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Astrophysik trotz Schwerbehinderung

27.05.2014 - 13:03:09

Logo: Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
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Würzburg (pressrelations) -

Astrophysik trotz Schwerbehinderung


Astrophysiker Christoph Wendel leidet an spinaler Muskelatrophie - auch als "Muskelschwund" bezeichnet - und promoviert am Lehrstuhl für Astronomie der Universität Würzburg. Wendel wird in den kommenden drei Jahren bei Professor Karl Mannheim arbeiten.

"Ich bin außerordentlich glücklich, dass ich so einen kompetenten Doktoranden gewonnen habe, der mit einer kaum vorstellbaren Gabe ausgezeichnet ist", sagt Mannheim, der sich als Leiter des Lehrstuhls mit der Beschäftigung des Schwerbehinderten auf Neuland begibt. Wendel sei in der Lage, auch komplexeste Systeme zu analysieren und zu verstehen.

24 Stunden Assistenz täglich

Durch seine Erkrankung ist Wendel jedoch 24 Stunden am Tag auf eine Assistenz angewiesen. Er sitzt im E-Rollstuhl und kann im Wesentlichen nur seinen Kopf bewegen. Diese Einschränkung hält ihn jedoch nicht davon ab, sich wissenschaftlichen Themen zu widmen. "Beim Promovieren ist die geistige ja die Hauptarbeit", sagt Wendel und ergänzt: "Deswegen ist es eine optimale Aufgabe für mich, weil ich geistig fit bin - nur körperlich sehr eingeschränkt."

Der Arbeitstitel seiner Promotion lautet: "Erklärung und Modellierung der Hochenergie-Spektren extragalaktischer Gamma-Strahlungsquellen anhand numerischer Simulationen." Laut Wendel geht es ihm darum, "die Strahlung von bestimmten Objekten außerhalb der Milchstraße zu erklären." Damit in Zusammenhang stehe auch die Untersuchung schwarzer Löcher.

Vergleich mit Stephen Hawking

Dass er aufgrund seiner äußeren Erscheinung manchmal mit dem britischen theoretischen und Astrophysiker Stephen Hawking verglichen wird, spielt für ihn keine große Rolle. "Er ist als Physiker sicherlich ein Vorbild. Aber auch nicht mehr als andere", sagt Wendel.

Doktorvater Karl Mannheim ergänzt jedoch: "Ich finde, das ist ein gutes Beispiel. Es zeigt, dass Inklusion gelingen kann, dass Menschen mit großen körperlichen Einschränkungen Großartiges leisten können."

Uni Würzburg als Vorreiter in Bayern

Die Themen Inklusion und Integration werden an der Uni Würzburg immer wichtiger. "Deswegen hat die Universitätsleitung dem PROMI-Vorhaben auch sofort zugestimmt", sagte Vizepräsidentin Sponholz. Im vergangenen Herbst wurde mit Informatiker Bernhard Schneider der erste "PROMI" eingestellt. Sponholz hofft, dass körperlich eingeschränkte Menschen in der Zukunft verstärkt den Weg in die Wissenschaft finden. Die Uni Würzburg ist die einzige Universität in Bayern, die sich an dem bundesweiten PROMI-Projekt beteiligt.

Fakten zum bundesweiten Projekt

Im Rahmen von "PROMI-Promotion inklusive" richten 15 deutsche Unis bis Herbst 2015 insgesamt 45 sozialversicherungspflichtige Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter mit einer Behinderung ein. "Durch diese Art der Anstellung haben die Promovierenden auch einen Rechtsanspruch auf benötigte Hilfsmittel - ein wesentlicher Unterschied zu einem Stipendium", sagt Christina Stabel vom Arbeitgeberservice Schwerbehinderte Akademiker der ZAV (Zentrale Auslands- und Fachvermittlung) der Bundesagentur für Arbeit.

Das Projekt soll schwerbehinderten Akademikern eine Promotion ermöglichen und somit ihre Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt erhöhen. 70 Prozent der Kosten übernehmen die Projektträger, der Rest liegt bei den Universitäten selbst, im Fall von Wendel beim Lehrstuhl von Karl Mannheim. Weiterer Partner von "PROMI" ist das Unternehmensforum; das Projekt wird vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) gefördert.


