Terrorismus, Explosionen

Ein Popkonzert mit vielen Teenagern als Terrorziel - dieser Alptraum ist in Manchester Wirklichkeit geworden.

23.05.2017 - 17:54:05

IS bekennt sich zu Bombe - Terror gegen Teenager: Viele Tote bei Anschlag in Manchester. Beim Auftritt der Sängerin Ariana Grande tötet eine Bombe mindestens 22 Menschen und den Attentäter. Die Terrormiliz IS rühmt sich des Anschlags.

  • Tote bei Konzert in Manchester - Foto: Rui Vieira/AP/

    Polizeifahrzeuge blockieren eine Straße in der Nähe der Manchester Arena. Foto: Rui Vieira/AP/

  • Krankenwagen - Foto: Peter Byrne/PA Wire

    Kurz nach der Explosion rasten Krankenwagen zur Manchester Arena. Hubschrauber kreisten über dem Areal. Foto: Peter Byrne/PA Wire

  • Hilfe - Foto: Joel Goodman/London News Pictures via ZUMA

    Ein Polizist hilft unweit des Explosionsortes einer verletzten Frau. Foto: Joel Goodman/London News Pictures via ZUMA

  • Absperrung - Foto: Peter Byrne/PA Wire

    Polizisten haben die Innenstadt der nordenglischen Metropole Manchester abgeriegelt. Foto: Peter Byrne/PA Wire

  • Schwer bewaffnet - Foto: Peter Byrne/PA Wire

    Schwer bewaffnete Polizisten in der Innenstadt von Manchester. Vor allem Kinder und Jugendliche zählten zu den Besuchern des Konzerts. Foto: Peter Byrne/PA Wire

  • Nach dem Anschlag - Foto: Joel Goodman/London News Pictures via ZUMA

    Polizisten und andere Einsatzkräfte kümmern sich um eine verletzte Frau. Bei dem Anschlag verloren mehr als 20 Menschen ihr Leben. Foto: Joel Goodman/London News Pictures via ZUMA

  • Road closed - Foto: Rui Vieira

    Eine Absperrung unweit des Anschlagortes. Nach Angaben der Ermittler war ein Selbstmordattentäter für das Blutbsd verantwortlich. Foto: Rui Vieira

  • Spurensuche - Foto: Danny Lawson/PA Wire

    Eine Polizistin in einem weißen Overall passiert die Brücke, die die Manchester Arena mit der Victoria Station verbindet. Foto: Danny Lawson/PA Wire

Tote bei Konzert in Manchester - Foto: Rui Vieira/AP/Krankenwagen - Foto: Peter Byrne/PA WireHilfe - Foto: Joel Goodman/London News Pictures via ZUMAAbsperrung - Foto: Peter Byrne/PA WireSchwer bewaffnet - Foto: Peter Byrne/PA WireNach dem Anschlag - Foto: Joel Goodman/London News Pictures via ZUMARoad closed - Foto: Rui VieiraSpurensuche - Foto: Danny Lawson/PA Wire

Manchester - Der verheerendste Terroranschlag in Großbritannien seit fast zwölf Jahren hat bei einem Popkonzert in Manchester mindestens 22 Menschen in den Tod gerissen. Etliche Konzertbesucher werden noch vermisst.

Am Eingang der «Manchester Arena» hatte ein mutmaßlich islamistischer Selbstmordattentäter am späten Montagabend eine Bombe gezündet. Die behauptete, für den Anschlag verantwortlich zu sein.

59 Verletzte kamen in Krankenhäuser, einige waren am Dienstag noch in Lebensgefahr. Mindestens etwa 60 weitere Opfer wurden rund um den Anschlagsort von Helfern versorgt, meldete die Zeitung «Manchester Evening News» unter Berufung auf Rettungskräfte. Die Polizei bestätigte diese Angaben zunächst nicht. .

Premierministerin Theresa May nannte die Tat besonders «abstoßend und abscheulich». In gut zwei Wochen wählen die Briten ein neues Parlament, der Wahlkampf wurde unterbrochen.

Der Attentäter habe am Ende eines Auftritts von Teenie-Star Ariana Grande einen selbstgebauten Sprengsatz hochgehen lassen, sagte May nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts in London: «Er hat Zeit und Ort absichtlich so gewählt, um das größtmögliche Blutbad anzurichten.» Den Rettungskräften zufolge waren unter den Verletzten zwölf Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren.

