Kirche, Papst

Der erste Papst aus Lateinamerika zieht bei seiner Messe in Bogotá ein Millionenpublikum an.

08.09.2017 - 07:18:06

Südamerikareise - Millionen feiern «Friedensfest» mit dem Papst in Kolumbien. Seine mahnenden Worte sollen das Friedensabkommen mit den Farc-Rebellen stärken.

Bogotá - Mit eindringlichen Mahnungen zum Zusammenhalt nach Jahrzehnten der Gewalt hat Papst Franziskus Kolumbien zu einem Neubeginn aufgerufen. Vor Hunderttausenden Menschen sagte er bei einer Messe in der Hauptstadt Bogotá, man dürfe keine «Finsternis des Rachedurstes und des Hasses» zulassen.

Auch von Rückschlägen auf dem Weg zu Frieden solle man sich nicht entmutigen lassen. 

«In Bogotá und in Kolumbien ist eine große Gemeinschaft unterwegs, die gerufen ist, ein robustes Netz zu werden, das alle in der Einheit versammelt.» Nach Angaben der Stadt sollen sich im Parque Bolívar und der umliegenden Gegend bis zu 1,3 Millionen Menschen zu der Messe versammelt haben. Schon viele Stunden vor der Messe pilgerten die Menschen dort hin, fliegende Händler verkauften Franziskus-Artikel. Auch starker Regen hielt die Pilger nicht ab. 

Auch an den Straßen entlang der Routen des Papst-Trosses jubelten die Menschen dem ersten Papst aus Lateinamerika zu. Präsident und Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos sprach von einem großen Beweis der Einheit. 2016 hatte er mit der Guerillaorganisation Farc einen mühsam ausgehandelten Friedensvertrag unterzeichnet, der in eine Referendum zunächst abgelehnt, dann aber vom Kongress beschlossen wurde. Vor allem eine Sonderjustiz mit milden Strafen für Verbrechen stößt auf Widerstand, zudem werden die Maßnahmen zur Wiedereingliederung der Ex-Guerilleros und zur Verstärkung der staatlichen Präsenz in Konfliktregionen sehr viel Geld kosten. 

Der Vatikan hatte die Verhandlungen mit der Farc maßgeblich unterstützt, um nach fast 220.000 Toten in den Konflikten zwischen Guerilla, Streitkräften und rechten Paramilitärs eine neue Ära einzuläuten. Ausländische Unternehmen setzen auf einen Boom in den Land, 2016 kamen zudem erstmals über fünf Millionen Touristen. 

Am Freitag steht mit dem Besuch in der früheren Konfliktregion Villavicencio einer der Höhepunkte der Kolumbienreise des Papstes auf dem Programm. Der Tag steht im Zeichen der Aussöhnung. Nach einer Eucharistiefeier trifft das katholische Kirchenoberhaupt rund 6000 Opfer bei einem großen nationalen Versöhnungstreffen. 

Nach einem Gebet mit 400 Kindern und Indigenen fliegt der Pontifex zurück nach Bogotá. Von dort aus bricht er am Samstag nach Medellín auf. Die Stadt gilt als «katholische Hauptstadt» des Landes, am Sonntag endet diev Reise in Cartagena. Der Argentinier ist der dritte Papst, der Kolumbien besucht. Zuvor waren Papst Paul VI. 1968 und Johannes Paul II. 1986 in das südamerikanische Land gereist. 

@ dpa.de

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