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Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, Frankfurt

16.03.2016 - 12:26:00

In Frankfurt verdienen Frauen in Vollzeit 10 Prozent weniger als Männer Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur ...

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Frankfurt (pressrelations) -
In Frankfurt verdienen Frauen in Vollzeit 10 Prozent weniger als Männer Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität legt zum "Equal Pay Day" Studie vor - Detaillierte Informationen über verschiedene Branchen


Frankfurter Frauen, die Vollzeit arbeiten, verdienen im Schnitt 10 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen, 2010 waren es noch 12 Prozent. Dies belegt eine soeben veröffentlichte Studie des Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität, die sich auf aktuell verfügbare Zahlen des Jahres 2013 bezieht und pünktlich zum "Equal Pay Day" (19. März) veröffentlicht wird. "Wenn sich dieser Trend so fortsetzt, ist dies ein großer Fortschritt für Frauen. Immer mehr Frankfurterinnen arbeiten inzwischen Vollzeit und gerade dort nimmt der Lohnabstand zu den Männern stetig ab", meint Dr. Christa Larsen, Geschäftsführerin des IWAK. Allerdings liegt Frankfurt nach dieser Berechnung zwei Prozent unter dem Bundesdurchschnitt.

Die Einkommen aller Vollzeit-Berufstätigen sind in Frankfurt von 2010 bis 2013 um fast 9 Prozent gestiegen ist. Doch je höher die Einkommen, desto weniger Frauen partizipieren daran: Wenn Männer mit einem akademischen Abschluss im Schnitt 5.600 Euro verdienen, liegt das durchschnittliche Bruttoeinkommen von gleich qualifizierten Frauen bei 4.500 Euro, also fast 25 Prozent darunter. Frauen mit Berufsabschluss verdienen im Schnitt 3.000 Euro während das Bruttoeinkommen vergleichbar qualifizierter Männer bei 3.500 Euro liegt. Hier beträgt der Unterschied gerade 13 Prozent. Dazu Larsen: "Dies ist die bittere Wahrheit, mit der sich Frauen immer noch konfrontiert sehen. Unsere Studie zeigt, dass bei Beschäftigten mit akademischen Abschlüssen, die Einkommenslücke zwischen Frauen und Männern viel größer ist als bei Berufsausbildungen. Vor diesem Hintergrund mag mancher Rat an Frauen, sich doch immer höher zu qualifizieren, um bessere Einkommenschancen zu haben, nochmals anders gedacht werden."

Der Weg zu höheren Einkommen ist weniger an Abschlüsse als vielmehr an unternehmensinterne Aufstiegsmöglichkeiten und Karrierechancen gebunden. Und hier haben es Frauen im Schnitt noch viel schwerer als Männer, wie der seit Jahren wenig wachsende Anteil von Frauen in Führungspositionen zeigt. "Männliche Seilschaften und eine traditionelle Betriebskultur wirken wie eine gläserne Decke, die Frauen bei ihrem Aufstieg nur schwer durchdringen können", stellt Larsen fest.

Am "Equal Pay Day", am 19. März, stellt Christa Larsen gemeinsam mit ihrer Kollegin Julia Krekel die Studie "Die Entgelt(un)gleichheit der Frankfurterinnen. Einkommenslücken zwischen Frauen und Männern im Spiegel von Branchen, Staatsangehörigkeit und Qualifikation" öffentlich vor, bei der die Sozialwissenschaftlerinnen des IWAK Daten des Statistikservice Südwest der Bundesagentur für Arbeit ausgewertet haben, um das Bruttoeinkommen von Vollzeit-Beschäftigten vergleichen zu können. Mit dem Verfahren, das in dieser Studie angewandt wird, wird die sogenannte "bereinigte Einkommenslücke" berechnet. "Die verwendeten Daten erlauben uns auch klare Aussagen zu den jeweiligen Branchen, was für Betrachtung der Frankfurter Situation besonders interessant ist", ergänzt Larsen.

Denn die Verringerung der Lohnlücke von 2010 bis 2013 um fast 2 Prozent trifft nicht auf alle Branchen zu: "In der Beratungsbranche stagniert die Lücke seit Jahren auf einem hohen Niveau von über 20 Prozent", so die IWAK-Geschäftsführerin Dr. Larsen. "Auffällig ist auch, dass sich in der ständig wachsenden Gesundheitsbranche und dem Sozialwesen und in der für Frankfurt wichtigen Finanz- und Versicherungsbranche ein ähnliches Bild zeigt, obwohl alle drei Branchen zunehmend höhere Frauenanteile haben."

Die Einkommensgerechtigkeit zwischen den Geschlechtern variiert extrem nach den verschiedenen Branchen. Am höchsten ist die Gerechtigkeit derzeit im verarbeitenden Gewerbe, einer wichtigen Branche am Standort Frankfurt, wie die Frankfurter Industriestudie 2013 gezeigt hat (www.amazon.de/Industriestudie-Frankfurt-am-Main-2013/dp/3631655517), an der Humangeografen der Goethe-Universität maßgeblich beteiligt waren. "Wenn Frauen im verarbeitenden Gewerbe, das in Frankfurt überwiegend mittelständisch geprägt ist, in Vollzeit arbeiten, verdienen sie im Schnitt etwa 2,4 Prozent weniger als ihrer männlichen Kollegen", so Larsen. 2010 lag der Abstand noch bei über 8 Prozent. "Ein Grund mehr, diese Branche zu wählen, in der schon überdurchschnittliche Gehälter gezahlt werden", so Krekel.