Laut IS konnte eine Bombe platzieren, Anhänger feierten dies in sozialen Netzwerken. US-Präsident Donald Trump verurteilte die Tat: «So viele junge Menschen sind von bösartigen Verlierern ermordet worden», sagte er bei seinem Besuch in Bethlehem.

Die britische Polizei geht von einem Einzeltäter aus. «Am wichtigsten ist es, jetzt herauszufinden, », sagte Ermittler Ian Hopkins. May sagte, die Polizei kenne wahrscheinlich die Identität des Täters.

Am Mittag wurde im Süden Manchesters ein 23-Jähriger festgenommen. Welche Verbindung er zum Attentäter hat, war unklar. «Es gibt keinen Zweifel daran, dass die Bevölkerung Manchesters und dieses Landes Opfer eines eiskalten terroristischen Angriffs geworden ist», sagte May, die nachmittags mit Innenministerin Amber Rudd in Manchester ankam.

Die Explosion in Manchester ereignete sich im Foyer der Konzerthalle, die bis zu 21 000 Besucher fasst. Zeugen berichteten von einem Knall im Eingangsbereich zwischen Halle und Victoria-Bahnhof gegen 22.30 Uhr Ortszeit (23.30 Uhr MEZ). Laut Augenzeugen spielten sich dramatische Szenen ab. Besucher flüchteten in Panik, Opfer lagen blutüberströmt am Boden. «Ich sah ein kleines Mädchen (...), sie hatte keine Beine mehr», sagte ein Zeuge dem Sender Sky News. Auch Stunden nach dem Anschlag suchten Angehörige noch nach Vermissten.

Im Juli 2005 hatten vier Muslime mit britischem Pass in der Londoner U-Bahn und in einem Bus Sprengsätze gezündet. 56 Menschen starben, 700 wurden verletzt. Erst vor zwei Monaten traf eine Attacke die Hauptstadt erneut, als ein Mann ein Auto absichtlich in Fußgänger auf einer Brücke steuerte und danach einen Polizisten erstach.

Auch andere europäische Länder wurden immer wieder Ziel des Terrors: In Paris erschoss Ende April ein Islamist einen Polizisten - im November 2015 hatte es dort eine massive, koordinierte Anschlagsserie mit 130 Toten gegeben. In Berlin, Stockholm und Nizza gab es tödliche Lastwagen-Attentate.

Popstar Grande war angesichts der Ereignisse «am Boden zerstört». «Aus tiefstem Herzen: Es tut mir so leid. Mir fehlen die Worte», schrieb die 23-Jährige auf Twitter. In Manchester ; bei Twitter gab es dafür den Hashtag #roominmanchester. Im Etihad-Stadion, der Heimat des Fußballclubs Manchester City, wurde ein Notfallzentrum eingerichtet.

Der unmittelbar neben der Halle liegende Bahnhof Manchester Victoria war gesperrt, Hunderte Polizisten waren im Einsatz. Bewohner wurden aufgefordert, das Stadtzentrum weiterhin zu meiden. Auch in der Hauptstadt London wurden die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt.

Queen Elizabeth II. erklärte, die ganze Nation stehe unter Schock. Der Anschlag löste weltweit Betroffenheit aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte sich entsetzt. «Es ist unbegreiflich, dass jemand ein fröhliches Popkonzert ausnutzt, um so vielen Menschen den Tod zu bringen oder ihnen schwere Verletzungen zuzufügen.» Die Kanzlerin und und CSU-Chef Horst Seehofer sagten aus Mitgefühl mit den Terroropfern eine Wahlkampfveranstaltung in München ab.

Trotz des Brexits müssten die EU und Großbritannien enge Partner bleiben, meinte Merkel mit Blick auf den Anschlag: «Gerade an einem solchen Tag wie heute, an dem wir der Opfer von Manchester gedenken, wird uns das noch einmal deutlich, wie eng wir miteinander verbunden sind.» Der britische Botschafter in Berlin, Sebastian Wood, erklärte: «Wir alle stehen jetzt den Bürgern von Manchester bei. Eine ähnliche Solidarität und Anteilnahme habe ich auch hier erfahren. Dafür bin ich unseren deutschen Freunden und Partnern von Herzen dankbar.»

Der IS hat sich bereits zu mehreren Anschlägen in Europa bekannt. Die Attentate sind eine Reaktion auf den militärischen Druck, unter dem die Extremisten im Irak und in Syrien stehen. Dort hatte der IS vor fast drei Jahren ein «Kalifat» ausgerufen. In beiden Ländern hat die Miliz große Gebiete verloren.

@ dpa.de

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