Kontakt

Sandra Ohlenforst
KIS (Kontakt- und Informationsstelle für Studierende mit Behinderung und chronischer Erkrankung)
T (0931) 31-84052
kis@uni-wuerzburg.de

Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Als die Universität 1582 gegründet wurde, nahm sie ihren Betrieb mit einer Theologischen sowie einer Philosophischen Fakultät auf und verfügte bald auch über eine Juristische und Medizinische Fakultät. Im Jahre 1878 gliederte sich ihre Philosophische Fakultät in zwei Sektionen, in einen philosophisch-historischen und einen mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich.



Erst 1937 verselbständigte sich die mathematisch-naturwissenschaftliche Sektion zu einer eigenen fünften Fakultät. Als nach dem 2. Weltkrieg die Lehr- und Forschungsarbeit wieder fortgesetzt wurde, blieb es bei dem vorherigen Stand. 1968 wurde die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät in zwei selbständige Abteilungen geteilt, in die Juristische und die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät. Die Universität besaß nun sechs Fakultäten. Ab 1972 schloß sich mit der Eingliederung der früher eigenständigen Pädagogischen Hochschule die Erziehungswissenschaft als siebte Fakultät an. Infolge der Hochschulreform 1974 wurde die Universität in insgesamt 13 Fakultäten umorganisiert. Die Erziehungswissenschaft wurde 1977 aufgelöst und den restlichen zwölf Fakultäten eingegliedert.



Einer der Hauptgründe für die Attraktivität der Würzburger Universität ist zweifellos das auf 12 Fakultäten verteilte breite Fächerspektrum, das nahezu alle traditionellen Gebiete einer alten Universität umfaßt. In ihrer nun über 400jährigen Geschichte zählte sie stets zu den durchschnittlich großen deutschen Universitäten. Zu von Virchows und Röntgens Zeiten lag die Gesamtzahl der Studierenden an der Alma Julia zwischen 700 und 1000 Studenten, noch vor 40 Jahren bei 2500; heute gehört sie mit rund 20.000 Studenten zu den vier großen Universitäten Bayerns. Ihnen stehen 350 Professoren und rund 2700 wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gegenüber.



Mit 3.000 Studierenden bilden die Mediziner heute die größte Einzelfakultät. Die Hälfte aller in Würzburg Studierenden gehört jedoch den geisteswissenschaftlichen Bereichen an. Davon zählen 380 zur Katholisch-Theologischen Fakultät, etwas mehr als 520 zur Philosophischen Fakultät I, jeweils rund 3.000 zu den Philosophischen Fakultäten II und III. Bei den Juristen sind über 2.600 Studenten immatrikuliert und bei den Wirtschaftswissenschaftlern rund 2.000. Biologen und Chemiker bringen es jeweils auf rund 1.200 Studierende, die Fakultät für Mathematik und Informatik auf etwas über 1.000, Physiker und Erdwissenschaftler bleiben jeweils unter der 1.000er-Grenze.



Die Naturwissenschaften streben räumlich seit den 50er Jahren in die Außenbezirke der Stadt. Die Auslagerung begann mit den Botanikern, die ihre Institute zum Dallenberg verlegten, und setzte sich in den 60er und 70er Jahren mit dem Aufbau der Universität Am Hubland fort. Chemikern und Pharmazeuten, Mineralogen und Kristallstrukturforschern, Physikern und Astronomen stehen heute dort, zusammen mit Mathematikern und Informatikern, hochmoderne Institutsgebäude und leistungsfähige Labors, Seminarräume und Hörsäle zur Verfügung. Während sich die Fachbereiche Philosophie I und III sowie die Juristen und Wirtschaftswissenschaftler noch in der Stadt befinden, teils in der fürstbischöflichen Residenz, teils in der Universität am Sanderring, teils im Stadtgebiet verstreut, ist die Philosophische Fakultät II in einen Neubau Am Hubland ausgewandert.

  


Diese Pressemitteilung wurde zur Verfügung getstellt von der pressrelations GmbH.

  

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