Terrorismus, Konflikte

Hunderte Menschen versammeln sich in einem Istanbuler Club, um nach einem von Terroranschlägen geprägten Jahr 2016 ins Neue Jahr zu feiern.

01.01.2017 - 19:30:06

Täter auf der Flucht - Terroranschlag auf Silvesterfeier in Istanbul. 2017 ist noch keine zwei Stunden alt, da dringt mindestens ein Terrorist in den Club ein - und richtet ein Blutbad an.

  • Angriff auf Istanbuler Nachtclub - Foto: str/AP

    Menschen flüchten, während Rettungskräfte und Sicherungskräfte in Istanbul im Einsatz sind. Foto: str/AP

  • Polizei - Foto: Depo Photos

    Einheiten der Polizei sichern eine Straße in der Nähe des Tatortes. Foto: Depo Photos

  • Angriff auf Istanbuler Nachtclub - Foto: Zum Zeitpunkt des Angriffs sollen 700 bis 800 Menschen in dem Club gewesen sein. Foto: IHA

    Zum Zeitpunkt des Angriffs sollen 700 bis 800 Menschen in dem Club gewesen sein. Foto: IHA

  • Silvester in Istanbul - Foto: Emrah Gurel

    Kurz vor dem Anschlag wurde im Ortaköy-Bezirk in Istanbul noch ausgelassen gefeiert. Foto: Emrah Gurel

  • Nachtclub Reina - Foto: Archiv

    Einige Gäste sprangen in den Bosporus, um dem Angriff zu entkommen. Foto: Archiv

  • Angreifer - Foto: Ein Angreifer mit einer Waffe läuft durch den Nachtclub. Foto: Emrah Gurel

    Ein Angreifer mit einer Waffe läuft durch den Nachtclub. Foto: Emrah Gurel

Angriff auf Istanbuler Nachtclub - Foto: str/APPolizei - Foto: Depo PhotosAngriff auf Istanbuler Nachtclub - Foto: Zum Zeitpunkt des Angriffs sollen 700 bis 800 Menschen in dem Club gewesen sein. Foto: IHASilvester in Istanbul - Foto: Emrah GurelNachtclub Reina - Foto: ArchivAngreifer - Foto: Ein Angreifer mit einer Waffe läuft durch den Nachtclub. Foto: Emrah Gurel

Zunächst bekannte sich niemand zu der Bluttat, die international scharf verurteilt wurde. Istanbuls Gouverneur Vasip Sahin sagte: «Das ist ein Terrorangriff.» Schon 2016 hatte der Nato-Staat eine ganze Reihe verheerender Anschläge verkraften müssen.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan kündigte an, weiter entschlossen gegen den Terrorismus zu kämpfen. Die Türkei werde alles tun, um «die Sicherheit und den Frieden ihrer Bürger zu gewährleisten». Ziel der Terroristen sei es, «Chaos» zu stiften.

Innenminister Süleyman Soylu sagte, 20 der 39 Toten seien identifiziert worden. Bei ihnen handele es sich um 15 Ausländer und 5 Türken. Medienberichten und Angaben der jeweiligen Regierungen zufolge sind unter den Opfern Menschen aus Saudi-Arabien, Marokko, dem Libanon, Libyen, Tunesien, Frankreich, Israel und Indien.

Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin hieß es: «Zum jetzigen Zeitpunkt lässt sich noch nicht sagen, ob auch Deutsche betroffen sind.» Das Ministerium bemühe sich mit Hochdruck um Aufklärung und stehe dazu in engem Kontakt mit den türkischen Behörden.

Auch Stunden nach dem Angriff war der Verbleib des Angreifers oder der Angreifer unklar. Ministerpräsident Binali Yildirim sagte, die Behörden arbeiteten mit Hochdruck daran, die Identität des Täters festzustellen. Er dementierte Medienberichte, wonach der Angreifer ein Weihnachtsmannkostüm getragen habe. «Das ist nicht wahr.» Yildirim sagte, es könne sein, dass der Angreifer seine Waffe im Club gelassen und sich im Tumult unter die Flüchtenden gemischt habe.

Innenminister Soylu sagte, Ermittlungen der Sicherheitskräfte deuteten darauf hin, dass es sich nur um einen Schützen gehandelt habe. Die Nachrichtenagentur DHA hatte gemeldet, zwei als Weihnachtsmänner verkleidete Terroristen seien in den Club eingedrungen und hätten das Feuer mit automatischen Waffen eröffnet. Auch eine Augenzeugin sprach von zwei Angreifern.

Gouverneur Sahin sprach von einem Attentäter, der sich um 01.15 Uhr Zugang zum Club verschafft habe, indem er am Eingang einen Polizisten und einen Zivilisten erschossen habe. Die Nachrichtenagentur DHA berichtete, zum Zeitpunkt des Angriffs seien 700 bis 800 Menschen in dem Club gewesen. Einige seien in den Bosporus gesprungen, um dem Angriff zu entkommen, berichteten Augenzeugen. Sie seien von Polizisten gerettet worden.

Erst 45 Menschen getötet worden, die meisten davon Polizisten. Dazu hatte sich die TAK bekannt, eine Splittergruppe der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Die TAK und die PKK greifen vorrangig Sicherheitskräfte an. Ebenfalls im Dezember war in Ankara der russische Botschafter Opfer eines Anschlags geworden. Der Attentäter war ein türkischer Polizist. Die Regierung verdächtigt die Gülen-Bewegung, hinter dieser Tat zu stecken.

Der Zeitung «Hürriyet» zufolge waren am Silvestertag acht Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Ankara festgenommen worden, die einen Anschlag in der Nacht geplant haben sollen. Türkische Truppen sind derzeit in Nordsyrien in heftige Gefechte mit dem IS verwickelt. Nach dem türkischen Einmarsch im August hatte IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi im November zu Anschlägen in der Türkei aufgerufen.

Zum Schutz vor Anschlägen waren in der Silvesternacht türkischen Medienberichten zufolge 17 000 Polizisten in Istanbul im Einsatz. An der zentralen Ausgehmeile Istiklal Caddesi kontrollierten Sicherheitskräfte die Zugänge und durchsuchten Taschen.

Die deutsche Botschaft hatte in einer Mitteilung an Deutsche angesichts der Terrorgefahr mitgeteilt: «Die Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen und Festlichkeiten an Silvester und Neujahr sollte verantwortungsvoll geprüft werden.»

Wenige Stunden vor dem Angriff hatte Präsident Erdogan in seiner Neujahrsansprache gesagt, die Türkei sei einem «neuen Unabhängigkeitskrieg» ausgesetzt. «Die nationale Einheit, territoriale Integrität, Institutionen, Wirtschaft, Außenpolitik, kurz alle unsere Elemente, die uns als Staat aufrecht erhalten, werden scharf angegriffen», erklärte er am Samstag.

@ dpa.de

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