Terrorismus, Deutschland

Bislang sind zum Hergang des Anschlags auf den Berliner Weihnachtsmarkt noch viele Fragen offen.

29.12.2016 - 12:44:05

Kritik an Informationspolitik - Bundesanwaltschaft informiert über Berlin-Anschlag. Am Nachmittag will die Bundesanwaltschaft neue Erkenntnisse präsentieren.

Berlin - Zehn Tage nach dem Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt informiert die Bundesanwaltschaft heute über den Stand der Ermittlungen. Zum Hergang der Tat, zur Fluchtroute und zur Identität der Opfer sind noch immer viele Fragen offen.

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) kritisierte in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur die Informationspolitik der Ermittlungsbehörden nach Ereignissen wie dem jüngsten Anschlag.

Gestern hatten Ermittler einen möglichen Kontaktmann des mittlerweile getöteten mutmaßlichen Täters Anis Amri festgesetzt. Noch ist unklar, ob gegen den verdächtigen 40-jährigen Tunesier Haftbefehl beantragt wird. Darüber will die Bundesanwaltschaft im Laufe des Tages entscheiden.

Der 24-jährige Amri war den Ermittlungen zufolge am 19. Dezember mit einem Lastwagen in den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche in Berlin gefahren. Zwölf Menschen starben, 55 wurden verletzt. Auf seiner Flucht wurde Amri in Italien von Polizisten erschossen.

Amri war offenbar im Fokus der Ermittlungsbehörden. Nach Informationen von «Süddeutscher Zeitung» (Donnerstag), NDR und WDR wurde im Gemeinsamen Terrorismus-Abwehrzentrum (GTAZ) in Berlin zwischen Februar und November 2016 mindestens sieben Mal über Amri gesprochen. Behördenunterlagen, die nur fünf Tage vor der Tat entstanden, würden seinen Werdegang in Deutschland beschreiben.

Demnach suchte Amri im Internet Anleitungen für den Bau von Rohrbomben. Zudem suchte er im Februar offenbar Kontakt zur Terrormiliz Islamischer Staat und soll sich als Selbstmordattentäter angeboten haben. Mindestens zwei Mal wurde dem Bericht zufolge im GTAZ die Frage diskutiert, ob Amri einen konkreten Anschlag in Deutschland plane. Beide Male wurde dies demnach als unwahrscheinlich eingestuft.

Weiter heißt es in dem Medienbericht unter Berufung auf Ermittlerkreise, dass ein automatisches Bremssystem des Fahrzeugs Schlimmeres verhindert habe. Die Zugmaschine sei mit der Technik ausgerüstet gewesen, die auf einen Aufprall reagiert und von selbst die Bremsen betätigt. Das Recherchenetzwerk und «Spiegel Online» berichteten zudem, Amri habe nur wenige Minuten vor der Tat noch Sprachnachrichten und Fotos verschickt.

Der DJV kritisierte die Ermittlungsbehörden. Der Vorsitzende Frank Überall sagte der dpa: «Ich habe prinzipiell Verständnis dafür, dass Ermittler in Ruhe ihre Arbeit machen und ihre Nachforschungen nicht durch allzu umfassende Veröffentlichung von Detailinformationen gefährden wollen.» Dagegen stehe aber das Recht der Öffentlichkeit auf verlässliche Fakten.

Derweil beantragte die Opposition im Düsseldorfer Landtag eine Sondersitzung des Innenausschusses des Parlaments gleich zu Beginn des neuen Jahres. Das Schreiben der Fraktionen von CDU, FDP und Piraten an Landtagspräsidentin Carina Gödecke (SPD) liegt der Deutschen-Presse Agentur vor. Nordrhein-Westfalen war einer Hauptaufenthaltsorte Amris.

@ dpa.de

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