Wahlen, Bundestag

Die neuen Umfragen sind desaströs für die SPD.

08.09.2017 - 16:24:06

SPD im Umfragetief - Schulz setzt auf unentschlossene Wähler. Doch Kanzlerkandidat Martin Schulz lässt sich nicht beirren. In den letzten zwei Wochen bis zur Bundestagswahl setzt er auf die unentschlossenen Wähler.

Mainz/Berlin/Würzburg - SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz will in den letzten beiden Wochen bis zur Bundestagswahl verstärkt um unentschlossene Wähler werben. Fast die Hälfte von ihnen habe sich noch nicht entschieden, sagte Schulz bei einem Wahlkampfauftritt in Würzburg.

Zuvor waren neue Umfragen von ARD und ZDF mit für die SPD niederschmetternden Zahlen bekanntgeworden. Gut zwei Wochen vor der Wahl am 24. September steht die SPD nach den Umfragen des ARD-«Deutschlandtrends» vom Donnerstagabend und des ZDF-«Politbarometers» vom Freitag etwa auf dem Niveau von Anfang des Jahres, bevor Schulz Kanzlerkandidat und Parteichef wurde. Beide Umfragen wurden nach dem TV-Duell mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erhoben.

In der ARD sackte die SPD um zwei Punkte auf 21 Prozent ab, im ZDF blieb sie bei 22 Prozent, wenn schon an diesem Sonntag Wahl wäre. Beide Werte liegen unter dem Wahlergebnis aus dem Jahr 2009, als die Partei mit dem Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier 23,0 Prozent und das schlechteste Ergebnis der Nachkriegszeit eingefahren hatte.

Schulz will sich von den schwachen Werten nicht beirren lassen. «Da warten wir doch mal ab, was am 24. September rauskommt. Ich lasse immer gerne andere die Umfragen gewinnen. Ich gewinne lieber die Wahl», sagte der Kanzlerkandidat in Würzburg. «Die Menschen in diesem Land wollen Informationen. Sie wollen Argumente. Da sind wir optimistisch, denn wir haben die besseren», betonte Schulz. Die Union habe nur ein Argument und das heiße Angela Merkel.

Merkels Union ist den neuen Umfragen zufolge weiter klar stärkste Kraft. In der ARD-Umfrage kommt sie auf 37 Prozent, beim ZDF auf 38 Prozent. Das Rennen um Platz drei ist eng. Im «Deutschlandtrend» liegen die Grünen bei 8, die FDP bei 9, die Linke bei 10 und die AfD gar bei 11 Prozent. Das «Politbarometer» sieht FDP, Linke und AfD gleichauf bei je 9 Prozent und die Grünen bei 8 Prozent.

Auch in der Kanzlerpräferenz liegt Schulz weiterhin deutlich hinter Merkel zurück. Laut «Politbarometer» wünschen sich unverändert 57 Prozent, dass Merkel Kanzlerin bleibt. Schulz verbessert sich auf 33 Prozent nach zuvor 28 Prozent. Im ARD-«Deutschlandtrend» ist der Abstand noch größer. 54 Prozent (plus 5) wollen einen Verbleib Merkels im Kanzleramt, nur 26 Prozent (+/-0) präferieren Schulz als Regierungschef.

Neben einer großen Koalition ergäbe sich aus den Umfragen nur für eine «Jamaika»-Koalition aus Union, FDP und Grünen eine stabile Mehrheit. FDP-Chef Christian Lindner steht einer solchen Option allerdings sehr skeptisch gegenüber. «Für ein Jamaika-Bündnis fehlt mir inzwischen die Fantasie», sagte Lindner dem Nachrichtenmagazin «Focus». Er sehe «bei der Einwanderungspolitik und der Energiepolitik hohe Hürden» mit den Grünen. Im Wahlkampf hätten die Grünen keine richtigen Themen. Deshalb wollten sie ihre Anhänger mobilisieren, indem sie die FDP als Staatsfeind Nummer 1 dämonisierten.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Zentralrat: AfD könnte auch gegen Juden Stimmung machen. «Es ist eine Partei, die gegen Minderheiten Stimmung macht», sagte er dem Berliner «Tagesspiegel». Im Moment richte sich das vorwiegend gegen Muslime. Aber es könnte auch andere Minderheiten treffen. Berlin - Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, befürchtet, dass sich die AfD in Zukunft auch gegen Menschen jüdischen Glaubens wenden könnte. (Politik, 23.09.2017 - 19:46) weiterlesen...

Kurzbiografie - Angela Merkel. Berlin - Die CDU-Politikerin Angela Merkel - seit zwölf Jahren Bundeskanzlerin - gilt als eine der mächtigsten Frauen weltweit: Kurzbiografie - Angela Merkel (Politik, 23.09.2017 - 16:20) weiterlesen...

Kurzbiografie - Martin Schulz Berlin - Martin Schulz hat lange Zeit in Europa Politik gemacht, bevor er die Führung der SPD übernahm. (Politik, 23.09.2017 - 16:12) weiterlesen...

Wahlkampf bis zuletzt - Wie stark wird die AfD?. Ungewiss bleibt aber, wie stark sie aus der Wahl hervorgeht und welche Koalition sie künftig anführt. Mit Sorge wird vor allem auf das Abschneiden der AfD geblickt, die als drittstärkste Kraft und zweistellig in den Bundestag einziehen könnte. Merkel, ihr SPD-Herausforderer Martin Schulz und andere Spitzenkandidaten kämpfen um die Stimmen unentschlossener Wähler. Berlin - Ungeachtet der erwarteten Verluste für die Regierungsparteien Union und SPD gilt bei der Bundestagswahl eine Bestätigung von Kanzlerin Angela Merkel als sicher. (Politik, 23.09.2017 - 16:02) weiterlesen...

Endspurt - Wahlkampf bis zuletzt für Merkel und Schulz. Aber mit wem regiert sie künftig? Und wie viele Stimmen bekommt die AfD? Das Ergebnis der Rechtspopulisten könnte den Wahlabend bestimmen. Wohin geht Deutschland nach der Wahl? Dass die alte Kanzlerin auch die nächste Regierung anführt, gilt als sicher. (Politik, 23.09.2017 - 15:28) weiterlesen...

Zu Herzen gehen Bundeskanzlerin Angela Merkel kniet auf einer Bühne in Greifswald hinter einer Reanimationspuppe und übt neben Professor Klaus Hahnenkamp von der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald die Herzdruckmassage. (Media, 23.09.2017 - 14:46) weiterlesen...