Konflikte, Syrien

Könnte es zu einem direkten militärischen Konflikt zwischen Russland und den USA in Syrien kommen? Nach dem Abschuss eines syrischen Jets durch die Amerikaner will Moskau Maschinen des US-Bündnisses sogar als Ziele ins Visier nehmen.

19.06.2017 - 15:36:06

Schlacht um Al-Rakka - Russland nach Flugzeugabschuss: US-Jets potenzielle Ziele. Und ein wichtiger Kommunikationskanal wird gekappt.

Moskau - Nach dem Abschuss eines syrischen Kampfjets durch ein US-Flugzeug verschärft Russland die Konfrontation. Der Kommunikationskanal zwischen russischem und amerikanischem Militär zur Vermeidung von Zwischenfällen über Syrien werde gekappt, teilte das Verteidigungsministerium mit.

Stattdessen werde das russische Militär Flugzeuge und Drohnen der US-geführten Koalition als potenzielle Ziele ins Visier nehmen, wenn sie westlich des Flusses Euphrat fliegen. Der russische Vizeaußenminister Sergej Rjabkow verurteilte den Abschuss als «Akt der Aggression».

Der syrische Jagdbomber vom Typ Suchoi Su-22 war am Sonntag bei Gefechten um die IS-Hochburg Al-Rakka in Nordsyrien getroffen worden. Das Flugzeug habe zuvor Bomben in der Nähe von Einheiten der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) abgeworfen, teilte das US-Militär mit. Zum Abschalten des Kommunikationskanals mit den Russen wollte sich ein Sprecher der US-geführten Koalition zunächst nicht äußern.

Die kurdisch geführten SDF sind mit der internationalen Koalition verbündet, die in Syrien und dem Irak gegen die Terrormiliz Islamischer Staat kämpft. Nach syrischen Angaben hatte die Su-22 nur IS-Stellungen angegriffen. Moskau unterstützt in Syrien die Führung von Präsident Baschar al-Assad.

In den vergangenen Wochen hatte das US-Militär im Südosten Syriens mehrmals regierungsnahe Milizen angegriffen. Das Pentagon begründete das damit, dass diese eine Gefahr für US-Soldaten und verbündete Kämpfer dargestellt hätten. Alle drei Vorfälle ereigneten sich nahe At Tanf, wo rund 150 US-Soldaten oppositionelle Kräfte im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ausbilden.

Manche Beobachter fürchten, dass die USA schleichend tiefer in den syrischen Bürgerkrieg hineingezogen werden und es zu einem direkten militärischen Konflikt mit den Truppen von Assad kommen könnte.

Die SDF drohte der Regierung in Damaskus derweil. «Wir betonen, dass die andauernden Attacken des Regimes auf unsere Stellungen in der Provinz Al-Rakka uns zur Vergeltung und zu unserem Recht zur Selbstverteidigung zwingen werden», sagte Sprecher Talal Silo in einer Stellungnahme Die Angriffe zielten darauf, den Sturm auf die IS-Hochburg Al-Rakka zu stoppen.

Die steigenden Spannungen könnten auch Einfluss auf die für den 10. Juli angesetzten Friedensgespräche in der kasachischen Hauptstadt Astana haben. Zu diesen werde auch der UN-Sondergesandte Staffan De Mistura erwartet, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow der Agentur Tass zufolge am Montag in Peking.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

IS-Hochburg in Syrien - Lage von Flüchtlingen aus Al-Rakka immer dramatischer. Für die Zivilisten werden die Kämpfe mehr und mehr zu einem Alptraum. Auch nach der Flucht geht das Leiden weiter. Seit Juni greift ein Kurden-Bündnis die vom IS gehaltenen Stadt Al-Rakka an. (Politik, 17.08.2017 - 07:56) weiterlesen...

Lage von Flüchtlingen aus IS-Hochburg Al-Rakka dramatisch. Die Menschen bräuchten dringend humanitäre Hilfe, sagte die Sprecherin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz in Syrien, Ingy Sedky, der Deutschen Presse-Agentur. Vor allem die Sommerhitze mit Temperaturen von mehr als 50 Grad habe die Not vergrößert. Nach Angaben des UN-Nothilfebüros sind seit April fast 225 000 Menschen vor den Kämpfen in der Region geflohen. Al-Rakka - Die Lage der Flüchtlinge aus der umkämpften nordsyrischen IS-Hochburg Al-Rakka wird Hilfsorganisationen zufolge immer dramatischer. (Politik, 16.08.2017 - 12:56) weiterlesen...

Syrische Rebellen verlassen umkämpfte Grenzregion. 40 Busse hätten den Nordosten des Libanons in Richtung einer Rebellenstadt nördlich von Damaskus in Syrien verlassen, berichtete die libanesische Schiitenmiliz Hisbollah. Mehr als ein Dutzend Krankenwagen würden zudem Verletzte transportieren. Bereits Anfang August waren Tausende Flüchtlinge und Dschihadisten aus dem Grenzgebiet nach einem Deal mit der libanesischen Regierung und der Hisbollah nach Syrien gereist. Beirut - Etwa 350 moderate syrische Rebellen und Zivilisten haben ein umkämpftes libanesisches Gebiet an der Grenze zu Syrien verlassen. (Politik, 14.08.2017 - 12:54) weiterlesen...