Prozesse, Extremismus

Im Terrorprozesses gegen die rechte «Gruppe Freital» gibt es einen turbulenten Start.

07.03.2017 - 17:40:06

Verteidigung mit Antragsflut - Rechtsextreme «Gruppe Freital» in Dresden vor Gericht. Angeklagt sind acht Menschen, von denen die meisten bisher als unbescholten galten. Die Vorwürfe aber wiegen schwer.

  • Hotel in Freital - Foto: Oliver Killig

    Sommer 2015: Die Polizei sichert das Leonardo-Hotel in Freital, in dem Asylbewerber untergebracht sind. Foto: Oliver Killig

  • Im Verhandlungssaal - Foto: Sebastian Kahnert

    Einer der Angeklagten wird zu Prozessbeginn in den Verhandlungssaal geführt. Foto: Sebastian Kahnert

  • Büro der Linkspartei in Freital - Foto: Arno Burgi/Archiv

    Unter anderem wurde vor einem Parteibüro der Linken Pyrotechnik gezündet. Foto: Arno Burgi/Archiv

  • Anschlag auf Asylbewerberunterkunft - Foto: Arno Burgi

    1. November 2015: An drei Fenstern einer von Asylbewerbern genutzten Wohnung explodieren Sprengkörper. Ein Syrer wird von Glasscherben im Gesicht getroffen und verletzt. Foto: Arno Burgi

  • Graffiti in Freital - Foto: Roland Halkasch

    Graffiti im sächsischen Freital. Foto: Roland Halkasch

  • Anschlag auf Flüchtlingsunterkunft - Foto: Roland Halkasch

    Anschlag auf die Asylbewerberunterkunft in Freital. Foto: Roland Halkasch

  • Demonstration in Freital - Foto: Oliver Killig

    Gegner der Flüchtlingsunterkunft demonstrieren in Freital. Foto: Oliver Killig

  • «No Asyl» - Foto: Arno Burgi

    «No Asyl» steht auf einem Verteilerkasten in Freital. Foto: Arno Burgi

Hotel in Freital - Foto: Oliver KilligIm Verhandlungssaal - Foto: Sebastian KahnertBüro der Linkspartei in Freital - Foto: Arno Burgi/ArchivAnschlag auf Asylbewerberunterkunft - Foto: Arno BurgiGraffiti in Freital - Foto: Roland HalkaschAnschlag auf Flüchtlingsunterkunft - Foto: Roland HalkaschDemonstration in Freital - Foto: Oliver Killig«No Asyl» - Foto: Arno Burgi

Dresden - Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen und mit schweren Vorwürfen der Verteidigung hat in Dresden der Terrorprozess gegen die rechtsextreme «Gruppe Freital» begonnen. Die Anklage wirft den sieben Männern und einer Frau im Alter zwischen 19 und 39 Jahren die Bildung einer terroristischen Vereinigung vor.

Weitere Anklagepunkte betreffen versuchten Mord, gefährliche Körperverletzung und die Herbeiführung von Sprengstoffexplosionen.

Zu Beginn der Verhandlung versuchten mehrere Verteidiger, Befangenheitsanträge einzubringen. Richter Thomas Fresemann setzte aber durch, dass zunächst die Anklage verlesen wurde. Als Konsequenz daraus verweigerten sieben der acht Angeklagten später Angaben zu ihren Personalien.

Verteidiger Endrik Wilhelm, der die eine Frau vertritt, warf Fresemann vor, Recht zu brechen und sah in der Anklage eine «Prangerwirkung». Später versuchte er die Taten der Gruppe mit Verweis auf die seiner Ansicht nach geringen Schäden zu relativieren. Der Sicherheitsaufwand n, sagte Wilhelm.

Die «Gruppe Freital» wird für fünf in Freital und Dresden verantwortlich gemacht. Außerdem sollen sie Anschläge mit Rohrbomben vorbereitet haben. Der Prozess findet und verschärften Sicherheitsvorkehrungen statt.

Mit ihren zwischen Juli und November 2015 begangenen Taten hätten die Angeklagten die «Bevölkerung verunsichern» und ein Klima der Angst erzeugen wollen, sagte Bundesanwalt Jörn Hauschild. Ziel der Gruppe sei es gewesen, ihre .

Laut Anklage ging die Gruppe arbeitsteilig vor. Als führender Kopf gilt der aus Hamburg stammende Neonazi Timo S. Sein Gesinnungsgenosse Patrick F. sei für die technischen Details der Anschläge - sprich für die Sprengsätze - zuständig gewesen, hieß es. Zum Einsatz kamen illegale Böller, von denen einige die 130-fache Sprengkraft der in Deutschland zulässigen Pyrotechnik besaßen.

Laut Anklageschrift attackierten die Beschuldigten Flüchtlingsheime in Freital, ein Parteibüro der Linken und das Auto eines Linke- Politikers in der Kleinstadt sowie ein alternatives Wohnprojekt in Dresden. Bei einem der Sprengstoffanschläge wurde ein Asylbewerber durch herumfliegende Glassplitter verletzt. Bei einem anderen Überfall, den die Gruppe zusammen mit Dresdner Neonazis verübte, erlitt ein Opfer ein Knalltrauma. Lediglich dem Zufall sei es zu verdanken, dass keine Menschen zu Tode kamen oder schwer verletzt wurden, hieß es.

Die Verteidiger bemängelten, dass der zuständige Strafsenat des Oberlandesgerichtes eigens für dieses Verfahren zusammengestellt wurde und sprachen von einer «gezielten Richterzuweisung». Man habe «Justitia die Augenbinde abgenommen». Bei dem Prozess gehe es nicht um eine Gefahrenabwehr, sondern um eine «Machtdemonstration».

Richter Fresemann hörte sich die Anschuldigungen nahezu regungslos an und fragte nur immer wieder nach, ob es noch weitere Anträge gibt. Die Nebenklage machte ihrem Unmut Luft und warf Verteidiger Wilhelm «Selbstdarstellung», eine «Verharmlosung der Ereignisse und eine Verhöhnung der Nebenkläger» vor.

@ dpa.de

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