Schwäbische Zeitung

Ravensburg - Für die Union war die Wahl ein politisches Erdbeben, ein historisches Tief.

25.09.2017 - 21:46:26

Schwäbische Zeitung: Nur München hat verstanden - Leitartikel zu CDU/CSU. Für Angela Merkel nicht. Sicher, so wiegelt sie ab, man werde sich mit den Gründen beschäftigen, und das in einer Klausur.

Ravensburg - Für die Union war die Wahl ein politisches Erdbeben, ein historisches Tief. Für Angela Merkel nicht. Sicher, so wiegelt sie ab, man werde sich mit den Gründen beschäftigen, und das in einer Klausur. Sprich: Wir werden das Problem aussitzen - wie immer.

CSU-Chef Horst Seehofer dagegen ist hoch alarmiert, er muss es auch sein. 10,5 Prozent weniger Zweitstimmen in Bayern, aber die Abgeordneten als politische Dienstleister vor Ort bestätigt, das heißt nichts anderes, als dass der Fisch vom Kopf her stinkt. Dass die Alleinherrschaft der CSU in Bayern gefährdet ist. Dass es eine hohe Unzufriedenheit mit dem Kurs der Union gibt. Ob nun mit Angela Merkel, mit Horst Seehofer, mit beiden, oder mit dem Dauerstreit der Schwestern, das wird jeder anders beantworten.

Bis jetzt hat sich Markus Söder als potenzieller Nachfolger Seehofers zwar noch nicht aus der Deckung gewagt. Aber Horst Seehofer kann sich nicht in Sicherheit wägen, dass dies so bleibt. Sicher aber ist: Bislang hat Angela Merkel weniger als Horst Seehofer das Signal der Wähler verstanden. Während sie selbstgefällig auf ein "Weiter so" setzt, drängt der CSU-Chef auf Änderungen. Die Wähler wollten mehr konkrete Antworten bei den alltäglichen Themen von der Rente bis zur Familienpolitik - und in der Flüchtlingsfrage. Damit hat er Recht.

Das heißt aber für die Koalitionsverhandlungen in Berlin auch: Zu einem Jamaika-Bündnis ist es ein langer Weg, wenn nicht gar ein unmöglicher. Denn wenn sich CSU-Chef Horst Seehofer weiterhin mit der Obergrenze und einer härteren Innenpolitik profilieren will, wird er dafür keine Partner finden.

Nicht von ungefähr ruft die CSU schon die Sozialdemokraten auf, sich nicht vorschnell als Partner zu verweigern. Für die SPD aber ist es zur Zeit die einzig richtige Konsequenz, abzuwinken und sich in die Opposition zu begeben. Wenn sie bei einem Scheitern der Jamaika-Sondierungsverhandlungen irgendwann gegen Ende des Jahres gebraucht würde - dann, aber nur dann, kann sie neu nachdenken.

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