Kriminalität, Internet

Angst im Ruhrgebiet: Nach der Ermordung des neunjährigen Jaden in Herne sucht die Polizei nach dem mutmaßlichen Täter.

08.03.2017 - 20:22:05

Noch keine heiße Spur - Nach Kindermord sucht die Polizei intensiv nach 19-Jährigem. Doch Marcel H. ist weiter auf der Flucht.

  • Am Tatort - Foto: Marcel Kusch

    Der 19-jährige Tatverdächtige wohnte in der Nachbarschaft des Jungen. Foto: Marcel Kusch

  • Verdächtiger - Foto: Polizei Bochum

    Das Fahndungsfoto zeigt den dringend tatverdächtigen 19-jährigen Mann aus Herne. Foto: Polizei Bochum

  • Polizei in Wetter - Foto: Marcel Kusch

    Streifenwagen in Wetter vor einem Gymnasium: Nach einem Hinweis auf den gesuchten Marcel H. hatte die Polizei die Schule abgesperrt. Foto: Marcel Kusch

  • Gewalttat in Herne - Foto: Marcel Kusch

    Die Stimmung in der Siedlung ist beklemmend. Foto: Marcel Kusch

Am Tatort - Foto: Marcel KuschVerdächtiger - Foto: Polizei BochumPolizei in Wetter - Foto: Marcel KuschGewalttat in Herne - Foto: Marcel Kusch

Bochum - Nach dem grausigen Tod des neunjährigen Jaden in Herne hat es bisher trotz einer Großfahndung keine heiße Spur zum tatverdächtigen 19 Jahre alten Marcel H gegeben.

«Wir suchen ihn mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln», sagte am Abend eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Dortmund, das die Einsatzleitung von der Bochumer Polizei übernahm.

In Wetter an der Ruhr, nicht weit von Herne entfernt, durchsuchte die Polizei am Mittwoch auch eine Schule, nachdem ein Passant die Beamten mit der Aussage alarmiert hatte, er habe den 19-Jährigen in der Nähe gesehen. Er wurde aber nicht in dem Gebäude gefunden.

Die Aktion dauerte mehr als sechs Stunden. Einsatzkräfte holten die Schüler nach und nach ins Freie, wie eine Sprecherin sagte. Sie sprach von einer reinen Vorsichtsmaßnahme.

Der 19-Jährige gilt als gefährlich. Er ist seit Montagabend auf der Flucht und hat weitere Taten angedeutet. Nach ersten Erkenntnissen war der Mord an Jaden kein Sexualverbrechen.

Marcel H. soll am Montagabend in Herne den neun Jahre alten Nachbarsjungen Jaden erstochen haben, Fotos von dem Verbrechen soll er danach online verbreitet haben. Der 19-Jährige soll den Jungen unter einem Vorwand in sein Haus direkt nebenan gelockt haben, sagte der Anwalt von Jadens Familie, Reinhard Peters, der Deutschen Presse-Agentur. Marcel H. sei herübergekommen und habe gefragt, ob der Junge eine Leiter halten könne.

Bei den Ermittlern sei eine Vielzahl an Hinweisen aus der Bevölkerung eingegangen, sagte am Mittwoch der Bochumer Polizeisprecher Volker Schütte. «Die müssen wir jetzt nach und nach abarbeiten.» Eine heiße Spur gab es den Angaben zufolge zunächst aber nicht.

Um die Hinweise zu überprüfen, seien mehrmals Hubschrauber mit Wärmebildkameras und Hunde eingesetzt worden, sagte Schütte. Der Fahndungsdruck auf den Tatverdächtigen sei sehr groß. «Das Beste für alle wäre, er würde sich freiwillig auf einer Polizeiwache stellen.»

Der neun Jahre alte Jaden war am Montagabend erstochen im Keller des Nachbarn Marcel H. gefunden worden. Entdeckt wurde das Verbrechen durch die Fotos von der Tat. Ein bislang unbekannter Internet-Nutzer schaltete daraufhin die Polizei ein. Die Ermittler wollten sich aus ermittlungstaktischen Gründen am Mittwoch nicht näher dazu äußern.

Neben der Fahndung nach dem 19-Jährigen, die durch Hundertschaften unterstützt wird, steht ein Hinweis auf ein weiteres Opfer im Fokus der Ermittlungen. Ein User habe sich in einem Internet-Chat als der flüchtige Mörder des Neunjährigen vorgestellt und dort beschrieben, wie er eine Frau überwältigt habe, um an Daten für einen Bankzugang sowie Computer und Telefon zu gelangen. «Wir nehmen das sehr ernst, allerdings gibt es bislang keine Hinweise auf eine vermisste Frau, auf die die Beschreibung passt», sagte Schütte.

In dem von der Polizei veröffentlichen Chat-Text beschreibt der User, wie er ein «120 kg Biest bekämpft» habe: «Sie leistete mehr Widerstand als das Kind.» Das Landeskriminalamt unterstützt die Polizei bei den Ermittlungen. Ein Sprecher sprach von ungewöhnlich grausamen Bildern, die die Tat in Herne zeigten.

Wegen der Großfahndung galten an Schulen und Kindergärten der Stadt Herne am Mittwoch besondere Sicherheitsvorkehrungen. Das Jugendamt hatte als Vorsichtsmaßnahme die städtischen Kindergärten aufgefordert, mit den Kindern nur drinnen zu spielen. Notfallseelsorger und Psychologen seien zudem an der Grundschule des getöteten Jungen, sagte ein Sprecher der Bezirksregierung Arnsberg. «Der Unterricht aber findet überall statt.»

Das Obduktionsergebnis bestätigte laut Polizei, dass Jaden durch mehrere Messerstiche getötet wurde. «Hinweise auf ein Sexualdelikt gibt es nicht», sagte Schütte.

@ dpa.de

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