Prozesse, Terrorismus

Der Iraker Abu Walaa gilt als Führungsfigur des IS in Deutschland.

26.09.2017 - 18:41:22

Hassprediger vor Gericht - Prozess gegen mutmaßlichen IS-Drahtzieher Abu Walaa startet. Reihenweise junge Männer soll er von einer Hildesheimer Moschee aus für die Terrormiliz mobilisiert haben. Nun beginnt der Prozess gegen ihn und vier weitere mutmaßliche Top-Islamisten in Celle.

Celle - Abu Walaa gilt als «Prediger ohne Gesicht», bei seinen Hassbotschaften im Internet zeigt er sich nur von hinten. Seit Dienstag muss sich der mutmaßliche Deutschlandchef der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Celle vor dem Oberlandesgericht verantworten.

Dort können die Zuschauer dem Mann nun in die Augen blicken. Laut Anklage ist der 33-jährige Iraker verantwortlich für die Ausreise zahlreicher radikalisierter junger Menschen in die IS-Kampfgebiete. Mit ihm angeklagt sind vier weitere IS-Unterstützer im Alter zwischen 27 und 51 Jahren.

Schwerbewaffnete Spezialkräfte der Polizei sowie Beamte mit Maschinenpistolen sichern das Gerichtsgebäude, verhandelt wird im Hochsicherheitstrakt und die Angeklagten sitzen hinter Panzerglas. Und dies nicht grundlos: Laut Gericht gibt es Anschlagsdrohungen ebenso wie den Aufruf im Internet zur Befreiung eines Angeklagten.

Zwar tragen mehrere der Angeklagten und auch Abu Walaa längere Bärte, wie sie für die radikal-islamischen Salafisten typisch sind. Wie furchteinflößende Terrordrahtzieher wirken die fünf aber nicht. Mit wachem Blick und sympathischem Lächeln redet Abu Walaa, der eine dunkle Strickjacke trägt und die Haare kurz rasiert hat, mit seinem Anwalt. Man kann sich vorstellen, dass er Menschen für sich gewinnen kann - und wie die Bundesanwaltschaft überzeugt ist: für einen fanatischen Glaubenskrieg.

Beim inzwischen verbotenen «Deutschen Islamkreis Hildesheim» soll Abu Walaa radikal-islamische Predigten gehalten und die Moschee zu einem bundesweiten Rekrutierungszentrum des IS gemacht haben. Laut Anklage indoktrinierte das Netzwerk junge Menschen und schickte sie nach Syrien oder in den Irak.

Zwei in der Anklage genannte Zwillinge aus Castrop-Rauxel sollen sich dort als Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt haben, wobei rund 150 Regierungssoldaten starben. Während der Schilderung dieses Räderwerks des Terrors lächelt Abu Walaa immer wieder, manchmal schüttelt er den Kopf.

Außer in Hildesheim war der von den Sicherheitsbehörden seit Jahren beobachtete Prediger in Nordrhein-Westfalen aktiv, wo er in Tönisvorst bei Krefeld lebte. Außerdem organisierte er Islamseminare in Moscheen in Berlin, Kassel, Frankfurt und dem westfälischen Bocholt. Auch der Berlin-Attentäter Anis Amri soll sich im Umfeld von Abu Walaa und seinem Netzwerk aufgehalten haben. Kontakte soll es über den verschlüsselten Messengerdienst Telegram gegeben haben.

Alle fünf Männer wurden im vergangenen November in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen festgenommen. Ihnen wird Unterstützung und Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Ihnen drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Belastet wird Abu Walaa von mehreren V-Leuten der Polizei sowie einem ehemaligen IS-Sympathisanten aus Gelsenkirchen. Der Kronzeuge sagte sich nach einer Syrienreise von der Terrormiliz los und packte bei den Ermittlern aus, er erhielt im Mai eine Bewährungsstrafe.

Wie die Verteidigung zu Prozessbeginn erklärte, sei der Kronzeuge ein Hochstapler. Die Vorwürfe stützten sich auf die Aussagen eines Terroristen. Abu Walaas Verteidiger Peter Krieger sagte, der Kronzeuge erzähle «fantastische Geschichten», die die Behörden nicht überprüft hätten.

