Migration, Flüchtlinge

Kriege toben, Menschen flüchten: im vergangenen Jahr waren es so viele wie nie zuvor.

19.06.2017 - 14:12:07

Globaler Flüchtlingsrekord - Mehr Menschen denn je in der Welt auf der Flucht. Die EU könne die Not lindern, sagen Hilfsorganisationen, nicht nur mit mehr Geld.

Genf/Straßburg/Berlin - Noch nie waren auf der Welt so viele entwurzelt: 65,5 Millionen Menschen flohen im vergangenen Jahr vor Krieg, Gewalt und Verfolgung, 300.000 mehr als im Jahr davor.

Allein in Syrien mussten zwei Drittel der Einwohner ihre Heimat verlassen, berichtete das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) in Genf. Darunter waren 22,5 Millionen Menschen, die über Grenzen gingen und 40,4 Millionen Vertriebene, die in einem anderen Teil ihrer Heimatländer Unterschlupf fanden. Jede Minute des Jahres mussten irgendwo auf der Welt 20 Menschen fliehen. Jeder 113. Mensch auf der Welt war ein Flüchtling. Seit 1997 hat sich die Flüchtlingszahl damit praktisch verdoppelt.

Vier von fünf Flüchtlingen haben in Ländern Aufnahme gefunden, die selbst teils kaum das Nötigste haben. «Dies ist keine Krise der reichen Welt, sondern eine Krise der Entwicklungsländer», betonte der Flüchtlingshochkommissar Filippo Grandi. Deutschland kommt mit 670.000 Flüchtlingen nach UNHCR-Berechnung nach Ländern wie der Türkei, Pakistan, Uganda und Äthiopien erst auf Platz 8.

Die Fremdenfeindlichkeit gegenüber Flüchtlingen verurteilte Grandi in einem Facebook-Live-Chat von Juba im Südsudan: «Flüchtlinge sind in Angst geflohen, sie machen nicht selbst Angst», sagte er. Der Südsudan macht dem UNHCR besondere Sorge, weil die Zahl der Flüchtlinge und Vertriebenen rasant wächst. 1,4 Millionen Menschen sind bereits über die Grenzen. Nur aus Syrien (5,5 Millionen) und Afghanistan (2,5 Millionen) sind mehr Menschen geflüchtet.

Der Caritas-Verband verlangte eine bessere Verteilung der Lasten in der Flüchtlingshilfe. «Es sind oft die Menschen in armen Ländern, die die größte Solidarität mit den Opfern von Kriegen und Verfolgung zeigen», sagte Caritas-Präsident Peter Neher. «Ließe Europa mehr Zuwanderung zu, müssten weniger Menschen ihr Leben auf gefährlichen Überfahrten riskieren.» Das helfe der Entwicklung der Heimatländer.

Dass die Gesamtzahl der Flüchtenden nur knapp über der des Vorjahres lag, suggeriere fälschlicherweise eine Stagnation der Lage, sagte Grandi. «Das verschleiert nur, wie instabil die Lage in vielen Regionen ist.» Millionen Menschen seien in ihre Heimatorte zurückgekehrt, ohne dass die Lage wirklich sicherer war. Andere hätten ein neues Zuhause in Drittländern gefunden. Neu wurden 10,3 Millionen Menschen in die Flucht getrieben.

Hilfsorganisationen kritisierten die Abschottungsversuche der EU. Diakonie-Präsident Ulrich Lilie: «Menschen, die vor Terror, Krieg, und Verfolgung aus Syrien, Afghanistan, Eritrea und anderen Ländern fliehen müssen und auf der Suche nach Zuflucht und Zukunft zu uns gekommen sind (...) haben ein verbrieftes Recht auf Schutz und Sicherheit in Deutschland, auch in Europa.»

Die EU-Unterstützung für die libysche Küstenwache, die Flüchtlinge zurück nach Libyen bringe, stellt die zur Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer gegründete Organisation Mission Lifeline an den Pranger. «Diese Situation könnte morgen beendet werden, indem man den Bedürftigen sichere und legale Fluchtwege zur Verfügung stellt», so Mission Lifeline.

Der Menschenrechtskommissar des Europarats warnte davor, den Familiennachzug zu beschränken. Das behindere die Integration, sagte Nils Mui?nieks in Straßburg. Wer sich ständig Sorgen über seine Angehörige mache, könne nicht über seine Zukunft und eine neues Leben in einer fremden Gesellschaft nachdenken. In Deutschland wurde der Familiennachzug für bestimmte Flüchtlinge für zwei Jahre ausgesetzt. Den Familiennachzug nicht zu gestatten, verstoße gegen die UN-Kinderrechtskonvention, betonte das Deutsche Institut für Menschenrechte.

