Konflikte, Nordkorea

Hochtrabende Worte, harte Formulierungen: Im Nordkorea-Konflikt wollen die USA und die kommunistische Führung in Pjöngjang Stärke beweisen.

11.08.2017 - 18:44:07

Gefährliche Konfrontation - Nordkorea und USA: Diplomatie hinter der Rhetorik-Fassade. Hinter den Kulissen ist die Zeit der Diplomaten gekommen.

  • Kim Jong Un - Foto: Rodong Sinmun/YONHAP/RODONG SINMUN/Archiv

    Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un auf einer Veranstaltung des Zentralkomitees der Arbeiterpartei. Foto: Rodong Sinmun/YONHAP/RODONG SINMUN/Archiv

  • Raketenstart - Foto: Raketenstart in Nordkorea: Die Mittelstreckenrakete Hwasong-10 steigt auf. Foto: KCNA

    Raketenstart in Nordkorea: Die Mittelstreckenrakete Hwasong-10 steigt auf. Foto: KCNA

  • Jubel in Pjöngjang - Foto: Jon Chol Jin

    Menschen jubeln in Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang, während sie eine Nachrichtenübertragung verfolgen, die über einen neuen nordkoreanischen Raketentest berichtet. Foto: Jon Chol Jin

  • Nordkoreanische Rakete - Foto: Wong Maye-E

    Ballistische Raketen bei einer Militärparade in Pjöngjang. Foto: Wong Maye-E

  • US-Pazifikinsel Guam - Foto: Der US-Militärstützpunkt Guam ist von großer strategischer Bedeutung, im Vietnamkrieg diente die Insel den USA als Ausgangspunkt für Luftangriffe. Foto: Haven Daley

    Der US-Militärstützpunkt Guam ist von großer strategischer Bedeutung, im Vietnamkrieg diente die Insel den USA als Ausgangspunkt für Luftangriffe. Foto: Haven Daley

  • Kim - Foto: Der vom nordkoreanischen Rundfunk- und Fernsehkomitee zur Verfügung gestellte Videocrop zeigt Machthaber Kim Jong Un auf einem Raketen-Testgelände. Foto: KRT

    Der vom nordkoreanischen Rundfunk- und Fernsehkomitee zur Verfügung gestellte Videocrop zeigt Machthaber Kim Jong Un auf einem Raketen-Testgelände. Foto: KRT

  • Gelassenheit in Seoul - Foto: Ahn Young-Joon

    Gelassenheit in Seoul: Während ein Fernsehsender über einen nordkoreanischen Raketentest berichtet, studieren Pasanten in aller Ruhe ihre Smartphones. Foto: Ahn Young-Joon

  • THAAD-Raketenabwehr - Foto: Ralph Scott/Department Of Defense

    Test des Raketen-Abwehrsystems THAAD: Das System dient der Abwehr von Kurz- und Mittelstreckenraketen und zielt auf die Bedrohung durch Nordkorea. Foto: Ralph Scott/Department Of Defense

  • US-Rakete - Foto: US-Rakete im Silo: Foto: Jim Lo Scalzo

    US-Rakete im Silo: Foto: Jim Lo Scalzo

  • Nordkorea-Konflikt - Foto: Ahn Young-Joon

    Ein Passant blickt in Seoul auf einen Bildschirm, auf dem von einem Nachrichtensender Bilder Kim Jong Un und Donald Trump gezeigt werden. Foto: Ahn Young-Joon

  • Trump in Bedminster - Foto: Evan Vucci

    US-Präsident Donald Trump spricht am Trump National Golf Club in Bedminster über die Atomkrise mit Nordkorea. Foto: Evan Vucci

  • Donald Trump - Foto: Evan Vucci

    US-Präsident Donald Trump äußert sich in seinem Urlaubsdomizil in Bedminster, New Jersey. Foto: Evan Vucci

Kim Jong Un - Foto: Rodong Sinmun/YONHAP/RODONG SINMUN/ArchivRaketenstart - Foto: Raketenstart in Nordkorea: Die Mittelstreckenrakete Hwasong-10 steigt auf. Foto: KCNAJubel in Pjöngjang - Foto: Jon Chol JinNordkoreanische Rakete - Foto: Wong Maye-EUS-Pazifikinsel Guam - Foto: Der US-Militärstützpunkt Guam ist von großer strategischer Bedeutung, im Vietnamkrieg diente die Insel den USA als Ausgangspunkt für Luftangriffe. Foto: Haven DaleyKim - Foto: Der vom nordkoreanischen Rundfunk- und Fernsehkomitee zur Verfügung gestellte Videocrop zeigt Machthaber Kim Jong Un auf einem Raketen-Testgelände. Foto: KRTGelassenheit in Seoul - Foto: Ahn Young-JoonTHAAD-Raketenabwehr - Foto: Ralph Scott/Department Of DefenseUS-Rakete - Foto: US-Rakete im Silo: Foto: Jim Lo ScalzoNordkorea-Konflikt - Foto: Ahn Young-JoonTrump in Bedminster - Foto: Evan VucciDonald Trump - Foto: Evan Vucci

Washington - Nach dem Krieg der Worte ist im Atomkonflikt zwischen Nordkorea und den USA die Zeit der Diplomatie angebrochen. «Die US-Bemühungen sind von der Diplomatie getrieben.

Sie zeitigen diplomatische Ergebnisse», sagte Verteidigungsminister James Mattis am späten Donnerstagabend. Die Möglichkeit eines Krieges mit Nordkorea bezeichnete der frühere General als «katastrophal».

