Konflikte, Nordkorea

Der Streit um Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm ist einer der gefährlichsten Konflikte weltweit.

04.07.2017 - 14:49:23

Trotz Warnungen - Nordkorea will Interkontinentalrakete getestet haben. Jetzt demonstriert die Diktatur militärische Stärke und startet eine Interkontinentalrakete. Die Schockwellen dürften auch den G20-Gipfel in Hamburg erreichen.

  • Nordkorea feuert erneut Testrakete ab - Foto: Wong Maye-E

    Ballistische Raketen bei einer Militärparade in Pjöngjang. Foto: Wong Maye-E

  • Pukguksong-2 - Foto: KCNA via KNS

    Die von der Regierung Nordkoreas verbreitete und undatierte Aufnahme zeigt den Start einer «Pukguksong-2»-Rakete. Foto: KCNA via KNS

  • Japan verurteilt Nordkoreas Raketentest - Foto: Shizuo Kambayashi

    In Tokio berichtet ein japanischer Fernsehsender über den nordkoreanischen Raketentest. Foto: Shizuo Kambayashi

Nordkorea feuert erneut Testrakete ab - Foto: Wong Maye-EPukguksong-2 - Foto: KCNA via KNSJapan verurteilt Nordkoreas Raketentest - Foto: Shizuo Kambayashi

Pjöngjang/Seoul - Nordkorea hat nach eigenen Angaben erstmals eine Interkontinentalrakete (ICBM) getestet, die auch die USA erreichen kann.

Der Test der Hwasong-14 genannten Rakete, den Machthaber Kim Jong Un persönlich angeleitet habe, sei erfolgreich gewesen, berichteten die Staatsmedien am Dienstag unter Berufung auf die Akademie für Verteidigungswissenschaft des Landes. Nordkorea könne «jeden Teil der Welt mit Atomwaffen treffen». 

Mit dem Test einer ICBM wäre eine neue Eskalationsstufe im Streit um Nordkoreas Atomprogramm erreicht, der als einer der gefährlichsten Konflikte weltweit gilt. Das weithin isolierte Land arbeitet seit Jahren an der Entwicklung von Langstreckenraketen, die auch die USA erreichen können. Anchorage in Alaska ist 6000 Kilometer von Pjöngjang entfernt, Berlin knapp 8000 Kilometer.

Die US-Streitkräfte, die den Test aufzeichneten, sprachen zunächst von einer landgestützten Mittelstreckenrakete, die Nordkorea abgefeuert habe. Sie flog demnach 37 Minuten und somit länger als bei früheren nordkoreanischen Raketenversuchen.   

Als gelten Raketen mit einer Reichweite von mehr als 5500 Kilometern. Sie werden üblicherweise mit Atomsprengköpfen bewaffnet und folgen nach Verlassen der Erdatmosphäre einer ballistischen Flugbahn. UN-Resolutionen verbieten der kommunistischen Führung Nordkoreas den Test ballistischer Raketen. 

Nach Angaben Pjöngjangs erreichte der Flugkörper nach dem Start in der nordwestlichen Provinz Nord-Pyongan eine Höhe von 2802 Kilometern. Sie sei 933 Kilometer weit geflogen, bevor sie nach einer Flugzeit von 39 Minuten ihr Ziel im Japanischen Meer (koreanisch: Ostmeer) getroffen habe. 

Zuvor hatten bereits die südkoreanischen und amerikanischen Streitkräfte mitgeteilt, dass das Nachbarland eine ballistische Rakete abgefeuert habe, die rund 930 Kilometer in Richtung offenes Meer geflogen sei. Südkorea schließe nicht aus, dass es eine ICBM gewesen sein könnte, sagte Präsident Moon Jae In in Seoul bei einem Treffen des Nationalen Sicherheitsrats. 

Der US-Physiker David Wright erklärte in seinem Blog, sollten die Angaben des US-Pazifikkommandos stimmen, hätte die Rakete möglicherweise bei einer normalen Flugbahn eine maximale Reichweite von 6700 Kilometern und könnte damit Alaska erreichen. Bei einer angenommenen Flugzeit von 37 Minuten müsse sie aber zunächst über 2800 Kilometer in die Höhe gestiegen sein.

Der jüngste Test wurde auch als Warnsignal an die Regierung in Washington verstanden, der Nordkorea eine feindselige Politik unterstellt. Das bestreitet Washington. US-Präsident Donald Trump hatte mehrfach mit Alleingängen in dem Konflikt gedroht und auch militärische Aktionen nicht ausgeschlossen. Nach dem jüngsten Test twitterte Trump jedoch, vielleicht werde China Maßnahmen gegen Nordkorea ergreifen, um «diesen Unsinn» zu beenden.

Südkorea und Japan verurteilten den Test als Provokation. Damit habe Nordkorea erneut gegen UN-Resolutionen verstoßen. Nach Angaben Japans stürzte die Rakete wahrscheinlich in die exklusive Wirtschaftszone des Landes - einer 200-Meilen-Zone vor der Küste. 

