EU, Brexit

Monatelang sprach man in London und Brüssel übereinander und heizte die Stimmung vor den Verhandlungen über den britischen EU-Austritt an.

19.06.2017 - 13:32:07

Mays Regierung geschwächt - Großbritannien zum Auftakt der Brexit-Gespräche versöhnlich. Doch deren Auftakt überrascht.

  • Barnier - Foto: Virginia Mayo

    Chefunterhändler Michel Barnier erwartet Brexit-Minister David Davis. Foto: Virginia Mayo

  • Brexit-Verhandlungen - Foto: Virginia Mayo

    Ein Mitglied des Protokolls tauscht in Brüssel eine EU-Flagge gegen eine britische Flagge aus. Foto: Virginia Mayo

  • Brexit-Verhandlungen - Foto: Virginia Mayo

    EU-Chefunterhändler Michel Barnier begrüßt den britischen Brexit-Minister David Davis in Brüssel. Foto: Virginia Mayo

Barnier - Foto: Virginia MayoBrexit-Verhandlungen - Foto: Virginia MayoBrexit-Verhandlungen - Foto: Virginia Mayo

Brüssel - Ein Jahr nach dem Brexit-Votum haben in Brüssel Verhandlungen über die Bedingungen für den EU-Austritt Großbritanniens begonnen. Die britische Regierung gab sich vor der ersten Runde sehr zuversichtlich und versprach konstruktive Gespräche.

«Uns verbindet mehr als uns trennt», sagte Brexit-Minister David Davis. EU-Unterhändler Michel Barnier drang darauf, die vom Brexit verursachte Unsicherheit so schnell wie möglich zu lindern.

Am 23. Juni 2016 hatte eine knappe Mehrheit der britischen Wähler dafür votiert, die EU nach mehr als 40 Jahren zu verlassen. Ende März schickte Premierministerin Theresa May offiziell das Austrittsgesuch nach Brüssel. Damit begann die Frist bis Ende März 2019, um eine Vereinbarung über die Trennung und Eckpunkte für künftige Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU unter Dach und Fach zu bringen.

«Obwohl zweifellos in den Verhandlungen Herausforderungen vor uns liegen, werden wir alles uns Mögliche tun, eine Vereinbarung zu treffen, die im besten Interesse aller Bürger ist», versicherte Brexit-Minister Davis. «Deshalb beginnen wir diese Verhandlungen in einer positiven und konstruktiven Tonlage und sind fest entschlossen, eine starke und besondere Partnerschaft zwischen uns und unseren europäischen Verbündeten und Freunden aufzubauen.»

EU-Unterhändler Barnier äußerte sich zum Auftakt zurückhaltender und wiederholte seine Prioritäten: «Zuerst müssen wir die Unsicherheiten angehen, die der Brexit verursacht.» Er hoffe, dass man in der ersten Verhandlungsrunde die wichtigsten Themen und den Zeitplan vereinbaren könne.

Die EU hat eine Abfolge vorgegeben, die Großbritannien inzwischen offenbar akzeptiert. Zunächst soll über drei wichtige Themen gesprochen werden: die Rechte von Millionen EU-Bürgern in Großbritannien und Briten in der EU; die finanziellen Verpflichtungen Großbritanniens gegenüber der EU, geschätzt auf bis zu 100 Milliarden Euro; und die Durchlässigkeit der Grenze zwischen dem EU-Mitglied Irland und dem britischen Nordirland. Erst wenn dabei «ausreichende Fortschritte» erzielt sind, will die EU über das von May gewünschte besondere Freihandelsabkommen sprechen.

Für Großbritannien hat die künftige Partnerschaft jedoch Priorität, wie Außenminister Boris Johnson bei einem EU-Treffen in Luxemburg bekräftigte. «Langfristig wird das gut für das Vereinigte Königreich und für den Rest von Europa sein», sagte er und zeigte sich sicher: «Ich denke, der Prozess wird ein glückliches Ende finden.»

