Kriminalität, Justiz

Mitarbeitern in Poststellen rieselt weißes Pulver entgegen.

11.01.2017 - 17:42:05

Größerer Feuerwehreinsatz - Verdächtiges Pulver in mehreren Justizgebäuden aufgetaucht. Feuerwehrleute rücken in mehreren Orten in Deutschland mit speziellen Schutzanzügen aus. Ermittler rätseln nun, ob die aus vier Bundesländern bekannt gewordenen Fälle zusammenhängen.

Berlin - Verdächtiges weißes Pulver in etlichen Justizgebäuden hat in mehreren Bundesländern einige Aufregung ausgelöst. Mitarbeitern rieselte die Substanz entgegen, als sie Briefe öffneten.

Im Amtsgericht Eisleben in Sachsen-Anhalt stellte sich das Pulver nach Polizeiangaben als harmloser Puderzucker heraus. Ebenso wie an vielen weiteren Orten in Deutschland kam es zu einem größeren Feuerwehr-Einsatz.

Nach Pulver-Funden rückten Rettungskräfte auch in Erfurt und Gera (Thüringen), in Chemnitz (Sachsen), Ludwigslust (Mecklenburg-Vorpommern) sowie in Coburg (Bayern) aus. Ob es die Rettungskräfte an diesen Orten ebenfalls mit ungefährlichen Substanzen zu tun hatten, war zunächst offen. Unklar war zudem, ob die Fälle zusammenhängen.

Das Bundeskriminalamt (BKA) habe keine Informationen, sagte eine Sprecherin in Wiesbaden, nachdem die ersten Funde am Vormittag bekannt geworden waren. Von der für Coburg zuständigen Polizei Oberfranken hieß es: «Ein möglicher Zusammenhang wird geprüft, wir stehen in engem Kontakt mit den anderen Dienststellen.»

In Gera wurden zwei Mitarbeiter ins Krankenhaus gebracht. Sie waren mit einem Brief mit dem Pulver direkt in Kontakt gekommen. Der Polizei zufolge blieben sie augenscheinlich unverletzt. Ein Gebäude des Justizzentrums Gera, in dem mehrere Gerichtsverhandlungen anberaumt waren, wurde bis 14.00 Uhr gesperrt, wie Gerichtssprecherin Kerstin Böttcher-Grewe sagte. Nur die Poststelle bleibe vorerst versiegelt und müsse von einem Spezialunternehmen gereinigt werden.

In Thüringen tauchte auch beim Landesamt für Verfassungsschutz in Erfurt ein Brief mit weißem Pulver auf. Die Feuerwehr eilte wie auch andernorts mit Schutzanzügen herbei. Etwa 15 Mitarbeiter des Verfassungsschutzes wurden isoliert, wie es hieß. Sie wiesen jedoch zunächst keinerlei Symptome auf.

In Eisleben rückte ein ABC-Zug der Feuerwehr mit 18 Fahrzeugen und 70 Leuten an, wie ein Polizeisprecher des Reviers Mansfeld-Südharz sagte. Die Berufsfeuerwehr Halle kam mit ihrem mobilen Labor und konnte schließlich Entwarnung geben.

Der in Chemnitz gefundene Brief mit unbekanntem Pulver wurde derweil zur Analyse in die Landesuntersuchungsanstalt für Gesundheits- und Veterinärwesen nach Leipzig gebracht. Die Kriminalpolizei ermittelt wegen des Verdachts der Störung des öffentlichen Friedens durch Androhen von Straftaten.

In Ludwigslust wurde das Amtsgericht gesperrt. Stundenlang saßen die Mitarbeiter im Gebäude fest. Mitarbeiter der Poststelle hatten am Vormittag einen Brief ohne Absender geöffnet, aus dem ihnen Pulver entgegen rieselte.

@ dpa.de