Wahlen, Parteien

Für François Fillon steht viel auf dem Spiel: Wegen der Scheinbeschäftigungsaffäre bröckelt in seiner Partei der Rückhalt des Präsidentschaftskandidaten.

05.03.2017 - 18:12:06

Großkundgebung in Paris - Fillon kämpft um seine Kandidatur für das Präsidentenamt

Paris - Mit einer Großkundgebung hat der angeschlagene französische Präsidentschaftskandidat François Fillon um sein politisches Überleben gekämpft.

Angesichts zahlreicher Rücktrittsforderungen aus den eigenen Reihen sprach der Konservative am Sonntag von «Fahnenflucht» und rief dazu auf, sich hinter ihn zu stellen. Die Demonstration nahe dem Pariser Eiffelturm sollte ein Zeichen der Stärke senden, weil mehrere Politiker bereits nach einem Ersatzkandidaten rufen. Die Veranstalter sprachen von 200.000 Teilnehmern, französische Journalisten zweifelten diese Zahl jedoch stark an.

Der Wahlkampf des früheren Premierministers wird seit Wochen vom Verdacht belastet, seiner Frau eine lukrative Scheinbeschäftigung auf Parlamentskosten beschafft zu haben. Fillon weist das zurück, die Justiz ermittelt.

Wichtige Konservative erhöhten den Druck weiter: «Ich weigere mich, unsere Anhänger und Wähler in den kollektiven Suizid zu führen», sagte der Regionalpolitiker Christian Estrosi dem Sender BFMTV, und kündigte eine «Initiative» an. An diesem Montag soll ein Führungstreffen der Partei über die Lage beraten.

Der frühere Staatspräsident Nicolas Sarkozy und Ex-Premierminister Alain Juppé sprachen am Samstag über mögliche «Auswege aus der Krise», wie die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Juppés Umfeld meldete. Juppé wird immer wieder als möglicher Ersatzkandidat gehandelt. Nach Zählung der Zeitung «Libération» sind inzwischen mehr als 250 Politiker der Republikaner und ihrer Verbündeten sowie Mitglieder des Wahlkampfteams von Fillon abgerückt. Selbst Fillons Kampagnen-Chef trat zurück.

Die Franzosen wählen ihren neuen Staatschef in zwei Runden am 23. April und am 7. Mai. Fillon war wegen der Affäre in der Wählergunst abgerutscht. Derzeit würden nach Umfragen die Rechtspopulistin Marine Le Pen und der sozial-liberale Kandidat Emmanuel Macron das Rennen unter sich ausmachen. Für die Stichwahl liegt Macron dabei klar vorn. Wegen der hohen Umfragewerte für die Rechtspopulistin Marine Le Pen findet der Wahlkampf auch international viel Beachtung.

Fillon appellierte an die Politiker seines Lagers: «Ich habe meine Gewissensprüfung gemacht. (...) Jetzt ist es an Ihnen, Ihre Gewissensprüfung zu machen.» Mehrfach wurde er von seinen Fahnen schwingenden Anhängern mit Rufen «Fillon Président» und «Wir werden gewinnen» unterbrochen. Der Kandidat vermied in seiner Rede neue scharfe Angriffe auf die Justiz, die ihm viel Kritik eingebracht hatten. Er sagte, dass er die Hoffnung in die Justiz noch nicht aufgegeben habe. Stattdessen stellte er sein Programm in den Mittelpunkt und betonte die Notwendigkeit, Frankreich zu reformieren.

Auffällig war, dass Fillon seine frühere Ankündigung, «bis zum Ende zu gehen» und «nicht aufzugeben» am Sonntag nicht wiederholte. Er stelle sich auch Fragen über diejenigen, «die das Schiff verlassen», sagte der 63-Jährige: «Ihre Verantwortung ist immens, aber meine auch.» Am Abend wurde Fillon zu einem Interview in den 20-Uhr-Nachrichten des Senders France 2 erwartet.

Fillon räumte erneut ein, dass die Beschäftigung seiner Frau Penelope als parlamentarische Mitarbeiterin ein Fehler gewesen sei. «Ich hätte das nicht tun sollen.» Penelope Fillon war bei der Kundgebung ebenfalls anwesend. Sie hatte sich zuvor erstmals in einem Interview zu der Affäre geäußert und versichert, dass sie tatsächlich für ihren Mann gearbeitet habe.

Ende Januar war bekanntgeworden, dass Penelope Fillon jahrelang als parlamentarische Mitarbeiterin für ihren Mann und dessen Nachfolger in der Nationalversammlung angestellt war. Das ist an sich legal, die Zeitung «Le Canard Enchaîné» hatte aber die Frage aufgeworfen, ob die gebürtige Waliserin tatsächlich dafür gearbeitet hatte.

Die Lage hatte sich für Fillon weiter zugespitzt, als er für Mitte März von Ermittlungsrichtern vorgeladen wurde. Dabei droht ihm die Eröffnung eines Verfahrens.

@ dpa.de

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