Den eher besonnen gewählten Worten von Mattis steht in den USA die Rhetorik von Präsident Donald Trump gegenüber. Am Freitag erklärte Trump auf Twitter: «Militärische Lösungen sind nun voll einsatzfähig, geladen und entsichert, sollte Nordkorea unklug handeln. Hoffentlich findet Kim Jong Un einen anderen Weg.» Tags zuvor hatte er erklärt, das US-Atomwaffenarsenal sei in einem guten Zustand. «Es ist in Tip-Top-Verfassung», sagte Trump. «Niemand, das gilt auch für Nordkorea, sollte uns mit irgendetwas bedrohen.»

Trump kündigte auch an, dass die USA ihre Raketenabwehr aufstocken würden. Er werde dafür einen signifikanten Milliardenbetrag bereitstellen, sagte Trump. Er räumte jedoch ein, grundsätzlich auch zu Verhandlungen bereit zu sein. Die Börsen in aller Welt reagierten auf die Kriegsgefahr mit einem Abwärtstrend.

Im Nordkorea-Konflikt schaukelt sich die Rhetorik auf beiden Seiten seit Tagen hoch. Nordkorea droht mit einem Angriff auf das US-Außengebiet Guam im Pazifik, allerdings halten Nordkorea-Experten eine Ausführung für unwahrscheinlich Trump hatte angekündigt, militärische Provokationen aus Pjöngjang mit «Feuer und Wut» beantworten zu wollen.

Nordkoreas Führung hatte am Donnerstag demonstrativ unbeeindruckt und mit Spott auf die jüngsten Drohungen Trumps reagiert. «Sachlicher Dialog ist mit so einem Typen bar jeder Vernunft nicht möglich, nur mit absoluter Stärke ist ihm beizukommen», hieß es in einer von den Staatsmedien verbreiteten Stellungnahme der Streitkräfte. Am Freitag (Ortszeit) hieß es dann aus Pjöngjang, die USA müssten mit einer «schandvollen Niederlage» rechnen, sollten sie weiter auf «extreme militärische Abenteuer» sowie Sanktionen und Druck bestehen.

Politiker aus aller Welt rufen deshalb zur Mäßigung auf. «Eskalation der Sprache halte ich für die falsche Antwort», sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitag in Berlin. Zudem rief sie dazu auf, die Bemühungen um eine friedliche Lösung zu verstärken. «Ich sehe auch keine militärische Lösung dieses Konflikts.»

Stattdessen müsse man versuchen, im UN-Sicherheitsrat und durch Kooperation auch mit China voranzukommen. «Deutschland wird hier bei den Lösungsmöglichkeiten, die wir sehen, nicht-militärischer Art dabei sein», sagte Merkel.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz brachte eine diplomatische Lösung nach dem Vorbild des Atomdeals mit dem Iran ins Gespräch. «Vielleicht kann man mit einer vergleichbaren Vorgehensweise die nukleare Rüstungsbegrenzung in Nordkorea erreichen», sagte der Parteichef der Sozialdemokraten am Freitag in Berlin.

Auch Russland mahnt Vernunft auf beiden Seiten an. «Falls es zu einer Schlacht kommt, sollte derjenige, der stärker und schlauer ist, den ersten Schritt weg von der gefährlichen Linie machen», sagte Außenminister Sergej Lawrow am Freitag der Agentur Interfax zufolge.

«Die Rhetorik in Washington und Pjöngjang beginnt leider auszuufern», sagte Lawrow. Das Risiko einer militärischen Konfrontation sei dadurch sehr hoch. «Wir hoffen dennoch, dass der gesunde Menschenverstand siegen wird.» Australiens Regierung erklärte, das Land sei im Falle eines Angriffs auf die USA zum Beistand verpflichtet.

US-Verteidigungsminister Mattis erklärte, die USA verfolgten gegenwäritig eine politische Linie beim Versuch, den Konflikt zu lösen. Die Einigkeit im UN-Sicherheitsrat, wo auch Russland und China einer Verschärfung von Sanktionen gegen Nordkorea zugestimmt hatten, zeige aber, wie ernst die Lage sei. «Man sieht die einhellige Meinung, dass dies eine Bedrohung für die Welt ist.»

Wie kleinteilig die Bemühungen auf diplomatischer Ebene sind, zeigte die Sprecherin des US-Außenministeriums, Heather Nauert. Ihr Haus mache derzeit Druck auf Staaten, die Gastarbeiter aus Nordkorea aufnehmen. Dies solle eingestellt werden, damit die Arbeiter das im Ausland verdiente Geld nicht zurückschicken könnten, wo es für militärische Zwecke der Regierung abgezweigt werde.

Wie Trump betont auch Mattis, dass das US-Militär bereit sei, um einem bewaffneten Konflikt zu begegnen. Militärexperten gehen jedoch davon aus, dass die USA keinesfalls in einen Krieg gezogen werden wollen. Selbst wenn Nordkorea sich wie angedroht dazu entschließen würde, eine Rakete in die Gewässer vor der US-Pazifikinsel Guam abzufeuern, wird keine militärische Reaktion der USA erwartet. Auch vor einem Abschuss eines nordkoreanischen Flugkörpers könnten die US-Streitkräfte zurückschrecken, um die technisch heikle Raketenabwehr nicht einem möglichen Versagen auszusetzen.

Der Konflikt spitzt sich seit Monaten zu. Nordkorea hatte trotz Verboten des UN-Sicherheitsrats und Warnungen aus dem Ausland am 28. Juli eine Interkontinentalrakete getestet. Diese hatte nach Berechnungen von Experten eine theoretische Reichweite von rund 10 000 Kilometern. Nordkoreas Staatschef Kim sagte nach dem Test, das Festland der USA sei jetzt in Reichweite. Als Reaktion auf den Raketentest verhängte der UN-Sicherheitsrat die bislang schärfsten Wirtschaftssanktionen gegen Nordkorea.

@ dpa.de

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