Extremismus, Bahn

In mehreren Städten legen Unbekannte am Montagmorgen Teile des Bahnverkehrs lahm.

19.06.2017 - 16:44:34

Staatsschutz ermittelt - Brandanschläge auf Bahnanlagen vor G20-Gipfel in Hamburg. Der Staatsschutz ermittelt - denn die Taten haben möglicherweise einen extremistischen Hintergrund. Möglicher Anlass: Der G20-Gipfel in Hamburg.

  • Brandanschlag auf Kabelschacht - Foto: Paul Zinken

    Eine Hinweistafel informiert in Berlin die Reisenden und Pendler im S-Bahnhof Treptower Park über einen Kabelbrand. Foto: Paul Zinken

  • Polizeiabsperrung - Foto: Paul Zinken

    Eine Absperrung der Polizei im Berliner S-Bahnhof am Treptower Park. Dort brannte es in einem Kabelschacht - es kam zu erheblichen Problemen im Nahverkehr. Foto: Paul Zinken

  • Zugverkehr eingestellt - Foto: Arno Burgi

    Auf einer Hinweistafel im Hauptbahnhof in Dresden wird auf Ausfälle und Verspätungen im Zugverkehr hingewiesen. Foto: Arno Burgi

Brandanschlag auf Kabelschacht - Foto: Paul ZinkenPolizeiabsperrung - Foto: Paul ZinkenZugverkehr eingestellt - Foto: Arno Burgi

Berlin - Knapp drei Wochen vor dem G20-Gipfel in Hamburg haben Unbekannte in mehreren Bundesländern Feuer in Bahnanlagen gelegt. Der für politisch motivierte Taten zuständige Staatsschutz nahm Ermittlungen auf. Ein mögliches Bekennerschreiben aus der linksextremistischen Szene wird geprüft.

In der Nacht zum Montag wurden laut Bundesinnenministerium 13 Anschläge verübt. Zudem seien zwei Brandsätze vor einer Zündung sichergestellt worden, teilte die Bundespolizei mit. Ziel waren vor allem Kabel an Bahnstrecken. Menschen wurden nicht verletzt. Züge fielen aus, Reisende mussten mit Verspätungen zurechtkommen.

Betroffen waren demnach Berlin, Hamburg, Köln, Dortmund, Leipzig und Bad Bevensen in Niedersachsen. Ein Ministeriumssprecher sagte, die Kabelbrände gingen auf unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen zurück. Täter wurden bislang nicht gefasst.

Die Bundespolizei, die für die Sicherheit von Bahnanlagen zuständig ist, hatte die Zahl der Anschläge zunächst mit zwölf angegeben - weil ein Feuer in einem Kabelschacht auf dem Gelände des Bremer Güterverkehrszentrums neben den Gleisen in der Nähe zum Hafen in die Zuständigkeit der örtlichen Polizei falle. In Bremen sagte eine Sprecherin der Behörde, ein Zusammenhang zu den anderen Vorfällen werde geprüft.

Auf der Internetplattform «linksunten.indymedia.org» tauchte ein mögliches Bekennerschreiben auf. Bei der Polizei hieß es, das Schreiben sei bekannt und werde geprüft.

Vor dem G20-Gipfel hatten Linksextremisten wiederholt Aktionen und Anschläge angekündigt. Am 7. und 8. Juli treffen sich Staats- und Regierungschefs aus den führenden Industrie- und Schwellenländern sowie Vertreter der EU. Mit dabei: US-Präsident Donald Trump und Russlands Staatschef Wladimir Putin. Nach Einschätzung des Operativen Abwehrzentrums (OAZ) der sächsischen Polizei haben die Vorfälle möglicherweise einen Bezug zum G20-Gipfel.

Aus Sicherheitskreisen hieß es, das mutmaßliche Bekennerschreiben passe ins «Raster». Es sei aber noch unklar, ob es authentisch sei. Indymedia versteht sich als offene Plattform zur freien Verbreitung von Informationen. In der Vergangenheit waren dort im Zusammenhang mit Bekennerschreiben zu Straftaten auch Fälschungen aufgetaucht.

Der Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte, es sei noch zu früh für Aussagen, ob es einen Zusammenhang zwischen den Angriffen und dem bevorstehenden Gipfel gebe.

Generell sei ein Zusammenhang zwischen den Angriffen und linken Protesten gegen den G20-Gipfel möglich, hieß es aus den Sicherheitskreisen. «Angriffe auf die Infrastruktur passen ins Muster linksextremistischer Mobilisierung vor dem G20-Gipfel.»

Im Raum Leipzig wurden nach Angaben der Bundespolizei seit 2.40 Uhr Brandanschläge auf Kabelschächte und elektronische Stellwerke verübt. Brandvorrichtungen konnten auch unschädlich gemacht werden, bevor sie Schaden anrichteten, wie ein Sprecher sagte. Mit einem Hubschrauber sei aus der Luft nach weiteren Brandorten gesucht worden.

Am Berliner S-Bahnhof Treptower Park wurde vermutlich ein Feuer in einem Kabelschacht gelegt. Der Anschlag führte zu erheblichen Beeinträchtigungen im Berufsverkehr. Mehrere S-Bahn-Linien waren betroffen. Eine Bahn-Aufsicht hatte am frühen Morgen starken Rauch neben den Gleisen bemerkt.

In Hamburg gab es zwei Brände an Zuggleisen, es brannten Kabel neben den Gleisen. Der Zugverkehr auf der Strecke Hamburg-Lübeck war unterbrochen. Nach dem Fund einer herrenlosen Umhängetasche am Hauptbahnhof war zudem der S-Bahn-Verkehr teilweise unterbrochen.

Am Nachmittag teilte die Deutsche Bahn mit, nach den nun abgeschlossenen Ermittlungen an den Brandorten arbeiteten nun Techniker daran die Vandalismus-Schäden zu beseitigen. Der Zugverkehr werde nach und nach wieder aufgenommen. Es gab aber noch Einschränkungen. Die Bahn setzte nach eigenen Angaben zusätzliche Mitarbeiter an den betroffenen Bahnhöfen sowie im Telefon-Service ein.

Es waren nicht die ersten Anschläge dieser Art auf technische Bahnanlagen. Im Mai 2011 war nach einem Feuerangriff auf eine Kabelbrücke am Berliner Bahnhof Ostkreuz ein großer Teil des Nahverkehrs zusammengebrochen. Die Polizei hielt ein im Internet verbreitetes Bekennerschreiben aus der linksautonomen Szene für authentisch. Demnach wollte eine Gruppe mit dem Namen Hekla mit der Aktion gegen den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr protestieren.

@ dpa.de

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