Wahlen, Präsident

Frankreichs neuer starker Mann Emmanuel Macron braucht rasche Erfolge.

08.05.2017 - 13:00:07

Machtwechsel in Frankreich - Macron bereitet Amtsübernahme vor. Denn bereits im Juni steht die nächste Wahlschlacht gegen die unterlegene Rechtspopulistin Marine Le Pen an.

  • Emmanuel Macron - Foto: Thibault Camus

    «Ich werde mit allen Kräften gegen die Spaltung kämpfen, die uns zermürbt und entmutigt», sagt der Mitte-Links-Politiker nach seiner historischen Wahl. Foto: Thibault Camus

  • Nach der Wahl - Foto: Michael Kappeler

    Aktivisten des Kampagnennetzwerks «Avaaz» am Tag nach der Präsidentenwahl: Die Aktivisten feiern die Niederlage der EU-feindlichen Rechtspopulistin Marine Le Pen. Foto: Michael Kappeler

  • Macron vor dem Louvre - Foto: Michael Kappeler

    Emanuel Macron, der neugewählte Präsident Frankreichs, spricht auf der Bühne vor dem Louvre. Foto: Michael Kappeler

  • Traditionelle Gedenkzeremonie - Foto: Francois Mori

    Der künftige französische Präsident Emmanuel Macron und der scheidende Amtsinhaber Francois Hollande nehmen an der traditionellen Gedenkzeremonie zum Sieg über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg teil. Foto: Francois Mori

  • Auf dem Titel - Foto: Michael Kappeler

    Auf dem Titel der Zeitung «L'Express» ist Frankreichs Wahlsieger Emmanuel Macron abgebildet. Foto: Michael Kappeler

  • Jubel - Foto: Philippe Lopez

    Macron konnte die Stichwahl um das Präsidentenamt in Frankreich gegen Le Pen von der Front National für sich entscheiden. Foto: Philippe Lopez

  • Am Louvre - Foto: Michael Kappeler

    Emmanuel Macron mit seiner Ehefrau Brigitte auf einer Bühne am Louvre: Der frühere Wirtschaftsminister und Investmentbanker steht nun vor gewaltigen Herausforderungen. Foto: Michael Kappeler

  • Marine Le Pen - Foto: Michel Euler

    In der ersten Runde der Präsidentschaftswahl hatte Marine Le Pen den zweiten Platz erreicht. Foto: Michel Euler

Emmanuel Macron - Foto: Thibault CamusNach der Wahl - Foto: Michael KappelerMacron vor dem Louvre - Foto: Michael KappelerTraditionelle Gedenkzeremonie - Foto: Francois MoriAuf dem Titel - Foto: Michael KappelerJubel - Foto: Philippe LopezAm Louvre - Foto: Michael KappelerMarine Le Pen - Foto: Michel Euler

Paris - Der Sozialliberale Emmanuel Macron will nach dem klaren Wahlsieg gegen die EU-feindliche Rechtspopulistin Marine Le Pen an diesem Sonntag das Amt des französischen Präsidenten übernehmen.

Das kündigte der scheidende sozialistische Präsident François Hollande am Rande der Zeremonie zum Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs in Paris an, wie die französische Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Macron versuchte nach seinem Erfolg vom Sonntag, den Franzosen neues Selbstbewusstsein einzuimpfen. «Ich werde mit allen Kräften gegen die Spaltung kämpfen, die uns zermürbt und entmutigt», kündigte der Mitte-Links-Politiker nach seiner Wahl an.

Der 39 Jahre alte Macron wird der bisher jüngste französische Präsident sein. Am Sonntag läuft Hollandes Amtszeit ab - der Tag ist damit der letztmögliche Termin für die Übergabe. Am Montagvormittag nahm Macron an der Seite Hollandes an der traditionellen Gedenkzeremonie zum Sieg über Nazi-Deutschland teil. Am Abend wurde Hollande zu seinem Abschiedsbesuch bei Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin erwartet.