Zählt man die über die Grenzen Geflüchteten und intern Vertriebenen zusammen, steht Syrien an erster Stelle mit zwölf Millionen. Danach kommt Kolumbien (7,7 Millionen), gefolgt von Afghanistan (4,7 Millionen), Irak (4,2 Millionen) und Südsudan (3,3 Millionen).

@ dpa.de

Amazon wird das zwar nicht gefallen, …

… aber mit dem Meisterwerk „Der Börsenflüsterer“ erhalten Sie jetzt KOSTENLOS Ihren Schlüssel zum Börsenreichtum. Sichern Sie sich den ersten Teil des Buches im Wert von 24,09 € jetzt KOSTENLOS!

Klicken Sie dafür einfach HIER!

Weitere Meldungen

UN fordern von Weltgemeinschaft Hilfe für Flüchtlinge in Uganda. Das ostafrikanische Land sei derzeit mit «dem größten Exodus an Flüchtlingen in Afrika seit dem Genozid in Ruanda» 1994 konfrontiert, sagte Guterres bei einer Geberkonferenz in der ugandischen Hauptstadt Kampala. Das Land müsse in diesen Zeiten der Herausforderung unterstützt werden, sagte er. Bei der Konferenz wurden insgesamt rund 358 Millionen US-Dollar von den anwesenden internationalen Delegierten zugesichert. Kampala - UN-Generalsekretär António Guterres hat die Weltgemeinschaft zu mehr Unterstützung für die Flüchtlingshilfe in Uganda aufgerufen. (Politik, 23.06.2017 - 19:54) weiterlesen...

Asylbewerberheim in Montabaur in Flammen - Drei Verletzte. Zwei der Bewohner und ein Feuerwehrmann kamen nach Angaben der Polizei mit Verdacht auf eine leichte Rauchgasvergiftigung in ein Krankenhaus. Mehr als 100 Feuerwehrkräfte waren im Einsatz, sie löschten die Flammen im Verlauf des Vormittags. In dem Gebäude im dörflich geprägten Montabaurer Stadtteil Horressen waren 18 Flüchtlinge gemeldet. Zur Brandursache und zur Schadenshöhe konnte die Polizei zunächst noch nichts sagen. Montabaur - Ein Asylbewerberheim in Montabaur ist am Morgen in Brand geraten. (Politik, 22.06.2017 - 12:12) weiterlesen...

Gerettet Gerettet: Zwei Männer aus dem Sudan auf dem Deck eines Rettungsbootes der spanischen NGO «Open Arms». (Media, 22.06.2017 - 10:14) weiterlesen...

Vier Angeklagte - 71 Tote im Kühllaster: Mordprozess in Ungarn eröffnet. Eingepfercht im Laderaum eines Lasters hatten sie keine Luft zum Atmen und erstickten. Die Anklage lautet Mord. Vier mutmaßliche Schepper sollen vor zwei Jahren den qualvollen Tod von einer großen Gruppe Flüchtlingen verursacht haben. (Politik, 21.06.2017 - 22:06) weiterlesen...

Tote im Kühllaster: Mordprozess in Ungarn angelaufen. Vor dem Gericht in Kecskemét in Südungarn sind vier Männer - ein Afghane und drei Bulgaren - des Mordes angeklagt. Internationale Medien begleiteten den Prozessauftakt mit enormem Interesse. Sieben weitere Bulgaren werden beschuldigt, zusammen mit den anderen vier Männern 1200 Migranten über Ungarn weiter Richtung Westen und Norden geschmuggelt zu haben. Der Fall löste international große Erschütterung aus. Kecskemét - Knapp zwei Jahre nach dem Erstickungstod von 71 Flüchtlingen in einem Kühllaster hat in Ungarn der Prozess gegen die mutmaßlichen Verantwortlichen begonnen. (Politik, 21.06.2017 - 17:54) weiterlesen...

Vier Angeklagte - 71 Tote im Kühllaster: Mordprozess in Ungarn beginnt. Eingepfercht im Laderaum eines Lasters hatten sie keine Luft zum Atmen und erstickten. Die Anklage lautet Mord. Vier mutmaßliche Schepper sollen vor zwei Jahren den qualvollen Tod von einer großen Gruppe Flüchtlingen verursacht haben. (Politik, 21.06.2017 - 15:26) weiterlesen...