Hunger, Flüchtlinge

Auf die größte Flüchtlingskrise Afrikas folgt eine Hungersnot.

21.02.2017 - 11:48:06

Flüchtlingskrise und Hunger - Südsudan in höchster Not. Gezeichnet von einem Bürgerkrieg schlittert der Südsudan immer tiefer in eine humanitäre Katastrophe. Hoffnung gibt es kaum.

Juba/Nairobi - Abgefüllt in Cola-Flaschen gibt es 20 bis 50 Milliliter Speiseöl zu kaufen. Mehr können sich die meisten Menschen nicht leisten. Auch Obst ist teure Mangelware auf dem Markt in Bentiu im Bundesstaat Unity State.

Nach Jahren blutigen Bürgerkriegs und wirtschaftlichem Verfall wurde dort und in weiteren Teilen Südsudans zu Wochenbeginn eine Hungersnot ausgerufen.

«Die Lage ist düster, egal von welcher Seite man sie betrachtet.» James Elder, Sprecher des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (Unicef) für Ostafrika, gibt sich angesichts der Lage wenig zuversichtlich. Vergangene Woche reiste er in den ostafrikanischen Krisenstaat. Seine Beobachtungen vom Markt in Bentiu ließen das Ausmaß der humanitären Krise nur erahnen, sagt er.

Rund 100 000 Menschen seien akut vom Hungertod bedroht, weitere Millionen stünden dicht vor einer Hungersnot, teilten Unicef, das Welternährungsprogramm (WFP) und die Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) am Montag mit. Über eine Million Kinder leide an Mangelernährung, fügte Jeremy Hopkins, Unicef-Leiter im Südsudan, hinzu. «Wenn wir sie nicht rechtzeitig erreichen, werden viele von ihnen sterben.»

Für die Helfer ist es schwierig, die leidende Bevölkerung überhaupt zu erreichen. Häufig seien Lieferungen auf dem Landweg aufgrund der schlechten Straßenverhältnisse und der prekären Sicherheitslage nicht möglich, erzählt Elder. In abgelegenen Gebieten setzten WFP und Unicef daher Helikopter ein. Ziel seien oftmals kleine Dörfer mitten im Nirgendwo. «Wenn wir ein paar Tage dort sind, kommen Tausende Menschen aus dem Busch», erzählt Elder. Die Nachricht, dass es Hilfe gebe, verbreite sich wie ein Lauffeuer.

Seit Ende 2013 traumatisiert ein blutiger Konflikt die südsudanesische Bevölkerung. Ein Machtkampf zwischen Präsident Salva Kiir und seinem Stellvertreter Riek Machar eskalierte und wurde zu einem Bürgerkrieg, dem seither Zehntausende Menschen zum Opfer fielen. Der Konflikt zieht sich entlang ethnischer Linien: Kiir vertritt die Dinka-Volksgruppe, Machar die der Nuer.

Die Umsetzung eines Friedensabkommens versprach 2016 Hoffnung. Ein Abkommen zur Machtverteilung sah Machar erneut als Vizepräsident vor, die Rebellen sollten ins Militär integriert werden. Der Versuch scheiterte. Kurz vor dem fünften Unabhängigkeitstag im Juli brachen wieder Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Opposition aus. Machar wurde wieder zum Rebellenführer.

Mittlerweile sind etwa 3,4 Millionen der rund 12 Millionen Einwohner auf der Flucht vor Gewalt. Es ist nach UN-Angaben die größte Flüchtlingskrise Afrikas. Etwa 1,5 Millionen davon flohen ins Ausland, zumeist in benachbarte Länder, die selbst mit Krisen kämpfen oder von der Zahl an Flüchtlingen überfordert sind. Uganda etwa nahm in den letzten drei Jahren mehr als 700 000 Flüchtlinge aus dem Südsudan auf.

Die Bevölkerung muss leiden: Plünderungen, sexuelle Übergriffe, Folter und Tötungen durch bewaffnete Gruppen - die südsudanesischen Streitkräfte inbegriffen - sind alltäglich. Kleinbauern bewirtschaften aus Angst vor Übergriffen ihre Ländereien nicht. Zu wenig Regenfälle in Folge des Klimaphänomens El Niño beeinträchtigten bereits Ernten im Vorjahr. Zusätzlich schlagen sich Inflation und hohe Treibstoffpreise auf die Lebensmittelpreise nieder.

Der Südsudan zählt zu den ölreichsten Ländern Afrikas. Ohne Raffinerien muss das Land jedoch Treibstoffe importieren. Der Preis wird von illegalen Händlern bestimmt, die große Mengen der bis vor kurzem stark subventionierten Mangelware aufkaufen. Der Wert des südsudanesischen Pfunds wird auf dem Schwarzmarkt bestimmt. Denn auch Bargeld ist Mangelware. Bis Ende 2015 war der Pfund zu einem fixen Wechselkurs von 2,95 an den US-Dollar gebunden. Mittlerweile erhält man für einen Dollar rund 70 Pfund in staatlichen Banken und etwa 120 Pfund auf dem Schwarzmarkt.

Auf einem Markt in der Hauptstadt Juba beschreibt Marry Adit Dut ihre Alltagsrealität. Kosteten 50 Kilogramm Maismehl vor drei Jahren noch 90 Pfund, seien es heute 5400 Pfund (derzeit umgerechnet gut 40 Euro), sagt sie. «Meine Kinder gehen oft mit leerem Magen schlafen oder essen nur eine Mahlzeit pro Tag.»

@ dpa.de

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