Extremismus, Musik

Die kleine südthüringische Stadt Themar in Ausnahmezustand: Mehr als 4500 Rechte reisen zum wohl bundesweit größten Neonazi-Konzert des Jahres an.

15.07.2017 - 17:46:06

1000 Polizisten im Einsatz - Tausende Rechte beim Rockkonzert in Thüringen. Die 3000-Einwohner-Stadt hält mit Volksfest und bunten Plakaten dagegen. Der Auftakt verlief friedlich.

  • Neonazi-Konzert in Themar - Foto: Martin Schutt

    Ein Banner mit der Aufschrift «Südthüringen bleibt deutsch» am geplanten Veranstaltungsgelände in Themar. Foto: Martin Schutt

  • Polizist - Foto: Bodo Schackow

    Laut Thüringens Innenminister haben sich Polizei und Justiz auf «mögliche Eskalationen intensiv vorbereitet». Foto: Bodo Schackow

  • Neonazi Konzert in Themar - Foto: Bodo Schackow

    Fahnen der rechten Szene im thüringischen Themar. Zu einem Neonazi-Konzert in Südthüringen werden mehr als 5000 Rechte und rund 2000 Gegendemonstranten erwartet. Foto: Bodo Schackow

Neonazi-Konzert in Themar - Foto: Martin SchuttPolizist - Foto: Bodo SchackowNeonazi Konzert in Themar - Foto: Bodo Schackow

Themar - Zum wohl bundesweit größten Neonazi-Konzert des Jahres im südthüringischen Themar sind bis zum Nachmittag rund 4500 Anhänger der rechten Szene gekommen. Die Polizei sprach fast Stunden nach Festivalbeginn von einem weiterhin starken Zulauf.

Viele Autos würden derzeit auf den vorgesehenen Wiesen keine Parkplätze finden. «Das Sicherheitskonzept gegen das Konzert «Rock gegen Überfremdung» ist bislang voll aufgegangen», sagte der Sprecher der Landespolizeidirektion, Patrick Martin, der Deutschen Presse-Agentur. Er sprach von einem schwierigen Einsatz für die Beamten.

Der Zulauf bei den Gegenprotesten war entgegen der Erwartungen zunächst verhalten. Statt der erwarteten 2000 Menschen demonstrierten nur mehrere Hundert gegen Rechts. Neun Veranstaltungen waren im Vorfeld angemeldet worden.

Rund 1000 Polizisten aus Thüringen und mehreren Bundesländern waren im Einsatz - auch um ein Aufeinandertreffen der Teilnehmer des Rockkonzerts mit den Gegendemonstranten zu verhindern. Die Rock-Konzert-Besucher, teils mit T-Shirt-Aufschriften wie «Sturm auf Themar» oder «Frei wie ein Vogel», wurden vor Eintritt in das mit hohen Gittern eingezäunte Festivalgelände von der Polizei durchsucht. Auf der Wiese war ein riesiges Zelt aufgebaut, das laut Polizei die erwarteten 5000 Menschen fassen kann. Das Konzert soll bis nach Mitternacht dauern.

Bis zum Nachmittag seien zehn Verstöße wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen sowie acht weitere Straftaten wie Beleidigung, Sachbeschädigung oder Drogenmissbrauch festgestellt worden. Alle Taten seien unter Alkoholeinfluss geschehen, hieß es von der Polizei.

Bürgerinitiativen, die Kirche und Privatleute hatten im Vorfeld zum Protest aufgerufen. In der 3000-Einwohner-Stadt, in der bunte Plakate und Transparente zu sehen waren, war es trotz Bürgerfest und kleinen Protesten auffallend ruhig. Der stellvertretende Landrat von Hildburghausen, Helge Hoffmann, sagte, was die kleine Gemeinde an Protest organisiert habe, sei ehrenwert. Er gab zu bedenken: «Wir sind hier in einem ländlichen Raum.» Er habe sich jedoch mehr Unterstützung aus der Region gewünscht.

@ dpa.de

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