Parteien, CDU

Der am Freitag gestorbene «Kanzler der Einheit» wird wohl mit einer bisher nicht da gewesenen Feier in Straßburg gewürdigt.

19.06.2017 - 17:06:07

Auf Anregung von Juncker - Europäischer Staatsakt für Kohl wohl Anfang Juli. Der Termin steht noch nicht endgültig fest - Kanzlerin Merkel hält aber «höchste Ehrungen» für angemessen.

  • Einheitsfeier 1990 - Foto: Wolfgang Kumm

    Einer der größten Momente seines Lebens: Bei der Einheitsfeier am 3. Oktober 1990 winkt Helmut Kohl in die Menge, flankiert von Hans-Dietrich Genscher, Hannelore Kohl, und Bundespräsident Richard von Weizsäcker. Foto: Wolfgang Kumm

  • Vereidigung - Foto: Martin Gerten

    Helmut Kohl wird am 17. Januar 1991 von der damaligen Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth im Bundestag in Bonn vereidigt. Foto: Martin Gerten

  • Historischer Moment - Foto: Wolfgang Eilmes

    Historischer Moment: Der französische Staatspräsident Francois Mitterrand und Bundeskanzler Helmut Kohl reichen sich 1984 über den Gräbern von Verdun die Hand. Foto: Wolfgang Eilmes

  • Helmut Kohl und Maike Kohl-Richter - Foto: David-Wolfgang Ebener

    Sieben Jahre nach dem Tod seiner Frau Hannelore heiratete der Altkanzler Maike Kohl-Richter. Foto: David-Wolfgang Ebener

  • Kohl und Merkel - Foto: Uwe Anspach

    Bundeskanzlerin Angela Merkel und Helmut Kohl bei einer ihrer letzten Begegnungen. Foto: Uwe Anspach

  • Gorbatschow, Bush und Kohl - Foto: Martin Schutt

    Michail Gorbatschow, George Bush und Helmut Kohl (l-r) im Jahr 2005. Foto: Martin Schutt

  • Trauer um Helmut Kohl - Foto: Maurizio Gambarini

    Trauernde tragen sich in Berlin im Konrad-Adenauer-Haus in ein Kondolenzbuch ein. Foto: Maurizio Gambarini

  • Juncker und Kohl - Foto: Uwe Anspach

    Helmut Kohl und Jean-Claude Juncker im Jahr 2014 in Oggersheim. Foto: Uwe Anspach

  • Kerzen für Kohl - Foto: Christoph Schmidt

    Altkanzler Kohl war im Alter von 87 Jahren in seinem Haus gestorben. Foto: Christoph Schmidt

  • Trauerfeier - Foto: Stefan Puchner

    Maike Kohl-Richter, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Frankfurt, Salomon Korn, und der frühere Bild-Chefredakteur Kai Diekmann in Oggersheim. Foto: Stefan Puchner

  • Junge Union in Oggersheim - Foto: Thomas Frey

    Mitglieder der Jungen Union nehmen vor dem Haus des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl an einem Kondolenzmarsch teil. Foto: Thomas Frey

  • Witwe - Foto: Arne Dedert

    Helmut Kohls Witwe, Maike Kohl-Richter, beugt sich zu den vor dem Haus abgelegten Blumen und Kerzen hinunter. Foto: Arne Dedert

Einheitsfeier 1990 - Foto: Wolfgang KummVereidigung - Foto: Martin GertenHistorischer Moment - Foto: Wolfgang EilmesHelmut Kohl und Maike Kohl-Richter - Foto: David-Wolfgang EbenerKohl und Merkel - Foto: Uwe AnspachGorbatschow, Bush und Kohl - Foto: Martin SchuttTrauer um Helmut Kohl - Foto: Maurizio GambariniJuncker und Kohl - Foto: Uwe AnspachKerzen für Kohl - Foto: Christoph SchmidtTrauerfeier - Foto: Stefan PuchnerJunge Union in Oggersheim - Foto: Thomas FreyWitwe - Foto: Arne Dedert

Berlin - Altkanzler Helmut Kohl wird voraussichtlich als erster verstorbener Politiker Anfang Juli mit einem europäischen Staatsakt in Straßburg geehrt. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur sprach viel für das Datum 1. Juli.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte den am Freitag im Alter von 87 Jahren gestorbenen früheren CDU-Vorsitzenden mit einem Eintrag in das im Kanzleramt ausliegende Kondolenzbuch als Staatsmann, «der historisches für unser Land erreicht hat».