Trotz jahrelanger Beobachtung hätten die Behörden Abu Walaa zuvor nie etwas anlasten können. Und eines lässt aufhorchen: Die Verteidigung behauptet auch, der auf Abu Walaa angesetzte V-Mann «VP01» des Landeskriminalamtes NRW habe Anis Amri immer wieder zum Verüben von Anschlägen aufgefordert. Deswegen, so die Vermutung der Anwälte, dürfe dieser wohl nicht in Celle als Zeuge aussagen.

@ dpa.de

Amazon wird sich schwarzärgern, aber …

… wir schenken Ihnen den Report „Börsenpsychologie - Markttechnik für Trader“ heute trotzdem kostenfrei. Normalerweise kostet der Report im Onlinehandel 39,99 Euro.

Sie können sich den genialen Report heute jedoch absolut kostenfrei sichern. Wir senden Ihnen den Report vollkommen KOSTENFREI zu.

Jetzt HIER klicken und dank richtigen Timing reich an der Börse werden!

Weitere Meldungen

Nebenkläger verlangt lebenslange Haft für Beate Zschäpe. Er unterstützte damit die Strafforderung der Bundesanwaltschaft. Daimagüler sagte in seinem Plädoyer, seine Mandanten nähmen Zschäpes Entschuldigungen nicht an. Der Anwalt vertritt vor dem Oberlandesgericht München Angehörige von Abdurahim Özudogru und Ismail Yasar. Beide Männer waren laut Anklage von Zschäpes Gesinnungsgenossen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in Nürnberg erschossen worden. München - Der Nebenklage-Anwalt Mehmet Daimagüler hat im NSU-Prozess eine lebenslange Freiheitsstrafe für die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe verlangt. (Politik, 21.11.2017 - 12:54) weiterlesen...

Istanbuler Prozess zum Anschlag auf Deutsche vertagt. Istanbul - Im Prozess gegen mutmaßliche Anhänger der Terrormiliz IS wegen eines Anschlags auf eine deutsche Reisegruppe in Istanbul ergeht heute nun doch noch kein Urteil. Der Richter vertagte die Verhandlung auf den 8. Januar. Vier Verdächtige bleiben wegen dringenden Tatverdachts in Untersuchungshaft. Ihnen drohen langjährige Haftstrafen. Ein fünfter Angeklagter wird bis zum Urteil auf freien Fuß gesetzt. Bei dem Selbstmordanschlag am 12. Januar 2016 in der Istanbuler Altstadt hatte der Attentäter zwölf deutsche Touristen mit in den Tod gerissen, 16 Menschen waren verletzt worden. Istanbuler Prozess zum Anschlag auf Deutsche vertagt (Politik, 20.11.2017 - 14:24) weiterlesen...

Anschlag auf Deutsche in Istanbul: Urteil erwartet. Nach Plädoyers der Verteidiger der 26 Angeklagten erwarteten Prozessbeobachter eine Entscheidung in dem Verfahren. Bei dem Selbstmordanschlag im Januar 2016 in der Altstadt hatte ein Attentäter zwölf deutsche Touristen mit in den Tod gerissen, 16 Menschen wurden verletzt. Die türkische Regierung macht den IS für den Anschlag verantwortlich, der sich jedoch nie dazu bekannt hat. Istanbul - Knapp zwei Jahre nach dem Anschlag auf eine deutsche Reisegruppe in Istanbul steuert der Prozess gegen mutmaßliche Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat auf ein Ende zu. (Politik, 20.11.2017 - 12:46) weiterlesen...

NSU-Prozess: Nebenklage attackiert Zschäpe. Nach zwei Monaten Stillstand wegen vieler Befangenheitsanträge und wochenlanger Unterbrechungen läuteten die Rechtsanwälte Edith Lunnebach und Mehmet Daimagüler damit eine neue Phase in dem Mammutverfahren ein. Lunnebach warf Zschäpe Menschenverachtung und Lügen vor, den Anklägern unter anderem unzureichenden Ermittlungseifer und Diskreditierung von NSU-Opfern. München - Mit Frontalangriffen auf die Hauptangeklagte Beate Zschäpe, aber auch auf die Bundesanwaltschaft haben im NSU-Prozess die Plädoyers der Nebenkläger begonnen. (Politik, 15.11.2017 - 14:52) weiterlesen...