Terrorismus, Explosionen

Im Irak und in Syrien steht der IS massiv unter Druck.

23.05.2017 - 17:14:06

Fragen und Antworten - Eine Bombe gegen «Kreuzfahrer»: IS hinter neuem Attentat?. Schon früher reagierte er darauf mit Attentaten. Bald beginnt der Fastenmonat Ramadan. Vor einem Jahr gab es eine beispiellose Terrorserie.

Istanbul - Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamiert den Terrorangriff von Manchester für sich. Brüssel, Nizza, Berlin - schon in der Vergangenheit hatten sich die Extremisten zu blutigen Attentaten in Europa bekannt. Beobachter sehen darin eine Reaktion auf den Druck, unter dem der IS in Syrien und im Irak steht.

Ist der IS tatsächlich für den Anschlag verantwortlich?

Das lässt sich zunächst nicht eindeutig klären. Die Extremisten veröffentlichten ihr Bekenntnis über die üblichen IS-Kanäle im Internet. Die Sprache der Mitteilung - gefüllt mit religiösen Floskeln - entspricht früheren Erklärungen. Insofern kann sie als authentisch angesehen werden. Allerdings gibt der IS kein Täterwissen preis. Er spricht nur von einem Sprengsatz, der unter «Kreuzfahrern» in einem «Gebäude für schamlose Feiern» platziert worden sei. Weitere Details, die die Täterschaft des IS eindeutig belegen, fehlen jedoch.

Welches Motiv könnten die Extremisten haben?

Der IS bezeichnet den Anschlag als Rache und Antwort auf Angriffe gegen Muslime. Seine Gewalt richtet sich immer wieder gegen Staaten, die sich an dem US-geführten internationalen Bündnis beteiligen, das den IS in Syrien und im Irak bekämpft. Dort steht die Terrormiliz nach dem Beginn mehrerer Offensiven massiv unter Druck.

Schon in der Vergangenheit hat sich gezeigt: Je mehr der IS militärisch an Boden verliert, desto mehr setzt er auf Terror. Damit will er Stärke demonstrieren. Nur wenn die Terrormiliz Macht zeigt, ist sie für Anhänger und Sympathisanten attraktiv.

Ähnlich wie der Angriff auf den Pariser Konzertsaal Bataclan im November 2015 richtete sich das Attentat von Manchester gegen eine Einrichtung, die nach der radikalen IS-Lesart des Islam als Sündenpfuhl gilt. Zudem verfolgen die Extremisten das Ziel, ihre Gegner zu terrorisieren: Niemand soll sich irgendwo sicher fühlen.

Wie sieht die Lage für den IS in Syrien und im Irak aus?

Sowohl im Irak als auch in Syrien laufen Offensiven gegen die Terrormiliz, die in beiden Ländern riesige Gebiete verloren hat. Von ihrer bisherigen nordirakischen Hochburg Mossul kontrolliert sie mittlerweile weniger als zehn Prozent. Ihre Niederlage rückt näher. Der IS wäre damit militärisch im Irak weitgehend besiegt.

Im Norden Syriens sind von Kurden angeführte Truppen bis auf wenige Kilometer an die IS-Hochburg Al-Rakka herangerückt. Größere Siege konnten die Extremisten hingegen seit langem nicht mehr erzielen.

Wäre der IS nach einer Niederlage in den beiden Ländern besiegt?

Nein. Selbst wenn der IS militärisch eine Niederlage erleidet, wird er nicht so schnell verschwinden. Vielmehr ist damit zu rechnen, dass sich die verbliebenen Anhänger in Verstecke zurückziehen und einen Guerilla-Krieg beginnen - so wie er es die IS-Vorläufer früher schon taten. Die Zahl der Anschläge könnte dann sogar zunehmen.

Besiegt werden kann der IS nur, wenn die Wurzeln zerschlagen werden, aus denen er sich nährt. Im Irak fühlen sich viele Sunniten von der Mehrheit der Schiiten unterdrückt. In vielen Gebieten Syriens gibt es wegen des Bürgerkriegs ein Machtvakuum. Viele Sunniten paktieren lieber mit dem IS als mit der von ihnen gehassten autokratischen Regierung unter Präsident Baschar al-Assad.

Der Fastenmonat Ramadan steht vor der Tür: Ist mit weiteren Anschlägen zu rechnen?

Weitere Anschläge sind denkbar. Am Ende der Woche beginnt der Fastenmonat Ramadan. Die Extremisten glauben, dass sie für Attentate gegen «Ungläubige» (Christen) oder «Ablehner» des richtigen Glaubens (Schiiten) in dem für gläubige Muslime heiligen Monat einen besonderen Lohn Gottes erhalten. Schon in der Vergangenheit nutzten sie den Ramadan für Terrorserien.