Für Kohl wird es nach Informationen der «Bild»-Zeitung außer dem Staatsakt auf europäischer Ebene keinen nationalen Staatsakt in Deutschland geben. Dies sei Kohls ausdrücklicher Wunsch gewesen.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hatte einen europäischen Staatsakt angeregt - es wäre die erste Veranstaltung dieser Art überhaupt. Daran sollen EU-Spitzenvertreter und politische Weggefährten Kohls teilnehmen. Aber auch in Deutschland dürfte es eine größere Trauerzeremonie geben. Direkt nach den Feierlichkeiten in Straßburg sei im Dom zu Speyer in Rheinland-Pfalz eine Totenmesse geplant, hatte die «Bild am Sonntag» geschrieben.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ließ Regierungssprecher Steffen Seibert erklären, Kohl sei ein Wegbereiter der europäischen Einigung gewesen. «Insofern ist es für die Bundesregierung außer Frage, dass zu seinem Tod höchste Ehrungen angemessen sind.» In welcher Form, wann und an welchem Ort dies geschehe, werde noch geklärt. Das Bundespräsidialamt erklärte, man werde sich bei der Ausgestaltung der Trauerfeierlichkeiten entsprechend der bisherigen Staatspraxis an den Wünschen der Familie orientieren. «Dazu finden derzeit Gespräche statt.»

Ein Staatsakt am 1. Juli in Straßburg, dem Sitz des Europaparlaments, würde auch den Terminplanungen der Union entgegenkommen. Am 2. und 3. Juli wollen die Spitzen von CDU und CSU in Berlin ihr gemeinsames Wahlprogramm verabschieden. In der Union hieß es aber auch, falls der 1. Juli nicht praktikabel sei, werde ein Staatsakt etwa an einem der folgenden Tage nicht an parteipolitischen Terminen scheitern.

Der frühere Berater Kohls, Horst Teltschik, sagte im ZDF, ein europäischer Staatsakt für Kohl sei auch eine Chance: «Vielleicht gibt dieses Signal der europäischen Würdigung der gesamten Europäischen Union einen neuen Impuls.»

Steinmeier schrieb in das im Kanzleramt ausliegende Kondolenzbuch: «Helmut Kohl war ein Ausnahmepolitiker und ein Glücksfall für unser Land.» Und weiter: «Europäische Einheit und transatlantische Partnerschaft waren ihm immer Herzensanliegen.» Merkel schrieb im Zusammenhang mit einer Mitarbeiterversammlung in der CDU-Zentrale zum Gedenken an Kohl in ein dort ausliegendes Gedenkbuch, Kohl habe «über ein Vierteljahrhundert die CDU als ihr Vorsitzender geprägt und modernisiert». Deutsche Einheit und europäische Einigung seien für ihn «immer zwei Seiten ein und derselben Medaille».

Der frühere Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann würdigte Kohl als gradlinigen, sensiblen und gebildeten Menschen. «Er war nicht die Dampfwalze, die alles brutal niederwalzte, zu der ihn manche immer wieder machen wollten», schrieb er in einem Beitrag für die «Rheinische Post».

Der Kohl-Biograf Heribert Schwan, der sich mit dem Altkanzler jahrelang erbittert vor Gericht gestritten hatte, sagte dem «Express» (Montag): «Ich trauere zum einen um einen Staatsmann - und dann um einen Menschen, dem ich acht Jahre sehr nahe stand und verbunden war, von dem ich viel erfahren habe.» Er sei «traurig darüber, dass ich mich mit ihm vor seinem Tod nicht mehr aussprechen konnte».

@ dpa.de

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