Wahlen, Bundestag

Das ist ein Wahlkampfauftakt der Kanzlerin ohne Konflikte.

12.08.2017 - 17:08:07

Scharfe Kritik an Autobossen - Merkel startet Wahlkampf mit Wohlfühlthemen. Beim CDU-Arbeitnehmerflügel CDA gibt sich Merkel sozial. Kritische Themen spart sie aus. Mit einer Ausnahme.

Dortmund - Die Halle war voll, die Stimmung gut, die Kanzlerin entspannt: Ausgerechnet in der SPD-Hochburg Dortmund startete Angela Merkel (CDU) ihren Wahlkampf zur Bundestagswahl. Den Ort für den Auftakt ihrer Deutschlandtour hatte sie wohl mit Bedacht gewählt: mitten im Herzen der Sozialdemokratie.

Allerdings schlägt dieses in der Ruhrgebietsmetropole heute längst nicht mehr so kraftvoll wie in früheren Jahrzehnten.

In der kleinen Westfallenhalle 2 brandete der Kanzlerin der Applaus von 800 Zuhören entgegen. Dass Merkel schwierige Themen wie den Konflikt zwischen US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un ausließ, störte ihre Anhänger nicht. «Das war ja eine Veranstaltung zusammen mit der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft», sagte Werner Schulz aus dem benachbarten Witten. «Die Kanzlerin hat heute den eigenen Leuten Mut gemacht. Das war sehr, sehr positiv», konstatierte der CDU-Anhänger zufrieden.

«Wir wollen arbeiten für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben», gab Angela Merkel zum Auftakt das Motto aus. So blieb es bei Wohlfühlthemen der CDU. Die Kanzlerin lobte bisherige Erfolge in der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und kündigte eine weitere Halbierung bis zur Vollbeschäftigung an. So steht es auch im Regierungsprogramm der Union für die kommende Legislaturperiode.

Stabile Renten, geeignete Jobs für Langzeitarbeitslose ohne Perspektive oder mehr Hilfen für Familien und Erwerbsgeminderte. Das entsprach dem Wunsch des Publikums. Dass dann auch noch schummelnde Autobosse in der Dieselaffäre eins aufs Dach bekamen, kam besonders gut an. «Weite Teile der Automobilindustrie haben unglaubliches Vertrauen verspielt», wetterte Merkel und verlangte eine Wiederherstellung desselbigen.

Ihrem Widersacher, SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz, gönnte sie nicht einmal einen Seitenhieb. Hat Merkel wohl auch nicht nötig. Die CDU befindet sich sechs Wochen vor der Wahl im Umfragehoch, auch wenn die Kanzlerin selbst jüngst etwas an Zustimmung verloren hat.

Eine komfortable Ausgangslage für den jetzt anziehenden Wahlkampf. Da kam der sonst eher nüchternen Merkel sogar ein Scherz über die Lippen, als sie auf die Möglichkeiten des autonomen Fahrens im Straßenverkehr hinwies: «Wer nicht so gut einparken kann, kann's ja heute schon automatisch versuchen. Ich spreche da vor allem die Männer an.» Großes Gelächter im Saal.

Schulz muss sich nach dem kurzen Umfragehoch nach seiner Nominierung zum Kanzlerkandidaten mit Werten über 30 Prozent jetzt mächtig anstrengen. Im jüngsten ZDF-«Politbarometer» lag die SPD mit 24 Prozent satte 16 Punkte hinter der CDU/CSU, die auf 40 Prozent kam. Ist die Wahl also schon gelaufen? Kann sich die Union den Wahlkampf vielleicht schenken? Das wäre aus Merkels Sicht fatal. Sie appellierte in Dortmund an ihre Parteifreunde: «Wir müssen werben, wir müssen kämpfen, wir müssen eintreten für unsere Anliegen.»

@ dpa.de

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