Terrorismus, Spanien

Die Polizei sucht noch immer nach den Schlüsselfiguren des Terrors in Katalonien.

20.08.2017 - 14:16:06

Terror in Spanien - Ermittler verfolgen nach Anschlag in Barcelona neue Spur. Bei der Trauerfeier in der imposanten Sagrada Familia ist das Nebensache. Es geht um die Opfer, um Menschlichkeit und «keine Angst».

Barcelona - Drei Tage nach der Terrorattacke von Barcelona folgt die katalanische Polizei einer neuen Spur. Sie seien sehr nah an einer Person dran, «die mit beiden Attentaten in Verbindung steht», erklärten die Ermittler am Sonntag.

Welche Rolle die Person gespielt haben könnte, blieb zunächst offen. Gefahndet wird bislang vor allem nach dem Haupttäter, der den Lastwagen in die Flaniermeile Las Ramblas gesteuert haben soll und möglicherweise noch immer auf freiem Fuß ist. In der Basilika Sagrada Familia in Barcelona wurde mit einer Trauerfeier der Terroropfer gedacht.

An der Messe in dem weltberühmten, von Antoni Gaudí entworfenen Gotteshaus nahmen auch das spanische Königspaar Felipe VI. und Letizia, Ministerpräsident Mariano Rajoy, der portugiesische Präsident Marcelo Rebelo de Sousa teil.

Der Erzbischof von Barcelona, Juan José Omella, verlas eine Botschaft von Papst Franziskus, in der das Oberhaupt der katholischen Kirche Angehörigen und Verletzten sein Beileid aussprach. «Es waren Tage von Tränen und Menschlichkeit», sagte Weihbischof Sebastià Taltavull. Das Volk habe keine Angst.

Bei dem Anschlag auf der Flaniermeile Las Ramblas waren am Donnerstag mindestens 13 Menschen getötet worden. Wenige Stunden später starb zudem eine Frau in der südlich gelegenen Küstenstadt Cambrils, wo offenkundig ein weiterer Anschlag vereitelt wurde. Sie wurde von Verdächtigen auf der Flucht überfahren.

Die Ermittler gehen davon aus, dass die Attacken in Barcelona und Cambrils von einem Netzwerk aus rund einem Dutzend Verdächtigen verübt wurden. Fünf von ihnen wurden in Cambrils erschossen, vier festgenommen. Die Identität von drei weiteren ist geklärt.

Bislang richtet sich die Aufmerksamkeit der Ermittler auf den 22-jährigen Marokkaner und mutmaßlichen Terror-Fahrer Younes Abouyaaqoub und auf einen Imam, bei dem es sich um den Kopf der Zelle handeln soll. Abdelbaki Es Satty predigte bis Juni in der Moschee der Ortschaft Ripoll rund 100 Kilometer nördlich von Barcelona. Er verbüßte eine vierjährige Haftstrafe wegen Drogenhandels und soll auch Kontakte zu den Verantwortlichen der Zuganschläge 2004 in Madrid gehabt haben, wie die Zeitung «El País» berichtete.

Ob der Geistliche noch am Leben ist, ist allerdings unklar. In den Trümmern eines Hauses, wo sich am Mittwoch eine Explosion ereignet hatte, entdeckte die Polizei Medienberichten zufolge die sterblichen Überreste von drei Personen. Die Beamten vermuten, dass die Gruppe dort Sprengstoff lagerte und ein noch größeres Attentat als das in Barcelona vorbereitete.

Der Hauptverdächtige Abouyaaqoub, der den Lieferwagen in Barcelona gesteuert haben soll, könnte noch auf der Flucht sein. Seine Mutter appellierte an ihren Sohn, sich zu stellen. «Mir ist es lieber, er kommt ins Gefängnis, als dass er stirbt», sagte sie am Samstag bei einer Versammlung der muslimischen Bewohner von Ripoll.

Der spanische Innenminister Juan Ignacio Zoido hatte am Samstag bereits erklärt: «Wir können sagen, dass die Zelle von Barcelona total zerschlagen ist.» Die Polizei und die katalanische Regionalregierung äußerten jedoch Zweifel an dieser Einschätzung, da noch nach Verdächtigen gefahndet wird. So lange könne von einer Zerschlagung keine Rede sein.

Am Samstag lagen noch 54 Terroropfer verletzt im Krankenhaus, wie die katalanischen Notfalldienste mitteilten. Zwölf Patienten seien in kritischem Zustand, 25 weitere schwer verletzt - darunter viele Ausländer. Nach Angaben des Auswärtigen Amts wurden 13 Deutsche verletzt, zwei davon lebensgefährlich. Eine der beiden Frauen sei in einem extrem kritischen Zustand.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte die Angriffe in Spanien für sich. Mehrere Glaubenskämpfer hätten sie ausgeführt und «Kreuzfahrer» ins Visier genommen, teilte der IS im Internet mit. Die Echtheit der Erklärung ließ sich zunächst nicht verifizieren. Sie wurde aber über die üblichen Kanäle des IS im Internet verbreitet.

Der spanische König Felipe VI. und seine Frau Letizia legten am Samstag am Ort des Terroranschlags von Barcelona Blumen nieder. «Wir haben keine Angst und werden niemals Angst haben», sagte der Monarch. Rund 200 Muslime marschierten unter dem Motto «Wir sind Muslime, keine Terroristen» über die Ramblas. Auch Bundesaußenminister Sigmar Gabriel legte Blumen am Tatort nieder.

@ dpa.de

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