Konflikte, Nahost

Der blutige Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern fordert nach Wochen relativer Ruhe erneut Opfer.

26.09.2017 - 14:12:06

Anschlag im Westjordanland - Palästinenser erschießt drei Israelis - Attentäter tot. Die Hamas lobt den tödlichen Anschlag im besetzten Westjordanland.

Tel Aviv - Ein palästinensischer Attentäter hat drei Israelis im besetzten Westjordanland erschossen. Der Mann habe das Feuer auf Wachleute am Eingang einer Siedlung nahe Jerusalem eröffnet, wie die israelische Polizei mitteilte.

Die Sicherheitskräfte hätten den Attentäter getötet. Ein weiterer Israeli wurde schwer verletzt.

Israel hat 1967 im Sechs-Tage-Krieg unter anderem das Westjordanland erobert und kontrolliert es bis heute weitgehend. Mittlerweile leben dort rund 420.000 israelische Siedler und 2,9 Millionen Palästinenser. Die Palästinenser wollen das Gebiet allerdings für einen unabhängigen Staat Palästina.

Israels Staatspräsident Reuven Rivlin verurteilte den Anschlag. «Der grausame Terrorangriff zeigt einmal mehr die tägliche Front, an der unsere Sicherheitskräfte in der wichtigsten Mission stehen - die Sicherheit der Bürger Israels zu schützen und zu verteidigen», schrieb Rivlin auf Twitter.

Die jüdische Siedlung Har Adar befindet sich am Rande des Westjordanlandes, nordöstlich von Jerusalem. Der 37-jährige Angreifer stammte aus dem palästinensischen Nachbarort Beit Surik und habe eine Arbeitserlaubnis für die Siedlung gehabt, wie eine Polizeisprecherin sagte. Er sei gemeinsam mit anderen Arbeitern auf die Sicherheitskräfte am Eingang der Siedlung zugegangen. Als diese ihn kontrollieren wollten, habe er seine Waffe gezogen. Er tötete zwei Wachleute und einen Polizisten.

Die Armee riegelte anschließend das Dorf des Angreifers und die Umgebung ab. Palästinenser dürften nach Sicherheitskontrollen und nur aus humanitären Gründen den Bereich verlassen oder betreten, sagte eine Sprecherin.

Der israelische Geheimdienst Schin Bet teilte mit, der Attentäter sei Vater von vier Kindern gewesen. Nach ersten Erkenntnissen habe es Gewalt in der Familie gegeben. Seine Frau sei vor ein paar Wochen nach Jordanien geflohen und habe ihn mit den Kindern zurückgelassen.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte an, das Haus des Attentäters zerstören zu lassen. Zudem werde allen Familienmitgliedern des Angreifers die Arbeitsgenehmigungen entzogen. Er forderte Palästinenserpräsident Mahmud Abbas dazu auf, den Angriff zu verurteilen.

Die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas begrüßte den Anschlag. «Das Verhältnis zu der Besatzungsmacht (Israel) ist kein Verhältnis einer Ko-Existenz, sondern ein Verhältnis des bewaffneten Widerstandes», sagte ein Hamas-Sprecher in Gaza.

Der UN-Nahostgesandte Nickolay Mladenov forderte alle Seiten dazu auf, sich dem Terror entgegenzustellen. Der UN-Sicherheitsrat hatte im Dezember auf einen vollständigen Siedlungsstopp Israels beharrt. Israelische Siedlungen seien ein großes Hindernis für einen gerechten, umfassenden und dauerhaften Frieden, heißt es in der UN-Resolution.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) verurteilte den Anschlag «auf das Schärfste». «Erneut ruft uns ein feiger Mordanschlag in Erinnerung, wie weit der Nahostkonflikt noch immer von einer Befriedung entfernt ist», erklärte er. «Wir erwarten von allen, die auf palästinensischer Seite Verantwortung tragen, dass sie sich klar und unmissverständlich von Gewalt distanzieren. Andernfalls drohen die Bemühungen um eine Wiederaufnahme von Verhandlungen zu scheitern.»

Seit Beginn einer Gewaltwelle vor rund zwei Jahren sind bei ähnlichen Attacken mehr als 40 Israelis getötet worden und rund 300 Palästinenser. Die meisten Palästinenser kamen bei ihren eigenen Anschlägen ums Leben.

Als Auslöser der Gewaltwelle galt ein Streit um Nutzungs- und Besuchsrechte auf dem Juden wie Muslimen heiligen Tempelberg (Al-Haram al-Scharif) in Jerusalem. Inzwischen hat die Gewalt aber eine Eigendynamik entwickelt. Das UN-Nothilfebüro Ocha schrieb Ende Mai in einem Bericht zu 50 Jahren israelischer Besatzung: «Die andauernde Besatzung, deren Ende nicht absehbar ist, fördert ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit und Frustration, das den Konflikt weiter antreibt.»

Zuletzt war der jahrzehntealte Konflikt im Juli eskaliert. Israel hatte nach einem tödlichen Anschlag am Tempelberg zeitweise zusätzliche Sicherheitskontrollen für Muslime eingeführt. Bei anschließenden Unruhen starben vier Palästinenser, Hunderte wurden verletzt. Ein Palästinenser erstach in einer israelischen Siedlung im Westjordanland drei Mitglieder einer Familie.

@ dpa.de

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