Jahreswechsel, Silvester

Köln erlebt eine Silvesterparty, wie sie die Stadt noch nicht gesehen hat.

01.01.2017 - 03:06:04

1500 Polizisten - Köln feiert unter starken Sicherheitsvorkehrungen Silvester. Tausende Sicherheitskräfte werden aufgeboten, um ein Chaos wie vor einem Jahr zu verhindern. Eine Licht-Show soll die schockierenden Bilder von damals irgendwie vergessen machen.

  • Domplatte - Foto: Oliver Berg

    Mit Einbruch der Dunkelheit startete am Kölner Dom eine Multimedia-Show des Berliner Lichtkünstlers Philipp Geist. Foto: Oliver Berg

  • Im Einsatz - Foto: Henning Kaiser

    Polizisten sichern die Umgebung des Doms. Allein in der Innenstadt werden rund 1500 Polizisten in den Einsatz geschickt. Foto: Henning Kaiser

  • Betonsperren - Foto: Henning Kaiser

    Betonsperren und ein Lastwagen der Polizei versperren eine Straße Richtung Dom. Foto: Henning Kaiser

  • Henriette Reker - Foto: Henning Kaiser

    Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker steht auf dem Roncalliplatz vor dem Dom. Foto: Henning Kaiser

  • Multimedia-Show - Foto: Oliver Berg

    Bei der Multimedia-Show auf der Domplatte wurden Wörter auf den Boden und an Häuser projiziert, die die Kölner in den Tagen zuvor vorgeschlagen hatten. Foto: Oliver Berg

  • Erinnerungsselfie - Foto: Oliver Berg

    Erinnerungsselfie: Touristen fotografieren sich vor dem Kölner Dom. Foto: Oliver Berg

Domplatte - Foto: Oliver BergIm Einsatz - Foto: Henning KaiserBetonsperren - Foto: Henning KaiserHenriette Reker - Foto: Henning KaiserMultimedia-Show - Foto: Oliver BergErinnerungsselfie - Foto: Oliver Berg

Köln - Ein Jahr nach den massiven sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht hat Köln unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen ins neue Jahr gefeiert.

«Die umfangreiche Vorbereitung war richtig und notwendig», sagte Polizeipräsident Jürgen Mathies am frühen Sonntagmorgen. Allein in der Kölner Innenstadt waren rund 1500 Beamte eingesetzt, die vermehrt Personalien kontrollierten. Eine erste Zwischenbilanz von Polizei und Stadt in der Nacht fiel verhalten positiv aus.

Am Hauptbahnhof setzten Polizisten mehrere hundert verdächtige Männer fest, vornehmlich nordafrikanischer Herkunft. Weitere 300 Personen wurden am Deutzer Bahnhof aus einem Zug geholt und überprüft. «Sie werden von uns befragt, und wir werden ihre Identität feststellen. Es wird keiner zu früh gehen», sagte Mathies. Er habe kurzfristig zwei zusätzliche Hundertschaften zur Verstärkung angefordert.

In der Silvesternacht vor einem Jahr hatte es in Köln massenhaft sexuelle Übergriffe auf Frauen gegeben. Zeugen beschrieben die Täter als nordafrikanisch oder arabisch aussehend. Viele der Beschuldigten waren Flüchtlinge.

Am frühen Neujahrsmorgen 2017 berichtete die Polizei von zwei gemeldeten Sexualstraftaten, bei denen Frauen angefasst und begrapscht worden seien. Ein Verdächtiger sei festgenommen worden, in dem anderen Fall seien die drei Täter noch flüchtig.

Nach den Geschehnissen vor einem Jahr hatten Stadt und Polizei bei der Sicherheit stark aufgerüstet. Die Domplatte war mit Absperrgittern gesichert, es gab Einlasskontrollen, weil dort Feuerwerk verboten war. Neu installierte hochauflösende Videokameras übertrugen Bilder vom Vorplatz des Hauptbahnhofs live ins Polizeipräsidium. Zudem gab es mehrere Straßensperren. Nach dem Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt wurden unter anderem Betonklötze aufgestellt, um zu verhindern dass Lastwagen in Menschenmengen fahren können.

Auf der Kölner Domplatte inszenierte der Berliner Lichtkünstler Philipp Geist eine Multimedia-Show, die sich nach Angaben eines Stadt-Sprechers bis zu 50 000 Menschen ansahen. Dabei wurden Wörter auf den Boden und an Häuser projiziert, die die Kölner in den Tagen zuvor vorgeschlagen hatten - etwa «Anstand» und «Erinnerung». Der Boden unter den Füßen driftete langsam weg, so die Illusion. Aus Lautsprechern tönten sphärische Klänge.

Kardinal Rainer Maria Woelki äußerte sich zuversichtlich, dass von Köln in dieser Silvesternacht eine friedliche Botschaft ausgehen werde. Die Wörter der Lichtinstallation zeigten: «Köln ist eine Stadt, die für Mitmenschlichkeit und Geschwisterlichkeit steht.»

Zuvor hatte Woelki in seiner Jahresabschluss-Predigt im Dom die vergangene Silvesternacht als «Katastrophe» bezeichnet. Zeitgleich zum Silvester-Gottesdienst seien damals Hunderte Frauen einer Bedrohung ausgesetzt gewesen, «die so und in dem Ausmaß bislang nicht vorstellbar war».

@ dpa.de