Konflikte, Atom

Nordkorea stößt sich mit dem jüngsten Raketentest weiter ins diplomatische Abseits.

04.07.2017 - 16:40:07

Analyse - Nordkoreas Bedrohung durch Raketen erreicht neue Dimension. Doch die Sanktionen gegen das Land blieben bisher wirkungslos. Die USA könnten jetzt in Zusammenarbeit mit anderen Ländern die Sanktionsschraube noch einmal weiterdrehen.

Seoul - «Das wird nicht passieren!», warnte Donald Trump noch vieldeutig im Januar auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

Der damals noch designierte US-Präsident reagierte damit auf eine Äußerung des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un, wonach sein Land kurz vor dem Test einer Interkontinentalrakete (ICBM) stehe. Jetzt meldete Nordkorea überraschend den erfolgreichen Test einer solchen Rakete, die vor allem für einen Einsatz von Atomwaffen über lange Strecken von mindestens 5500 Kilometern und bis zu mehr als 10 000 Kilometern konzipiert sind. Die Nachbarländer hatten keine Vorzeichen eines solchen Test entdecken können. 

Mit dem Test einer Rakete mit einer annähernden Reichweite einer ICBM öffnet Nordkorea eine neue gefährliche Dimension im Konflikt um sein Atomprogramm. Südkoreas Präsident Moon Jae In warnte dann auch bei einem Treffen mit dem früheren britischen Premierminister David Cameron am Dienstag in Seoul das Nachbarland davor, eine «rote Linie» zu überschreiten. Er selbst wisse nicht, wie die Konsequenzen aussähen, falls Nordkorea sich weitere Provokationen leiste, wurde er von einem Berater zitiert.

Der Test zeigt auch, dass die kommunistische Führung in Pjöngjang trotz Warnungen der Nachbarn und der USA im Atomstreit nicht einlenken will. Die staatliche Akademie für Verteidigungswissenschaft erklärte nach dem Test, Nordkorea sei eine vollwertige Atommacht und in der Lage «jeden Teil der Welt» mit Atomwaffen zu erreichen. Doch die scharfe Rhetorik richtete sich vor allem gegen den Erzfeind USA. Der Regierung in Washington wurde «nukleare Erpressung» vorgeworfen - eine Unterstellung, die die USA bestreiten.    

Japan und Südkorea erklärten, sie untersuchten noch, ob es sich tatsächlich um eine ICBM gehandelt habe, die Nordkorea abgefeuert hat. Nach Angaben beider Länder und der USA war die Rakete fast 40 Minuten bis zu ihrem Sturz ins Japanische Meer (koreanisch: Ostmeer) unterwegs und damit länger als bei den bisherigen Versuchen Nordkoreas mit ballistischen Raketen. Sie sei über 930 Kilometer geflogen und habe dabei zuvor vermutlich eine Höhe von über 2500 Kilometern erreicht.

Der US-Experte David Albright schließt aus diesen Angaben, dass die Rakete eine Reichweite von 6700 Kilometer gehabt haben könnte, wenn sie sich auf einer «normalen Flugbahn» bewegt hätte. Da die Rakete nur über 930 Kilometer weit geflogen sei, muss sie zuvor eine Höhe von mehr als 2800 Kilometern erreicht haben. Militärs in Südkorea sprachen auch von einer Abweichung vom «Standard-Absschusswinkel» für eine ICBM.

Auch der Zeitpunkt des nordkoreanischen Waffentests liest sich als politisches Signal an die USA und der Weltgemeinschaft. Der Test erfolgte am Unabhängigkeitstag der USA und wenige Tage vor dem G20-Gipfel in Deutschland. Trump und Moon wollen das Treffen auch dazu nutzen, am Rande mit anderen Teilnehmern über den Atomstreit mit Nordkorea zu reden.

«Die Entscheidung Nordkoreas, eine weitere Rakete am 4. Juli zu starten, wird den Druck auf die G20-Länder erhöhen, die wirtschaftlichen Sanktionen gegen Nordkorea zu verschärfen», vermutete der Chefökonom für den Raum Asien-Pazifik des Informationsdienstes IHS Markit, Rajiv Biswas. Die USA hätten bereits signalisiert den Gipfel zu nutzen, um den wirtschaftlichen und finanziellen Druck auf Pjöngjang zu erhöhen.

Die bisherigen internationalen Sanktionen gegen Nordkorea erwiesen sich bisher als weitgehend wirkungslos. Sie sollten vor allem das hochgerüstete, aber verarmte Land von den Geldquellen für sein teures Atomprogramm abschneiden. Als Indien vor fünf Jahren seine erste ICBM vom Typ Agni V getestet hatte, wurden die Entwicklungskosten dafür auf fast eine halbe Milliarde Dollar geschätzt.       

Der Raketentest ist auch ein erneuter Dämpfer für die Hoffnungen des südkoreanischen Präsidenten, den Dialog mit Pjöngjang aufnehmen zu können. Bereits am Montag warnte Moon den Nachbarn bei einem Treffen mit dem früheren US-Präsidenten Barack Obama in Seoul, die letzte Chance für einen Dialog zu verspielen.

@ dpa.de

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