Ziel der Brexit-Befürworter war, dass Großbritannien seine Politik selbst unabhängiger bestimmen und die Zuwanderung von EU-Bürgern begrenzen kann. May will ihr Land deshalb auch aus dem EU-Binnenmarkt und der Zollunion herausführen. Die EU-Seite hält dies für wirtschaftlich riskant.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel forderte Großbritannien zum Verbleib im EU-Binnenmarkt auf. «Unsere Hoffnung ist, dass (...) auch den Briten klar wird, dass sie gegen die Interessen ihrer Bürger und Bürgerinnen arbeiten, wenn sie nicht wenigstens versuchen, Großbritannien im Binnenmarkt zu halten», sagte der SPD-Politiker am Rande eines EU-Außenministertreffens in Luxemburg. Gabriel warf den Konservativen um Premierministerin May Egoismus vor. «Die Art und Weise, wie dort Konservative mit ihren Bürgern gespielt haben, um sich selber Vorteile zu erwirken, das war schon etwas, das jedenfalls ich als bemerkenswert und eigentlich schlimm empfand», kommentierte er.

Mays Regierung geht geschwächt in die Verhandlungen. Sie verlor bei einer vorgezogenen Neuwahl am 8. Juni ihre konservative Mehrheit im Parlament und ringt noch um die Unterstützung der nordirischen Partei DUP, um überhaupt weiter regieren zu können.

@ dpa.de

Amazon wird das zwar nicht gefallen, …

… aber mit dem Meisterwerk „Der Börsenflüsterer“ erhalten Sie jetzt KOSTENLOS Ihren Schlüssel zum Börsenreichtum. Sichern Sie sich den ersten Teil des Buches im Wert von 24,09 € jetzt KOSTENLOS!

Klicken Sie dafür einfach HIER!

Weitere Meldungen

Angebot aus London - Brexit: EU-Bürger sollen Bleiberecht einzeln beantragen. Die EU wird daran zu knabbern haben. Vorige Woche begannen die Brexit-Verhandlungen, jetzt legt London einen ersten detaillierten Vorschlag vor. (Politik, 26.06.2017 - 17:56) weiterlesen...

Großbritannien nach der Wahl - Minderheitsregierung mit nordirischer DUP steht. Die britische Premierministerin hat sich mit den Unionisten auf eine Minderheitsregierung geeinigt. Erst verspielt sie ihre Mehrheit, dann holt sie sich Hilfe von der rechten, nordirischen DUP. (Politik, 26.06.2017 - 14:59) weiterlesen...

Britische Minderheitsregierung steht. Ein entsprechendes Abkommen wurde in London unterzeichnet. Premierministerin Theresa May hatte bei der Wahl ihre Regierungsmehrheit verloren. Zwischen dem britischen Nordirland und der Republik Irland wird künftig die neue EU-Außengrenze verlaufen. Die Menschen beiderseits der Grenze fürchten dadurch vor allem wirtschaftliche Einbußen. Die rechte DUP setzte sich bislang für eine weiter offene Grenze ein. London - Fast drei Wochen nach der britischen Parlamentswahl haben sich die Konservativen auf eine Minderheitsregierung mit Hilfe der umstrittenen, nordirischen DUP geeinigt. (Politik, 26.06.2017 - 13:54) weiterlesen...

Nach dem Brexit - London will straffällige EU-Ausländer schneller abschieben. Premierministerin Theresa May schickt ein Dokument nach Brüssel, in dem sie Details zur Zukunft der EU-Ausländer in Großbritannien nennt. Die Brexit-Verhandlungen werden jetzt wohl an Fahrt aufnehmen. (Politik, 26.06.2017 - 12:34) weiterlesen...

London will armen Ländern nach Brexit besseren Marktzugang gewähren. Die Regierung werde die Trennung von der EU nutzen, um Großbritanniens Stellung in der Welt zu festigen und zu seinen Verpflichtungen gegenüber den ärmsten Ländern stehen, teilte ein Regierungssprecher mit. Die Zusage gelte für 48 Länder weltweit wie etwa Bangladesch, Sierra Leone, Haiti und Äthiopien, die weiter zollfrei Waren aller Art außer Waffen und Munition nach Großbritannien einführen könnten. London - Die Regierung in London hat den ärmsten Ländern nach dem Brexit einen verbesserten Zugang zum britischen Markt zugesagt. (Politik, 24.06.2017 - 23:52) weiterlesen...

Der Fahrplan in der Übersicht - Ein Jahr nach dem Brexit-Votum - wie geht's weiter?. Mit einer Initiative für die EU-Austrittsverhandlungen will sie Handlungsfähigkeit beweisen. Premierministerin May kämpft in Großbritannien ums politische Überleben. (Politik, 23.06.2017 - 17:52) weiterlesen...