Eine der blutigsten liegt nur ein knappes Jahr zurück: Ende Juni 2016 sprengten sich am Istanbuler Atatürk-Flughafen drei Attentäter in die Luft und rissen 45 Menschen mit in den Tod. Dann folgte die Horrornacht in Bangladesch, als bei einer Geiselnahme 28 Menschen starben. Schließlich detonierte in Bagdad eine gewaltige Autobombe und zerstörte ein Einkaufszentrum. Mehr als 200 Menschen starben.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Sprengsatz in U-Bahn - Londoner U-Bahn-Anschlag: Zweiter Verdächtiger festgenommen. Der 21-jährige Mann wurde am späten Samstagabend in Hounslow im Westen der britischen Hauptstadt wegen Terrorverdachts in Gewahrsam genommen. London - Nach dem Anschlag auf die Londoner U-Bahn mit 30 Verletzten hat die britische Polizei einen zweiten Verdächtigen festgenommen. (Politik, 17.09.2017 - 09:40) weiterlesen...

Sprengsatz in U-Bahn - London-Attentat: Polizei schließt mehrere Täter nicht aus. Immer mehr deutet daraufhin, dass er verdächtigt wird, am Freitag die Bombe in einer Londoner U-Bahn deponiert zu haben. Ein Reihenhaus nahe London wird durchsucht. Ein 18-Jähriger wird im Ausreisebereich des Hafens von Dover festgenommen. (Politik, 17.09.2017 - 08:54) weiterlesen...

Scotland Yard schließt mehrere Täter nicht aus. Man könne nicht ausschließen, dass mehr als eine Person für den Angriff verantwortlich sei, hieß es von Scotland Yard. Vieles deutet aber darauf hin, dass es sich bei dem gefassten 18-Jährigen um den Hauptverdächtigen handelt. Im Zusammenhang mit der Festnahme wurde südwestlich von London ein Haus durchsucht. Bei der Explosion und in der Panik danach waren am Freitag 30 Menschen verletzt worden. London - Die britische Polizei sucht nach dem Anschlag in der Londoner U-Bahn nach weiteren Verdächtigen. (Politik, 17.09.2017 - 08:42) weiterlesen...

U-Bahn-Attentat: Polizei schließt mehrere Täter nicht aus. Ein 18-Jähriger wurde gestern Morgen im Ausreisebereich des Hafens von Dover wegen Terrorverdachts festgenommen. Noch gab Scotland Yard keine Details bekannt, doch es gibt kaum Zweifel daran, dass er verdächtigt wird, die Bombe am Freitagmorgen in einem Pendlerzug abgestellt zu haben. Der Mann wurde gestern nach London überstellt und sitzt dort in Gewahrsam. London - Nach dem Anschlag auf eine Londoner U-Bahn deutet laut Scotland Yard immer mehr darauf hin, dass die Polizei den Hauptverdächtigen bereits gefasst hat. (Politik, 17.09.2017 - 03:50) weiterlesen...

Nach Anschlag durchsucht Polizei Wohnung nahe London. Die Durchsuchung in Sunbury südwestlich von London stehe im Zusammenhang mit der vorangegangenen Festnahme eines Terrorverdächtigen im Hafenbereich von Dover, hieß es in der Mitteilung von Scotland Yard. Die britische Innenministerin Amber Rudd bezeichnete die Festnahme in Dover als «sehr bedeutend». Bei dem Anschlag war eine selbstgebaute Bombe in einer voll besetzten U-Bahn explodiert. 30 Menschen wurden verletzt. Die IS-Terrormiliz reklamierte den Anschlag für sich. London - Nach dem Bombenattentat auf eine Londoner U-Bahn hat die Polizei eine Wohnung in der Grafschaft Surrey durchsucht. (Politik, 16.09.2017 - 20:42) weiterlesen...

Festnahme und Wohnungsdurchsuchung nach Londoner Anschlag. Das teilte Scotland Yard mit. Die Durchsuchung der Wohnung in Sunbury in der Grafschaft Surrey südwestlich von London stehe im Zusammenhang mit der vorangegangenen Festnahme im Hafenbereich von Dover, hieß es in der Mitteilung. Als Vorsichtsmaßnahme seien mehrere angrenzende Wohnungen evakuiert worden. Der Bereich sei weiträumig abgeriegelt worden. London - Einen Tag nach dem Bombenanschlag auf eine Londoner U-Bahn mit 30 Verletzten hat die Polizei einen Terrorverdächtigen festgenommen und eine Wohnung durchsucht. (Politik, 16.09.2017 - 18:40) weiterlesen...