Prozesse, Terrorismus

Die Mordserie des NSU hat Deutschland erschüttert.

25.07.2017 - 17:12:06

Plädoyers im NSU-Prozess - Zschäpe als Mittäterin überführt. Nun haben die Plädoyers im Prozess gegen die Hauptangeklagte Beate Zschäpe und vier Mitangeklagte begonnen. Bis zu einem Urteil dürfte es aber noch Monate dauern.

. «Die Täter, Hoher Senat, waren Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe», sagte Diemer. «Motiv für all diese Verbrechen war rechtsextremistische Ideologie.» Das Ziel sei ein «ausländerfreies» Land gewesen. Die Bundesrepublik habe in ihren Grundfesten erschüttert werden sollen. Der NSU habe versucht, einem «widerwärtigen Naziregime den Boden zu bereiten». Die Opfer seien nur wegen ihrer ausländischen Herkunft «hingerichtet» worden, sagte Diemer. Sämtliche Opfer seien «willkürlich herausgegriffen» worden.

Oberstaatsanwältin Anette Greger ergänzte: «Zschäpe fungierte als Tarnkappe.» Mundlos und Böhnhardt hätten die Ziele ausgekundschaftet und die Anschläge ausgeführt. Zschäpes Aufgabe sei es gewesen, sich gegenüber den Nachbarn Alibis für die beiden Männer auszudenken, das Geld zu verwalten, für Telefon-SIM-Karten, Papiere und Waffen zu sorgen. Zschäpe sei keine abhängige Persönlichkeit gewesen und habe an allen relevanten Entscheidungsprozessen der Gruppe teilgenommen, sagte Greger und sprach von «dominanten und manipulativen Wesenszügen».

Außerdem habe Zschäpe die Taten dokumentiert. Nach dem Tod ihrer Freunde und dem Abfackeln der letzten Fluchtwohnung in Zwickau habe sie lieber ihre Katzen bei Nachbarn zurückgelassen als auf eine «Veröffentlichung des filmischen Dokuments des gemeinsamen Lebenswerks zu verzichten», sagte Greger mit Blick auf ein zynisches Bekennervideo des NSU. Zschäpe hatte selber eingeräumt, Umschläge mit den Videos verschickt und so öffentlich gemacht zu haben.

Kritik am NSU-Prozess wies Diemer zurück. Die Beweisaufnahme sei der menschlichen, gesellschaftlichen und historischen Bedeutung des Strafprozesses in jeder Hinsicht gerecht geworden. Es sei unzutreffend, wenn behauptet werde, das Umfeld des NSU und weitere Unterstützerkreise seien nicht weiter ausgeleuchtet worden. Mögliche Fehler von Behörden aufzuklären sei zudem Aufgabe politischer Gremien oder anderer Untersuchungskommissionen, betonte der Bundesanwalt.

Ursprünglich hätten die Plädoyers nach dem Willen des Gerichts schon am vergangenen Mittwoch beginnen sollen. Juristisches Hickhack über eine mögliche Tonbandaufnahme der Schlussvorträge verhinderte dies aber. Letztlich verzichteten die Verteidiger am Dienstag aber auf neue Befangenheitsanträge, so dass die Plädoyers beginnen konnten.

. Nach der Bundesanwaltschaft sind die Nebenkläger und dann die Verteidiger mit den Plädoyers am Zug.

An den einzelnen Prozesstagen dürfte es viele Pausen geben. Der Mitangeklagte Ralf Wohlleben beklagte am Dienstagmittag Probleme mit der Konzentrationsfähigkeit. Nachdem er von einem Arzt untersucht wurde, ging der Prozess weiter - allerdings stellte der Vorsitzende Richter für die Dauer der Plädoyers Pausen nach jeweils 45 Minuten in Aussicht. An diesem Mittwoch wird der Prozess fortgesetzt.

@ dpa.de

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