Unfälle, Luftverkehr

Der Vater des Copiloten hat den Jahrestag des Germanwings-Unglücks genutzt, um sich an die Öffentlichkeit zu wenden.

24.03.2017 - 13:18:06

Absturz in den Alpen - Germanwings-Jahrestag: Lubitz-Vater bezweifelt Alleinschuld. Ein Gutachten in seinem Auftrag führt viele Details an, die angeblich Zweifel an der Alleinschuld wecken. Die Bundesregierung kann das nicht überzeugen.

  • Absturz - Foto: Sebastien Nogier

    Trümmer der Germanwings-Maschine an der Absturzstelle in der Nähe von Le Vernet in den französischen Alpen. Foto: Sebastien Nogier

  • Staatsanwalt Kumpa - Foto: Rolf Vennenbernd

    Staatsanwalt Christoph Kumpa reagiert vor Journalisten auf die Vorwürfe des Vaters von Andreas Lubitz. Foto: Rolf Vennenbernd

  • Le Vernet - Foto: Am 24. März 2015 zerschellte ein Airbus der Lufthansa-Tochter Germanwings auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen bei Le Vernet. Foto: Rolf Vennenbernd

    Am 24. März 2015 zerschellte ein Airbus der Lufthansa-Tochter Germanwings auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen bei Le Vernet. Foto: Rolf Vennenbernd

  • Günter Lubitz - Foto: Günter Lubitz: «Wir haben den Tag nicht gewählt, um die Angehörigen zu verletzen.» Foto: Michael Kappeler

    Günter Lubitz: «Wir haben den Tag nicht gewählt, um die Angehörigen zu verletzen.» Foto: Michael Kappeler

Absturz - Foto: Sebastien NogierStaatsanwalt Kumpa - Foto: Rolf VennenberndLe Vernet - Foto: Am 24. März 2015 zerschellte ein Airbus der Lufthansa-Tochter Germanwings auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen bei Le Vernet. Foto: Rolf VennenberndGünter Lubitz - Foto: Günter Lubitz: «Wir haben den Tag nicht gewählt, um die Angehörigen zu verletzen.» Foto: Michael Kappeler

Berlin - Am zweiten Jahrestag der Germanwings-Katastrophe hat der Vater des Todespiloten Andreas Lubitz mit Hilfe eines Gutachters das einhellige Ergebnis der Ermittlungsbehörden scharf kritisiert. Es sei nicht zweifelsfrei erwiesen, dass der Copilot allein verantwortlich für den Absturz mit 150 Toten sei.

«Wir sind auf der Suche nach der Wahrheit», sagte der Vater des Copiloten, Günter Lubitz, am Freitag bei einer Pressekonferenz in Berlin. «Unser Sohn war zum Zeitpunkt des Absturzes nicht depressiv», betonte er. Dies hatten die Ermittler in ihrem Abschlussbericht zum Unglück auch nicht behauptet. Allerdings gingen sie von psychischen Problemen des 27-Jährigen aus.

Flugunfallexperte Tim van Beveren hatte sich im Auftrag der Familie Lubitz mit dem Fall befasst. Er zählte am Freitag eine Reihe von Details auf, mit denen er Vorgehen und Rückschlüsse der offiziellen Ermittler infrage zog. Angehörige der 149 anderen Menschen an Bord hatten vor der Erklärung den Zeitpunkt als «unverantwortlich» und «geschmacklos» kritisiert. Der Schulleiter Ulrich Wessel aus dem westfälischen Haltern, wo am Freitag eine Gedenkfeier für die Halterner Opfer stattfand, nannte dies eine «Provokation, ein Affront gegenüber den Eltern».

Dem Abschlussbericht der Behörden zufolge brachte der Copilot am 24. März 2015 den Airbus A320 auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf absichtlich zum Absturz in Südfrankreich. Alle 150 Menschen an Bord starben. Zuvor hatte er demnach den Flugkapitän aus dem Cockpit ausgesperrt.

Die Bundesregierung hält an diesen Erkenntnissen nach den Anwürfen der Familie Lubitz auch weiterhin fest: «Es gibt für uns keinen Anlass, an der Art und den Ergebnissen der Unfalluntersuchungsbehörde zu zweifeln», teilte das Verkehrsministerium am Freitag mit. Auch die Pilotenvereinigung Cockpit (VC) zeigte sich unbeeindruckt. Zwar habe der VC nicht alle 18 000 Seiten der Flugunfall-Untersucher, sondern nur den offiziellen Bericht gelesen. «Da sind bei unseren Experten bisher aber keine Fragezeichen geblieben.«

Der Flugexperte van Beveren hingegen sprach von Vorverurteilung und Spuren, die nicht verfolgt worden seien. Es sei nicht klar erwiesen, wer zum Zeitpunkt des Absturzes der Germanwings-Maschine vor zwei Jahren im Cockpit gesessen habe.

Möglicherweise habe es am Jet Probleme mit der Cockpit-Verriegelung gegeben, behauptete er. Er habe Informationen erhalten, dass sich eine Crew dieses Jets einmal selbst ausgesperrt habe. Er habe dies den Ermittlern auch mitgeteilt. «Es ist nicht untersucht worden.»

