EU, Gipfel

Theresa May gibt sich überzeugt: Ihr Bleibe-Angebot für EU-Bürger in Großbritannien sei «ernsthaft und fair».

23.06.2017 - 17:38:06

Skepsis beim EU-Gipfel - London will EU-Bürgern weitreichende Bleiberechte gewähren. Die anderen Gipfelteilnehmer sehen das Ganze allerdings ziemlich nüchtern.

  • EU-Gipfel in Belgien - Foto: Geert Vanden Wijngaert

    Bundeskanzlerin Merkel zusammen mit dem französische Präsidenten Macron und der britischen Premierministerin May beim Gipfel in Brüssel. Foto: Geert Vanden Wijngaert

  • Emmanuel Macron - Foto: Olivier Matthys

    Der neugewählte französische Präsident Emmanuel Macron nimmt zum ersten Mal an einem EU-Gipfel teil. Foto: Olivier Matthys

  • Merkel in Brüssel - Foto: Thierry Roge

    Bundeskanzlerin Angela Merkel ist mit dem bisherigen Verlauf des Treffens in der belgischen Hauptstadt zufrieden. Foto: Thierry Roge

  • Theresa May - Foto: Thierry Roge

    Theresa May beim EU-Gipfel in Brüssel. May hatte in Aussicht gestellt, dass kein legal in Großbritannien lebender EU-Bürger das Land nach dem EU-Austritt verlassen müsse. Foto: Thierry Roge

EU-Gipfel in Belgien - Foto: Geert Vanden WijngaertEmmanuel Macron - Foto: Olivier MatthysMerkel in Brüssel - Foto: Thierry RogeTheresa May - Foto: Thierry Roge

Brüssel - Die Europäische Union reagiert skeptisch auf die von Großbritannien angebotenen Bleiberechte für rund 3,2 Millionen EU-Bürger.

«Mein erster Eindruck ist, dass das Angebot des Vereinigten Königreichs hinter unseren Erwartungen zurückbleibt», sagte EU-Ratspräsident Donald Tusk am Nachmittag nach Ende des EU-Gipfels in Brüssel. Doch werde das Verhandlungsteam das erwartete schriftliche Angebot genau analysieren. Premierministerin Theresa May verteidigte ihren Vorschlag hingegen.

May hatte in Aussicht gestellt, dass kein legal in Großbritannien lebender EU-Bürger das Land nach dem EU-Austritt verlassen müsse. Demnach soll jeder eine Chance auf einen dauerhaft gesicherten Rechtsstatus bekommen. «Ich bleibe dabei, dass das ein ernsthaftes und faires Angebot ist», erklärte May nach Abschluss der Beratungen. Allerdings müsse die andere Seite ähnliche Zusagen auch für die Briten in der EU machen.

Auf eine Frage nach den skeptischen Reaktionen weiterer Gipfelteilnehmer entgegnete May: «Andere haben sehr positiv reagiert.» Sie habe eine «positive Diskussion» mit der polnischen Regierungschefin Beata Szydlo gehabt.

Zweifel an ihrem Mandat für die Brexit-Verhandlungen nach der erlittenen Wahlschlappe konterte May mit dem Hinweis, 80 Prozent der britischen Wähler hätten für Parteien gestimmt, die das Votum für den EU-Austritt vor einem Jahr umsetzen wollten. Vor genau einem Jahr hatten die britischen Wähler mehrheitlich für den Brexit gestimmt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte sich sehr zurückhaltend. «Das war ein guter Anfang, aber auch noch nicht der Durchbruch, um es mal vorsichtig zu sagen.» So seien bei Mays Vorschlag nach ihrem Verständnis nicht die vier europäischen Grundfreiheiten gewahrt, also Warenverkehrsfreiheit, Dienstleistungsfreiheit, Personenverkehrsfreiheit und Kapitalverkehrsfreiheit. Wenn es hier keine Garantien gebe, werde dies Auswirkungen haben für die künftigen Beziehungen des Vereinigten Königreichs zur EU. «Das ist noch ein langer Weg, der vor uns liegt», sagte Merkel mit Blick auf die Verhandlungen.

Österreichs Bundeskanzler Christian Kern äußerte sich ähnlich: «Das ist einmal ein Anfang, aber das löst sicherlich noch nicht alle Probleme.» Zur Lage des Landes ein Jahr nach dem Brexit-Referendum sagte er: «Die Analyse ist ganz klar: Großbritannien hat sich da keinen Gefallen gemacht, bedauerlicherweise auch für Europa nicht.»

Der Chef der britischen Labour-Partei warnte, EU-Bürger dürften nicht als «Druckmittel» in den Brexit-Verhandlungen gebraucht werden. Die Vorschläge von Premierministerin Theresa May lägen «weit unter» den Garantien, die seine Partei zu machen bereit wäre, sagte der Oppositionschef bei einem Gewerkschaftskongress in Brighton am Freitag. «Das ist nicht nur das Richtige, sondern auch der beste Weg, um die Rechte von Briten, die in der EU leben, zu garantieren.»

@ dpa.de