Konflikte, Irak

Am Wochenende wurde schon gefeiert, aber die Schlacht um Mossul ist noch nicht ganz vorbei.

10.07.2017 - 11:06:04

Befreit aber in Trümmern - Iraks Armee rückt gegen letzten IS-Rückzugsort in Mossul vor. Die Kämpfe gegen die letzten Dschihadisten der Terrormiliz IS dauern an. In der Nähe des Kampfgebietes sollen sich noch Zehntausende Zivilisten befinden.

Mossul - Nach dem Besuch des irakischen Ministerpräsidenten Haider al-Abadi in Mossul gehen die Kämpfe in der ehemaligen IS-Hochburg weiter. Die Armee rücke gegen die verbliebenen Dschihadisten in einem kleinen Gebiet unter IS-Kontrolle am Fluss Tigris vor, berichtete das Staatsfernsehen.

Al-Abadi war am Sonntag zum Ausklang der knapp neunmonatigen Militäroperation nach Mossul gereist, um Kämpfer und Einwohner zu ihrem «großen Sieg» über die Terrormiliz IS zu beglückwünschen. Eine zunächst angekündigte Rede an die Nation fiel aber offenbar aus, weil die Stadt noch immer nicht vollständig befreit ist.

Die irakische Armee war am Sonntag mit Luftunterstützung der amerikanisch geführten Anti-IS-Koalition in den letzten Rückzugsort der Terrormiliz in Westmossul eingefallen. Sie hisste die irakische Flagge am Ufer des Flusses Tigris und in der Altstadt. Das Staatsfernsehen zeigte feiernde und tanzende Soldaten. Die irakische Nationalhymne wurde gespielt.

Al-Abadi sagte zu ranghohen Militärs, sie sollten die Extremisten weiterhin bekämpfen, bis ihre letzten Widerstandsnester beseitigt seien. Nach dem Sieg habe der Wiederaufbau Mossuls höchste Priorität.

Wann das zum Teil heftig zerstörte Stadtzentrum Westmossuls wieder bewohnbar ist, ist nach Angaben des Norwegischen Flüchtlingsrates (NRC) ungewiss. Zunächst müsse untersucht werden, wie stark die Infrastruktur wie zum Beispiel die Wasserversorgung beschädigt ist. Teile der Stadt seien für die Spezialisten aber noch nicht zugänglich, sagte eine Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur.

Im teilweise zerstörten Westteil der Stadt befinden sich demnach noch immer Zehntausende Zivilisten. Sie hätten während der Kämpfe in Mossul ausgeharrt, auch weil die Flucht für sie zu gefährlich gewesen sei. Bei den Gefechten wurden insgesamt etwa 900 000 Menschen aus der Stadt vertrieben, von denen um die 200 000 zurück in ihre Häuser konnten.

Mit Mossul verliert der IS seine letzte große Hochburg im Irak und die größte Stadt, die er je unter Kontrolle hatte. Die Extremisten waren im Juni 2014 überraschend in Mossul eingefallen und hatten die Millionenmetropole innerhalb kürzester Zeit überrannt.

Die Terrormiliz ist nun im Irak militärisch weitgehend geschlagen. Sie kontrolliert nur noch unbedeutendere Gebiete etwa an der Grenze zu Syrien, das sie ebenfalls zu Teilen erobert hatte. Experten rechnen damit, dass sich die IS-Anhänger in die großen Wüstengebiete im Westen des Iraks zurückziehen und dort Guerilla-Angriffe planen. Zudem ist die Miliz noch immer in der Lage zu Attentaten.

@ dpa.de

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