Mittelbayerische Zeitung

Regensburg - Langdistanz-Triathleten gehören zu einer speziellen Gattung Mensch: extrem fleißig, diszipliniert, leidensfähig.

13.11.2017 - 21:26:19

Mittelbayerische Zeitung: Krachend gescheitert / Ein Kommentar der Mittelbayerischen Zeitung zum Streit um den Challenge. Sie stellen sich nicht die Frage, ob es während des Rennens weh tun wird. Sie fragen sich vielmehr, wann der Schmerz kommt.

Regensburg - Langdistanz-Triathleten gehören zu einer speziellen Gattung Mensch: extrem fleißig, diszipliniert, leidensfähig. Sie stellen sich nicht die Frage, ob es während des Rennens weh tun wird. Sie fragen sich vielmehr, wann der Schmerz kommt. Irgendwann während dieses Wettkampfs über 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen beginnt das Leiden. Nur wer den Schmerz annehmen und sich aus jedem Tief herauskämpfen kann, wird mit dem "Finish", also dem Erreichen des Ziels, belohnt. Für viele ist es ein Lebenstraum. Doch viele scheitern auch! Und das haben sie mit allen gemeinsam, die seit 2010 versucht haben, ein internationales Triathlonrennen in Regensburg aufzubauen. Jüngstes Beispiel ist der krachend gescheiterte Challenge Regensburg. Doch wer nun einen Alleinschuldigen für das "DNF" ("Did not finish") des Rennens sucht, denkt zu kurz. Am Ende waren es schlicht zu viele Baustellen für die von Beginn an umstrittene Veranstaltung. Die Teilnehmer waren zu Recht voll des Lobes. Aber genervte Bürger ob der vielen Straßensperrungen in Stadt und Landkreis sowie Kritik wegen finanzieller Zuwendungen von Seiten der Stadt sorgten für Dauerärger. Doch die wohl größte Baustelle und damit der Höhepunkt ist der nun öffentlich gewordene Streit zwischen der Challenge Family, also dem Lizenzgeber aller Challenge-Rennen, und den Machern des Regensburger Rennens. Seit Freitag sind wir Zeuge eines Vorgangs, der so gar nicht in die heile Familienwelt, die die Challenge Family gern zeichnet, passt. Plötzlich haben die Anwälte das Sagen. Für den Regensburger Veranstalter Tom Tajsich ist die Sache klar. Nachdem ihm verboten wurde, sein Rennen 2018 unter der Challenge-Flagge auszurichten, will er es allein versuchen. Ganz ungelegen dürfte ihm der Lizenzentzug nicht kommen, schließlich hatte der Mann von Spitzentriathletin Sonja Tajsich sich zuletzt - ebenfalls öffentlich - über die hohen Lizenzgebühren der Challenge Family beschwert. Nun gibt er sich im Stile eines Triathleten kämpferisch: "Klar ist, dass wir das Rennen 2018 auf jeden Fall durchziehen werden, so oder so." Doch da Tajsich mit dem Rennen Geld verdienen will, ist die Sache kompliziert. Denn der Markt ist völlig überhitzt. Es gibt zwei große Player. Die klare Nummer 1 ist der Ausrichter Ironman. Er hat den besten Namen, die längste Tradition und die Keimzelle aller Langdistanz-Rennen, den Ironman auf Hawaii. Ironman ist die Champions League des Triathlonsports. Und damit das auch so bleibt, wird seit der Übernahme durch einen chinesischen Investor ein extrem aggressiver Expansionskurs gefahren. Ironman-Rennen schießen wie Pilze aus dem Boden. 85 Langdistanz-Rennen gibt es mittlerweile weltweit. Viel zu viele für eine Extremsportart mit einer überschaubaren Anzahl an Aktiven. Die Nummer 2 weltweit ist die Challenge Family mit Sitz in der Oberpfalz. Von Amberg aus leitet CEO Zibi Szlufzik die Rennserie. Wer hier bucht, bekommt nur Bundesliga-Niveau, zahlt dafür aber rund 100 Euro weniger als für die Königsklasse. Der Rest sind kleine, meist sehr charmant organisierte Rennen - ohne großes Label, abseits der großen Städte, aber zu viel günstigeren Preisen. Zum Vergleich: Während ein Startplatz für den Ironman Hamburg 2018 ab 556,20 Euro zu haben war, zahlte man als Frühbucher beim 12. Wasserstadt Triathlon Hannover-Limmer 124 Euro. Tausende Teilnehmer und internationale Spitzenathleten sucht man bei diesen No-Name-Rennen jedoch ebenso vergebens wie große wirtschaftliche Gewinne. Und in dieser Nische will Tom Tajsich nun in Regensburg mit seinem "Empire Race" mitmischen. Ein gewagtes Projekt! Denn ohne großes Label wird die mit 350 Startern bisher schon maue Teilnehmerzahl auf der Langdistanz nicht nach oben schießen. Und auch die Förderung der Stadt muss angesichts des nun entstehenden Breitensportcharakters der Veranstaltung überdacht werden. Denn das neue Rennen wird eher in der Regionalliga spielen, vergleichbar mit dem Regensburger Triathlon oder dem Marathon. Hier melden sich überwiegend Athleten an, die nicht das große Event, sondern eine vernünftige Veranstaltung zu einem vernünftigen Preis suchen. Sie erwarten keinen Zieleinlauf am Dom, ihnen reicht der Dultplatz. Daher wäre eine Zusammenarbeit mit Tristar oder LLC Marathon, einem der beiden etablierten Veranstalter, die beste Lösung. Denn es hat sich gezeigt: Egal ob Ironman oder Challenge, der Weg, einen Triathlon dieser Klasse in Regensburg aufzubauen, ist mit zu vielen Schmerzen verbunden.

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