Migration, Flüchtlinge

Kriege toben, Menschen flüchten: im vergangenen Jahr waren es so viele wie nie zuvor.

19.06.2017 - 13:42:08

Forderung nach mehr EU-Einsatz - Neuer Flüchtlingsrekord weltweit. Die EU könne die Not lindern, sagen Hilfsorganisationen, nicht nur mit mehr Geld.

Genf/Straßburg/Berlin - Noch nie waren auf der Welt so viele entwurzelt: 65,5 Millionen Menschen flohen im vergangenen Jahr vor Krieg, Gewalt und Verfolgung, 300 000 mehr als im Jahr davor.

Allein in Syrien mussten zwei Drittel der Einwohner ihre Heimat verlassen, berichtete das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) in Genf. Darunter waren 22,5 Millionen Menschen, die über Grenzen gingen und 40,4 Millionen Vertriebene, die in einem anderen Teil ihrer Heimatländer Unterschlupf fanden. Jede Minute des Jahres mussten irgendwo auf der Welt 20 Menschen fliehen. Jeder 113. Mensch auf der Welt war ein Flüchtling. Seit 1997 hat sich die Flüchtlingszahl damit praktisch verdoppelt.

Vier von fünf Flüchtlingen haben in Ländern Aufnahme gefunden, die selbst teils kaum das Nötigste haben. «Dies ist keine Krise der reichen Welt, sondern eine Krise der Entwicklungsländer», betonte der Flüchtlingshochkommissar Filippo Grandi. Deutschland kommt mit 670 000 Flüchtlingen nach UNHCR-Berechnung nach Ländern wie der Türkei, Pakistan, Uganda und Äthiopien erst auf Platz 8.

Die Fremdenfeindlichkeit gegenüber Flüchtlingen verurteilte Grandi in einem Facebook-Live-Chat von Juba im Südsudan: «Flüchtlinge sind in Angst geflohen, sie machen nicht selbst Angst», sagte er. Der Südsudan macht dem UNHCR besondere Sorge, weil die Zahl der Flüchtlinge und Vertriebenen rasant wächst. 1,4 Millionen Menschen sind bereits über die Grenzen. Nur aus Syrien (5,5 Millionen) und Afghanistan (2,5 Millionen) sind mehr Menschen geflüchtet.

Der Caritas-Verband verlangte eine bessere Verteilung der Lasten in der Flüchtlingshilfe. «Es sind oft die Menschen in armen Ländern, die die größte Solidarität mit den Opfern von Kriegen und Verfolgung zeigen», sagte Caritas-Präsident Peter Neher. «Ließe Europa mehr Zuwanderung zu, müssten weniger Menschen ihr Leben auf gefährlichen Überfahrten riskieren.» Das helfe der Entwicklung der Heimatländer.

Dass die Gesamtzahl der Flüchtenden nur knapp über der des Vorjahres lag, suggeriere fälschlicherweise eine Stagnation der Lage, sagte Grandi. «Das verschleiert nur, wie instabil die Lage in vielen Regionen ist.» Millionen Menschen seien in ihre Heimatorte zurückgekehrt, ohne dass die Lage wirklich sicherer war. Andere hätten ein neues Zuhause in Drittländern gefunden. Neu wurden 10,3 Millionen Menschen in die Flucht getrieben.

Hilfsorganisationen kritisierten die Abschottungsversuche der EU. Diakonie-Präsident Ulrich Lilie: «Menschen, die vor Terror, Krieg, und Verfolgung aus Syrien, Afghanistan, Eritrea und anderen Ländern fliehen müssen und auf der Suche nach Zuflucht und Zukunft zu uns gekommen sind (...) haben ein verbrieftes Recht auf Schutz und Sicherheit in Deutschland, auch in Europa.»

Die EU-Unterstützung für die libysche Küstenwache, die Flüchtlinge zurück nach Libyen bringe, stellt die zur Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer gegründete Organisation Mission Lifeline an den Pranger. «Diese Situation könnte morgen beendet werden, indem man den Bedürftigen sichere und legale Fluchtwege zur Verfügung stellt», so Mission Lifeline.

Der Menschenrechtskommissar des Europarats warnte davor, den Familiennachzug zu beschränken. Das behindere die Integration, sagte Nils Mui?nieks in Straßburg. Wer sich ständig Sorgen über seine Angehörige mache, könne nicht über seine Zukunft und eine neues Leben in einer fremden Gesellschaft nachdenken. In Deutschland wurde der Familiennachzug für bestimmte Flüchtlinge für zwei Jahre ausgesetzt. Den Familiennachzug nicht zu gestatten, verstoße gegen die UN-Kinderrechtskonvention, betonte das Deutsche Institut für Menschenrechte.

Zählt man die über die Grenzen Geflüchteten und intern Vertriebenen zusammen, steht Syrien an erster Stelle mit zwölf Millionen. Danach kommt Kolumbien (7,7 Millionen), gefolgt von Afghanistan (4,7 Millionen), Irak (4,2 Millionen) und Südsudan (3,3 Millionen).

@ dpa.de

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