Macron will kurz nach seiner Amtsübernahme nach Berlin fliegen, um Merkel zu treffen. Der Antrittsbesuch in Deutschland werde Macrons erste offizielle Auslandsreise sein, sagte seine Beraterin Sylvie Goulard dem Sender CNews.

Der Sieg des sozialliberalen Pro-Europäers und die Schlappe Le Pens wurden international größtenteils mit Erleichterung aufgenommen. Merkel hatte am Sonntagabend mit Macron telefoniert und ihm eine enge Kooperation zugesichert. Auch die EU-Spitze zeigte sich erleichtert. Denn die Front-National-Anführerin Le Pen wollte den Euro als normales Zahlungsmittel abschaffen und die Franzosen über die EU-Mitgliedschaft abstimmen lassen.

Der russische Staatschef Wladimir Putin rief Macron zur Überwindung von gegenseitigem Misstrauen auf. Nur so seien international Stabilität und Sicherheit zu erreichen, schrieb Putin in einem Glückwunschtelegramm. Im Wahlkampf hatte Moskau Sympathien für Le Pen erkennen lassen, Putin hatte sie noch im März empfangen.

Macrons Einstellung zu Russland gilt als äußerst kritisch. Seine politische Bewegung «En Marche!» beschuldigte Moskau zuletzt, über Medien wie RT in den französischen Wahlkampf einzugreifen. Die russische Seite erwartet ein schwieriges bilaterales Verhältnis. «Macron hat im Wahlkampf einige Aussagen gemacht, die gegen Russland gerichtet waren», sagte der Senator Alexej Puschkow vom Föderationsrat in Moskau der Agentur Interfax zufolge.

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban gratulierte Macron und setzt darauf, einen neuen Verbündeten im Kampf für eine Reform der Europäischen Union zu haben. «Ich vertraue darauf, dass wir bald dazu Gelegenheit haben werden, (...) unsere Vorstellungen über die Zukunft Europas zu diskutieren», schrieb der rechtskonservative Politiker in einem Brief an Macron. Orban hat sich in den vergangenen Jahren als scharfer Kritiker der EU profiliert und mit ihren Institutionen zahlreiche Konflikte ausgetragen.

Macron und Hollande erinnerten gemeinsam an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 72 Jahren. Beide hielten für eine Schweigeminute am Grab des unbekannten Soldaten unter dem Pariser Triumphbogen inne. Anschließend ertönte erst die französische Nationalhymne Marseillaise, dann das «Lied der Partisanen». Die Zeremonie ist Tradition am französischen Feiertag zum Sieg über Nazi-Deutschland, das am 8. Mai 1945 kapituliert hatte.

2012 hatte auch der damalige konservative Präsident Nicolas Sarkozy seinen sozialistischen Nachfolger Hollande wenige Tage vor der Amtsübergabe eingeladen, der Zeremonie am 8. Mai beizuwohnen.

Nach Auszählung aller Stimmen gewann die Wahl mit 66,1 Prozent. kam auf 33,9 Prozent, wie das französische Innenministerium im Internet bekanntgab. Macron erhielt rund 20,8 Millionen Stimmen, fast doppelt so viele wie Le Pen (10,6 Millionen). Die Wahlbeteiligung lag bei rund 74,6 Prozent.

Mehr als vier Millionen Franzosen gaben Wahlumschläge ohne einen Stimmzettel für einen der beiden Kandidaten oder ungültige Stimmen ab. Die Zahlen sind noch vorläufig: Das offizielle Endergebnis wird erst in den kommenden Tagen nach Prüfung eventueller Beschwerden vom Verfassungsrat verkündet.

Nach seiner Amtsübernahme wird Macron auch eine neue Regierung einsetzen. Es ist üblich, dass der amtierende Premierminister seinen Rücktritt einreicht, damit der neue Präsident auch eine neue Regierung bilden kann - wen Macron zum Nachfolger von Premier Bernard Cazeneuve machen will, ist noch nicht bekannt. Der Wahlsieger steht nun vor der Herausforderung, bei den Parlamentswahlen im Juni eine Mehrheit für seine Politik zu bekommen.

@ dpa.de

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