Kirche, Kirchentag

Beide sind gläubige Christen - jetzt kommen Obama und Merkel zum Kirchentag vor das Brandenburger Tor.

25.05.2017 - 12:07:24

Highlight in Berlin - Obama und Merkel diskutieren beim Kirchentag über Demokratie. Für die Kanzlerin ist es ein Tag zwischen zwei Präsidenten.

Berlin - Der frühere US-Präsident Barack Obama hat seine Hoffnung in die junge Generation betont. «Es hängt alles von jungen Menschen ab, wie hier heute in Berlin - und deshalb möchte ich auch mein Wissen weitergeben».

Er hoffe, junge Menschen dazu motivieren zu können, Führungsaufgaben zu übernehmen und sich den Herausforderungen der Welt zu stellen, sagte er bei einer Diskussionsrunde mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) auf dem Evangelischen Kirchentag in der Hauptstadt. Sie hätten heute Zugang zu Informationen und Chancen, die undenkbar gewesen seien, als er und Merkel geboren worden seien.

Zugleich rief Obama dazu auf, sich massiv gegen Fremdenhass, Nationalismus und antidemokratische Strömungen auf der Welt einzusetzen. Es sei das Wichtigste, sich hinter die Werte zu stellen, die «uns am wichtigsten sind» und sich gegen jene zu stellen, die diese Werte zurückdrängten. «Ich denke, das ist eine wichtige Schlacht, die wir austragen müssen», sagte Obama.

Bundeskanzlerin Merkel verteidigte ihren restriktiveren Kurs in der Asylpolitik und wies auf das «Dilemma» der Kluft zwischen christlichem Mitgefühl und Realpolitik hin. Angesichts vieler Flüchtlinge ohne Bleiberecht in Deutschland gelte es schnell Asyl-Entscheidungen zu treffen und solche Migranten gar nicht erst in Gemeinden und zu den ehrenamtlichen Helfern zu schicken. «Ich weiß, dass ich mich damit nicht beliebt mache», sagte die CDU-Politikerin bei der öffentlichen Debatte auf dem Kirchentag.

Merkel betonte: «Wir versuchen, sachgerechte Lösungen finden.» Die deutsche Asylpolitik müsse sich auf diejenigen Menschen in der Welt konzentrieren, die dringend Hilfe brauchten, und davon gebe es immer noch genug.

Obama pflichtete Merkel bei: Als Staats- oder Regierungschef gelte es «Barmherzigkeit» gegenüber Flüchtlingen zu zeigen, aber es gebe auch eine Verpflichtung gegenüber der eigenen Bevölkerung. «Das ist nicht immer einfach», sagte er. Zuvor hatte Obama der Kanzlerin attestiert, sie habe «hervorragende Arbeit geleistet, nicht nur hier in Deutschland, sondern in der ganzen Welt».

Mit dem Auftritt von Obama und Merkel feiert der Evangelische Kirchentag am ersten Programmtag bereits einen Höhepunkt.

Bereits am Mittwochabend hatte Merkel betont, Religion gehöre für sie in den öffentlichen Raum. Die Kirchen sollten sich ruhig immer wieder in öffentliche Debatten einmischen. «Man kann dann darüber streiten - und das machen wir auch», sagte sie vor dem Evangelischen Arbeitskreis von CDU/CSU.

CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn forderte die Kirchen dagegen auf, sich mehr auf «ihre Kernthemen» Seelsorge, Glaubensvermittlung und das Karitative zu konzentrieren. «An zu vielen Stellen machen die Kirchen nicht mehr das, wofür sie da sind», sagte er der «Heilbronner Stimme» und dem «Mannheimer Morgen». «Stattdessen mischen sie sich [...] zu sehr in die Tagespolitik ein und machen sich so nur zu einem von vielen Interessenvertretern.»

Insgesamt stehen beim Kirchentag rund 2500 Veranstaltungen auf dem Programm, darunter Gottesdienste, Bibelarbeiten, Diskussionsrunden mit Politikern, Vorträge, Konzerte und Ausstellungen. Zu dem fünftägigen Glaubensfest erwarten die Veranstalter 140.000 Dauerteilnehmer sowie zusätzlich Zehntausende Tagesbesucher.

Eröffnet wurde das Treffen zum Reformationsjubiläum am Mittwochabend gleich mit drei stimmungsvollen Open-Air-Gottesdiensten: Vor dem Reichstag, vor dem Brandenburger Tor und auf dem Gendarmenmarkt versammelten sich nach Angaben der Veranstalter 70 000 Menschen. Zum Abschluss fahren am Sonntag viele Gläubige in das etwa 100 Kilometer entfernte Wittenberg, um auf den Elbwiesen einen großen Gottesdienst zu feiern.

@ dpa.de