Klima, UN

Es wird die größte zwischenstaatliche Konferenz, die es je in Deutschland gegeben hat.

04.11.2017 - 14:53:21

Tausende wollen demonstrieren - Kohleausstieg oder CO2-Entzug? Diskussion vor Klimakonferenz. Am Montag beginnt in Bonn die Weltklimakonferenz. Heftig diskutiert wird schon vorher, demonstriert auch.

Berlin - Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) setzt bei der am Montag beginnenden Weltklimakonferenz auch auf Lösungen unterhalb der nationalen Ebene.

«Wir werden in Bonn nicht nur verhandeln, sondern auch viele konkrete Klimaschutz-Lösungen erleben - nicht zuletzt von Städten und Regionen», sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. «Das Engagement vieler Städte und Regionen gerade in den USA zeigt, dass die Dynamik beim Klimaschutz nicht aufzuhalten ist, auch nicht von der Trump-Regierung», die den Austritt der USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen angekündigt hatte.

Eine dieser Kooperationen ist dem Bericht zufolge das von Baden-Württemberg und Kalifornien initiierte Klimaschutzbündnis «under2MOU». 180 Regionen haben sich darin zur Reduzierung von Klimagasen verpflichtet. Zusammengerechnet kommen sie demnach auf 1,2 Milliarden Menschen und rund 40 Prozent der Weltwirtschaft.

Zwei Tage vor Beginn der Weltklimakonferenz haben in Bonn etwa 7000 Menschen für den Kohle-Ausstieg und eine umfassende Energiewende demonstriert. Sie schwenkten Transparente mit Aufschriften wie «Klimakiller=Menschenkiller=RWE» oder «Trump: Climate Genocide» (Trump: Klima Genozid). «Ihr von der Kohle-Lobby, zieht euch warm an - wir lassen nicht mehr locker!», rief eine Rednerin auf dem Münsterplatz in der Innenstadt. Viele Teilnehmer warben auch für eine fleischlose Ernährung, einige hatten sich als Kühe verkleidet. Zur selben Zeit waren noch etwa 1000 Radfahrer aus Köln zu der Bonner Kundgebung unterwegs. Nach Angaben der Polizei verliefen die Aktionen ohne Zwischenfälle.

Die am Montag beginnenden Gespräche in Bonn sind die größte zwischenstaatliche Konferenz, die es je auf deutschem Boden gegeben hat. Mehr als 23 000 Menschen aus 197 Ländern treffen sich bis zum 17. November in der einstigen Bundeshauptstadt, um den Kampf gegen den Klimawandel voranzutreiben. Dabei geht es darum, Regeln zu definieren, wie die in Paris 2015 vereinbarten Klimaschutzziele erreicht werden können.

Die schrittweise Verringerung der weltweiten Emissionen von Kohlendioxid (CO2) reicht nach Einschätzung der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) nicht aus, um das beschlossene Ziel der Weltgemeinschaft zu erreichen, den Temperaturanstieg auf zwei Grad zu begrenzen. Deshalb müsse die Politik mehr über umstrittene Verfahren nachdenken, der Atmosphäre aktiv CO2 zu entziehen, schrieb der SWP-Klimapolitik-Experte Oliver Geden in einem Beitrag für den «Bonner General-Anzeiger». Der Weltklimarat tue dies bereits. Es sei beunruhigend, dass es dennoch darüber keine politische Debatte gebe.

Der Potsdamer Klimaforscher Ottmar Edenhofer forderte die Jamaika-Koalitionsunterhändler auf, den Ausstieg aus der Kohleverstromung verbindlich festzuschreiben - so wie es die Grünen verlangen. Wenn Deutschland seine Klimaziele ernst nehme, müsse es seinen Ausstoß von Treibhausgasen verringern, sagte der Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung der «Rheinischen Post» (Samstag). «Das geht nur, wenn wir die Kohlenutzung beenden.»

@ dpa.de

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