Man wisse nicht, was sich vor zwei Jahren abgespielt hat, sagte van Beveren. «Wir haben alle Vermutungen. Aber Vermutungen sind keine Beweise.» Die Ermittler hätten sich schon nach 48 Stunden auf eine Absturzursache festgelegt. «Etwas Vergleichbares habe ich in den vergangenen 25 Jahren nicht erlebt.» Er kritisierte zudem, dass bei den Ermittlungen zur Unfallursache nur Ingenieure eingesetzt worden seien, aber keine «Human Factor»-Experten, die darauf spezialisiert seien, den Faktor Mensch zu analysieren. Diese könnten beispielsweise aus Stimmenrekorder- und Funk-Aufzeichnungen auf Stress schließen.

Der von der Familie beauftragte Gutachter verwies außerdem auf Turbulenzen, die es am 24. März 2015 über dem Absturzgebiet gegeben habe. Solche Luftlöcher seien sehr gefährlich. Etliche andere Piloten hätten deswegen am Absturztag niedrigere Flughöhen gewählt.

Lubitz rechtfertigte den Zeitpunkt der Pressekonferenz auf den Tag genau zwei Jahre nach dem Unglück. Die Reaktionen wären die gleichen gewesen, «egal welchen Tag wir gewählt hätten». Der Familie sei es darum gegangen, Gehör zu bekommen. Sie sieht sich zwei Jahre nach dem Absturz in einer speziellen Trauersituation. «Wir müssen damit leben, dass wir nicht nur unseren Sohn und Bruder verloren haben.» Die Familie müsse damit leben, dass ihr Sohn schon zwei Tage nach dem Absturz als Verantwortlicher galt und bis heute als «depressiver Massenmörder» dargestellt werde.

Worte des Trostes an die Angehörigen anderer Getöteter fand Lubitz beim Auftritt nicht, allerdings betonte er, dass er sie mit der Wahl des Tages nicht verletzen wollte.

@ dpa.de

Amazon wird sich schwarzärgern, aber …

… wir schenken Ihnen den Report „Börsenpsychologie - Markttechnik für Trader“ heute trotzdem kostenfrei. Normalerweise kostet der Report im Onlinehandel 39,99 Euro.

Sie können sich den genialen Report heute jedoch absolut kostenfrei sichern. Wir senden Ihnen den Report vollkommen KOSTENFREI zu.

Jetzt HIER klicken und dank richtigen Timing reich an der Börse werden!

Weitere Meldungen

Hochwasser erwartet - Nachwirkungen von Schneechaos ebben langsam ab. Am Frankfurter Flughafen müssen 200 gestrandete Reisende übernachten. Einige Schnellzüge sind weiter ausgebremst. Schnee und Glätte lassen Deutschland nur nach und nach aus dem Klammergriff. (Politik, 11.12.2017 - 12:48) weiterlesen...

Verschneite Nacht - Tauwetter nach Verkehrschaos: Lage normalisiert sich. Polizei und Feuerwehr müssen zu Hunderten von Unfällen ausrücken. Am Morgen herrscht dann zumeist ein ganz anderes Bild - ein paar Grad machen den Unterschied. Der Wintereinbruch hält Einsatzkräfte in der Nacht in Atem. (Politik, 11.12.2017 - 08:12) weiterlesen...

Bahn-, Auto- und Flugverkehr - Schnee, Eis und Sturm sorgen für Chaos. In vielen Teilen Deutschlands musste die Polizei wegen Hunderter Unfälle ausrücken. Der Wintereinbruch hat Einsatzkräfte in der Nacht zum Montag in Atem gehalten. (Politik, 11.12.2017 - 07:00) weiterlesen...

Bahn-, Auto- und Flugverkehr - Schnee, Eis und Strurm sorgen für Chaos. In vielen Teilen Deutschlands musste die Polizei wegen Hunderter Unfälle ausrücken. Der Wintereinbruch hat Einsatzkräfte in der Nacht zum Montag in Atem gehalten. (Politik, 11.12.2017 - 06:54) weiterlesen...

Schnee und Eis sorgen für Chaos auf den Straßen. In einigen Regionen zählte die Polizei in der Nacht Hunderte Einsätze. Allein in Leipzig wurden innerhalb von vier Stunden etwa 100 Verkehrsunfälle gemeldet. In den meisten Fällen blieb es bei Blechschäden. Die Bahn sperrte die Schnellfahrstrecke Köln-Rhein/Main. Fernverkehrszüge wurden umgeleitet. Die Strecke soll am Morgen wieder frei sein. Verspätungen im Regionalverkehr erwartet die Bahn noch in Norddeutschland. Berlin - Der Wintereinbruch hat in vielen Teilen Deutschlands zu chaotischen Zuständen geführt. (Politik, 11.12.2017 - 05:50) weiterlesen...

Schnee und Eis behindern Verkehr. In der Nähe von Cuxhaven starb ein Mann bei einem Unfall, im Kreis Mettmann in Nordrhein-Westfalen kam ein Lkw-Fahrer ums Leben. Mehrere Menschen verletzten sich, aber oft blieb es bei Blechschäden. Am Frankfurter Flughafen gab Verspätungen und Flugausfälle. Der Flughafen Düsseldorf stellte den Betrieb ein, auch in Köln/Bonn, am Flughafen Stuttgart und Bremen fielen Flüge aus. Berlin - Schnee und Straßenglätte haben in vielen Teilen Deutschlands zu Unfällen geführt und den Verkehr behindert. (Politik, 11.12.2017 - 01:04) weiterlesen...