Tokio erklärte, zusammen mit den USA und Südkorea mehr Druck auf Nordkorea ausüben zu wollen. Ministerpräsident Shinzo Abe rief zugleich die Präsidenten Chinas und Russlands, Xi Jinpin und Wladimir Putin, auf, beim bevorstehenden G20-Gipfel in Hamburg eine «konstruktive» Rolle im Konflikt mit Nordkorea zu spielen.

Die russische Führung zeigte sich besorgt. Der Raketentest liefere jenen Argumente, die weitere Spannungen schüren wollten, sagte Vizeaußenminister Sergej Rjabkow. Der Außenpolitiker Leonid Sluzki betonte, Gespräche mit der Führung in Pjöngjang seien nun wichtiger denn je. «Man muss verhandeln, in den Dialog treten und Pjöngjang weniger provozieren, indem man einen Flugzeugträger an seine Grenzen verlegt», sagte der Duma-Abgeordnete. Die USA hatten im April vorübergehend mit der Verlegung eines Flottenverbandes auf nordkoreanische Raketentests reagiert.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Bericht: Aufbau von US-Raketenabwehr in Südkorea ist abgeschlossen. Das meldete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf die US-Streitkräfte. Das System des Typs THAAD soll Südkorea und die im Land stationierten US-Soldaten vor potenziellen Raketenangriffen Nordkoreas schützen. Dessen Raketen- und Atomprogramm wird in der Region als große Bedrohung angesehen. Die USA hatten Ende April trotz Kritik aus China und Russland mit dem THAAD-Aufbau in Südkorea begonnen. Seoul - Der Aufbau des umstrittenen US-Raketenabwehrsystems in Südkorea ist abgeschlossen. (Politik, 22.10.2017 - 16:52) weiterlesen...

EU-Gipfel fordert USA zu Vertragstreue bei Iran-Atomabkommen auf. Beim EU-Gipfel in Brüssel stellten sie sich am Abend geschlossen hinter eine von den Außenministern beschlossene Erklärung. Die EU reagiert mit der Erklärung auf die jüngsten Äußerungen von US-Präsident Donald Trump. Dieser hatte es abgelehnt zu bescheinigen, dass sich der Iran an die Atomvereinbarung hält. In der Erklärung betonen Deutschland und die anderen 27 Mitgliedstaaten, die Internationale Atomenergiebehörde habe schon achtmal bestätigt, dass der Iran seine Verpflichtungen einhalte. Brüssel - Die Staats- und Regierungschefs der EU warnen die USA vor einem Ausstieg aus dem Atomabkommen mit dem Iran. (Politik, 20.10.2017 - 00:02) weiterlesen...

Drohung mit Vergeltungsschlag - Nordkorea: «Atomkrieg könnte jeden Moment beginnen» New York - Nordkoreas stellvertretender UN-Botschafter Kim In Ryong hat vor den Vereinten Nationen vor dem Ausbruch eines Atomkriegs gewarnt. (Politik, 17.10.2017 - 07:14) weiterlesen...

Nordkorea: «Atomkrieg könnte jeden Moment ausbrechen». Die Situation in Nordkorea habe einen «sehr riskanten Punkt erreicht», sagte Kim vor dem Abrüstungsausschuss der UN. Ein Atomkrieg könne jeden Moment ausbrechen. Kein anderes Land auf der Welt habe für so eine lange Zeit eine solch extreme und direkte nukleare Bedrohung von den USA hinnehmen müssen, sagte er. Nordkorea könne den internationalen Atomwaffensperrvertrag aufgrund der Bedrohung durch die USA nicht unterzeichnen. New York - Nordkoreas stellvertretender UN-Botschafter Kim In Ryong hat vor den Vereinten Nationen vor dem Ausbruch eines Atomkriegs gewarnt. (Politik, 17.10.2017 - 07:10) weiterlesen...

Nordkorea: «Atomkrieg könnte jeden Moment beginnen». Die Situation in Nordkorea habe einen «sehr riskanten Punkt erreicht», sagte Kim vor dem Abrüstungsausschuss der UN. Ein Atomkrieg könne jeden Moment beginnen. Kein anderes Land auf der Welt habe für so eine lange Zeit eine solch extreme und direkte nukleare Bedrohung von den USA hinnehmen müssen, sagte er. Nordkorea könne den internationalen Atomwaffensperrvertrag aufgrund der Bedrohung durch die USA nicht unterzeichnen. New York - Nordkoreas stellvertretender UN-Botschafter Kim In Ryong hat vor den Vereinten Nationen vor dem Ausbruch eines Atomkriegs gewarnt. (Politik, 17.10.2017 - 06:10) weiterlesen...

EU stellt sich demonstrativ hinter Atomabkommen mit dem Iran. In dem von den Außenministern beschlossenen Text betonen Deutschland und die anderen 27 Mitgliedstaaten die Bedeutung des Abkommens für globale Sicherheit. Es sorge dafür, dass das iranische Atomprogramm ausschließlich friedlich bleibe, heißt es dort. Die Internationalen Atomenergiebehörde habe bereits achtmal bestätigt, dass der Iran seine Verpflichtungen einhalte. Luxemburg - Die Europäische Union hat die USA mit einer einstimmig verabschiedeten Erklärung vor einem Ausstieg aus dem Atomabkommen mit dem Iran gewarnt. (Politik, 16.10.2017 - 17:16) weiterlesen...