeld

, dass sie keiner der großen Volksparteien angehören - für die konservative Opposition in Paris und die regierenden Sozialisten wurde die Wahl zum Debakel. Führende Sozialisten und Konservative riefen zur Unterstützung Macrons auf, um Le Pen als Präsidentin zu verhindern.

. Den fortlaufend aktualisierten Ergebnissen des Innenministeriums zufolge lagen bis zum Vormittag (09.00 Uhr) Ergebnisse vor, die rund 97 Prozent der Wahlberechtigten erfassten. Demnach verzeichnete , seine Kontrahentin 21,4 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei etwa 78 Prozent, leicht niedriger als vor fünf Jahren.

setzt auf eine EU-kritische Stimmung im Land: «Es gab noch nie so viele Stimmen für Kandidaten, die der Europäischen Union sehr kritisch gegenüberstehen», sagte der stellvertretende Parteichef Florian Philippot am Tag nach der Wahl im Sender Franceinfo. Dazu zählte er neben Le Pen etwa auch den Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon.

Die FN-Chefin erhielt so viele Stimmen wie noch nie in der Geschichte der Partei: Mehr als 7,6 Millionen Franzosen entschieden sich für die 48-Jährige. Zum ersten Mal seit 15 Jahren steht die FN in der Stichwahl um den mächtigsten Job Frankreichs. 2002 war - beim «Schock des 21. April» - überraschend Le Pens Vater Jean-Marie Le Pen ins Finale gekommen, das er dann aber klar gegen den Konservativen Jacques Chirac verlor. Seine Tochter sagte am Sonntagabend: «Es ist Zeit, das französische Volk von den arroganten Eliten zu befreien, die ihm sein Verhalten vorschreiben wollen.»

Der 39-jährige parteilose Linksliberale Macron sagte, er wolle mit einem System brechen, «das unfähig ist, auf Probleme zu reagieren». Frankreich, die nach Deutschland zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone, leidet seit Jahren unter hoher Arbeitslosigkeit und einer schwächelnden Wirtschaft.

Das Land steht nun vor einer dramatischen Richtungsentscheidung: Denn Le Pen will raus aus dem Euro und die Bürger über die EU-Mitgliedschaft Frankreichs abstimmen lassen. Macron tritt hingegen für die Europäische Union ein und will die Eurozone gemeinsam mit Deutschland stärken.

Er rief seine Anhänger dazu auf, ihm auch eine parlamentarische Mehrheit zu verschaffen. Frankreich wählt am 11. und 18. Juni eine neue Nationalversammlung. Die von Macron gegründete Bewegung «En Marche!» (Auf dem Weg) ist dort bislang nicht vertreten. Falls ein Präsident keine Abgeordneten-Mehrheit hinter sich hat, würde das seinen Gestaltungsspielraum erheblich einschränken.

Der Linksaußen-Politiker Mélenchon erreichte rund 19,6 Prozent. Sein konservativer Widersacher François Fillon kam auf knapp 20 Prozent und kündigte umgehend an, in der Stichwahl für Macron zu stimmen. Mélenchon gab zunächst keine Empfehlung ab. Der Kandidat der regierenden Sozialisten, Benoît Hamon, lag abgeschlagen auf dem fünften Platz. Etwa 47 Millionen Franzosen waren zur Wahl des Nachfolgers von Präsident Hollande aufgerufen. Der Sozialist hatte wegen schlechter Umfragewerte nicht erneut kandidiert.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker wünschten Macron kurz nach der ersten Wahlrunde Erfolg für die Stichwahl. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel erhofft einen Aufbruch in Europa. Er gehe davon aus, dass Macron bei der Stichwahl gegen Le Pen gute Chancen habe, sagte der SPD-Politiker am Montag in der jordanischen Hauptstadt Amman. «Das ist wichtig für Frankreich, aber das ist auch wichtig für Europa.» Macron habe den Mut, die Ideen und die Kraft, sein Land «aus der Lethargie zu führen» und die Spaltung Europas zu überwinden.

Die Erleichterung über den Ausgang der ersten Runde bei den französischen Präsidentschaftswahlen sorgte am Montag am deutschen Aktienmarkt für einen Befreiungsschlag: Der Leitindex Dax ließ am Vormittag seine rund zwei Jahre alte Rekordmarke hinter sich und stieg bis auf 12 398 Punkte. Zwar sei das Weiterkommen des favorisierten Kandidaten Macron und der Rechtspopulistin Le Pen in die zweite Wahlrunde keine große Überraschung, schrieb Analyst Tobias Basse von der NordLB. Angesichts des wegfallenden Risikos reiche aber allein das schon, um bei Investoren für Erleichterung zu sorgen.

Der französische Wahlkampf war geprägt von Skandalen und Überraschungen. Der Anti-Terror-Kampf spielte insbesondere gegen Ende eine große Rolle. Frankreich wird seit Anfang 2015 von einer Serie islamistischer Anschläge erschüttert. Erst am Donnerstag hatte ein 39-Jähriger in Paris Polizisten angegriffen und einen getötet.

@ dpa.de

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