Innere Sicherheit, Terrorismus

Dresden - Mit der Festnahme eines mutmaßlichen Terroristen in Leipzig ist offenbar ein größerer Anschlag der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Deutschland verhindert worden.

10.10.2016 - 21:20:05

Terroranschlag durch Festnahme verhindert

  • Polizeieinsatz in Chemnitz - Foto: Hendrik Schmidt

    Der 22-Jährige war seit einer Anti-Terror-Razzia am Samstag in Chemnitz auf der Flucht. Foto: Hendrik Schmidt

  • Polizeieinsatz in Chemnitz - Foto: Bernd März

    In Chemnitz wurde ein Mann in Gewahrsam genommen, der Kontakt zu dem Syrer gehabt haben soll. Foto: Bernd März

  • Löcher für kontrollierte Sprengung - Foto: Polizei Sachsen

    Spezialisten der Polizei ließen den gefundenen Sprengstoff in extra ausgehobenen Löchern kontrolliert detonieren. Foto: Polizei Sachsen

  • Polizeieinsatz in Chemnitz - Foto: Hendrik Schmidt

    Die Polizei geht davon aus, dass der jungen Mann einen «islamistisch motivierten Anschlag» begehen wollte. Foto: Hendrik Schmidt

  • Festnahme in Leipzig - Foto: Hendrik Schmidt

    Die Polizei fasste den 22-jährigen Syrer in der Wohnung eines Landsmanns. Foto: Hendrik Schmidt

  • Terrorverdächtiger in Leipzig gefasst - Foto: Hendrik Schmidt

    Spurensicherung vor dem Haus in dem der bundesweit gesuchte Terrorverdächtige Syrer Dschaber al-Bakr festgenommen wurde. Foto: Hendrik Schmidt

Polizeieinsatz in Chemnitz - Foto: Hendrik SchmidtPolizeieinsatz in Chemnitz - Foto: Bernd MärzLöcher für kontrollierte Sprengung - Foto: Polizei SachsenPolizeieinsatz in Chemnitz - Foto: Hendrik SchmidtFestnahme in Leipzig - Foto: Hendrik SchmidtTerrorverdächtiger in Leipzig gefasst - Foto: Hendrik Schmidt

. Nach Erkenntnissen des Bundesamtes für Verfassungsschutz wollte der Verdächtige wohl einen Flughafen in Berlin attackieren.

«Wir hatten Hinweise - nachrichtendienstliche Hinweise -, dass er zunächst einmal Züge in Deutschland angreifen wollte. Zuletzt konkretisierte sich dies mit Blick auf Flughäfen in Berlin», sagte Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen der ARD.

Vorgehensweise und Verhalten des Verdächtigen sprächen für einen «IS-Kontext», sagte der Leiter des Landeskriminalamtes (LKA), Jörg Michaelis. .

Wegen der besonderen Bedeutung des Falles übernahm die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen. . Nach Verkündung des Haftbefehls durch einen Amtsrichter in Dresden befindet er sich in Untersuchungshaft.

Der 22-Jährige war in der Nacht in Leipzig festgenommen worden. . «Er hat versucht, uns mit Geld zu bestechen», sagte einer von ihnen dem Sender RTL. «Wir haben ihm gesagt, du kannst uns so viel Geld geben wie du willst, wir lassen dich nicht frei.» Sein Anruf bei der Polizei sei zunächst aufgrund von Verständigungsproblemen erfolglos geblieben. Daraufhin sei er mit einem Foto von Al-Bakr zu einem Polizeirevier gefahren. «Ich war total wütend auf ihn. So etwas akzeptiere ich nicht - gerade hier in Deutschland, dem Land, das uns die Türen geöffnet hat», sagte Mohammed A.

Merkel dankte dem Syrer, dessen Hinweis zur Festnahme geführt habe. Auch Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) lobte ihn als «mutigen und verantwortungsbewussten» Mitbürger.

Maaßen zufolge ging im September beim Verfassungsschutz ein Hinweis auf IS-Anschlagsplanungen gegen die Infrastruktur in Deutschland ein, am vergangenen Donnerstag sei es schließlich gelungen, Al-Bakr zu identifizieren. Bei der daraufhin eingeleiteten Observierung sei festgestellt worden, dass er Heißkleber gekauft habe. «Und unverzüglich haben wir dann alle Maßnahmen in Bewegung gesetzt, damit ein Zugriff erfolgte, weil wir davon ausgingen: Dies kann im Grunde genommen die letzte Chemikalie sein, die für ihn notwendig war, um eine Bombe herzustellen», so Maaßen in der ARD.

Die Fahndung nach Al-Bakr hatte die Sicherheitsbehörden nach einem missglückten Zugriff am Samstagmorgen in Chemnitz das ganze Wochenende in Atem gehalten. Nach einem Hinweis der Bundesamtes für Verfassungsschutz sollte ein Spezialeinsatzkommando den Verdächtigen in einer Wohnung im Chemnitzer Stadtteil Kappel festnehmen. Das klappte aber nicht, ein verdächtiger Mann entkam trotz eines Warnschusses der Beamten. Ob es sich bei dem Mann um Al-Bakr handelte, sei noch unklar, so LKA-Chef Michaelis.

In der Wohnung fanden die Beamten 1,5 Kilogramm eines hochexplosiven Sprengstoffs. «Die vor Ort befindlichen Spezialisten des Landeskriminalamtes schlussfolgerten, dass es sich hierbei um TATP handeln könnte», sagte Michaelis. «Diese Art würde dem verwendeten Sprengstoff bei den Attentaten von Paris und Brüssel entsprechen.» Außerdem seien Metallteile wie Muttern und zwei Zünder entdeckt worden.

Der 33 Jahre alte Wohnungsmieter wurde als möglicher Komplize in Untersuchungshaft genommen. Den Angaben zufolge ist Khalil A. wie Al-Bakr als syrischer Flüchtling nach Deutschland gekommen, aber erst Ende November 2015. Im Juli sei er aus Nordrhein-Westfalen nach Sachsen gezogen, sagte Ulbig. Al-Bakr war im Februar 2015 über München nach Chemnitz gelangt, seit März lebte er im nordsächsischen Eilenburg.

@ dpa.de