Die Informatik und Kommunikationsbranche, eine weitere Zukunftsbranche in Frankfurt, zeichnet ein eher düsteres Bild: Nahezu 18 Prozent beträgt der Unterschied in den Bruttoeinkommen zwischen in Vollzeit beschäftigten Frauen und Männern. "Offensichtlich hat auch der stetig wachsende Anteil von Frauen, der inzwischen bei einem Drittel liegt, keinen positiven Einfluss", sagt Larsen. Einen kleinen Hoffnungsschimmer machen die Sozialwissenschaftlerinnen aus: Im Vergleich zu 2010 ist der Abstand zwischen dem Einkommen der Männer und Frauen schon etwas kleiner geworden, damals hatte er noch über 20 Prozent betragen. "Aber es ist noch ein weiter Weg, bis Einkommensgerechtigkeit in dieser Branche umgesetzt ist", fürchtet Krekel.

Die Studie hat die verschiedenen Branchen und ihre Verdienstmöglichkeiten detailliert unter die Lupe genommen: Am besten verdienen Frauen im Bereich Finanz- und Versicherungsdienstleistungen mit über 5.400 Euro (Frauenanteil 41 Prozent). Während im Gesundheits- und Sozialwesen die durchschnittlichen Bruttoeinkommen monatlich bei knapp über 3.000 Euro liegen (Frauenanteil über 71 Prozent), sind es im Erziehungsbereich knapp über 3.400 Euro (Frauenanteil 62 Prozent). Deutlich höher liegen die Einkommen in der Branche Information und Kommunikation mit über 4.600 Euro, doch hier beträgt der Frauenanteil auch nur 31 Prozent.

"Equal Pay Day"
Das Datum des "Equal Pay Day" wird jedes Jahr neu berechnet, in diesem Jahr ist es der 19. März. Er symbolisiert den geschlechtsspezifischen Entgeltunterschied und wird nach einem anderen Verfahren, als es die Frankfurter Studie verwendet, festgelegt. Da hier alle Frauen und Männer, die erwerbstätig sind, mit ihrem Bruttoeinkommen verglichen werden, kommt man auf eine bundesweite Lohnlücke von 22 Prozent. Umgerechnet auf das Jahr 2016 arbeiten Frauen quasi vom 1. Januar bis 19. März 2016, also 79 Tage, umsonst. 2015 waren es 80 Tage. Deutschland gehört immer noch zu den Schlusslichtern in Europa, wenn es um die Entgeltgleichheit von Frauen und Männern geht. Auf Initiative des Bundesfamilienministeriums wird zurzeit ein Gesetzentwurf erarbeitet, der Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten verpflichten soll, ihre eigene Entgeltgleichheit zu überprüfen, diese herzustellen und zu dokumentieren. Und außerdem sollen Arbeitnehmer/innen einen individuellen Auskunftsanspruch gegenüber ihrem Arbeitgeber erhalten.

Der "Equal Pay Day" des Frankfurter Aktionsbündnisses, das vom Business and Professional Women Club Frankfurt (BPW) und dem Frauenreferat der Stadt initiiert wurde und zu dem auch das IWAK gehört, widmet sich in diesem Jahr dem Thema "Berufe mit Zukunft - was ist meine Arbeit wert?" An einer Diskussion zum "Equal Pay Day" im Evangelischen Frauenbegegnungszentrum (Saalgasse15, 19. März, 11 Uhr) beteiligt sich auch die Sozialwissenschaftlerin Dr. Christa Larsen vom IWAK.
Informationen: Dr. Christa Larsen, Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität, Campus Bockenheim Tel. (069) 798- 22152, E-Mail: c.larsen@em.uni-frankfurt.de, Broschüre online unter: www.iwak-frankfurt.de/iwak-broschure-zum-equal-pay-day/

Weitere Ergebnisse der Studie auch auf GOETHE-UNI online: www.aktuelles.uni-frankfurt.de/

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 mit privaten Mitteln überwiegend jüdischer Stifter gegründet, hat sie seitdem Pionierleistungen erbracht auf den Feldern der Sozial-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, Medizin, Quantenphysik, Hirnforschung und Arbeitsrecht. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein hohes Maß an Selbstverantwortung. Heute ist sie eine der zehn drittmittelstärksten und drei größten Universitäten Deutschlands mit drei Exzellenzclustern in Medizin, Lebenswissenschaften sowie Geisteswissenschaften. Zusammen mit der Technischen Universität Darmstadt und der Universität Mainz ist sie Partner der länderübergreifenden strategischen Universitätsallianz Rhein-Main.

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