Wahlen, Präsident

7,6 Millionen Franzosen haben rechtsaußen gewählt: Marine Le Pen bekommt so viele Stimmen wie noch nie in der Geschichte der Front National.

24.04.2017 - 08:54:07

Präsidentschaftswahl - Macron und Le Pen im Kampf um den Élysée. Ihr Stichwahlgegner Macron will der «Bedrohung durch die Nationalisten» entgegentreten.

  • Wahlscheine - Foto: Kay Nietfeld

    Umschläge mit abgegebenen Wahlscheinen in einem Wahllokal im französischen Henin-Beaumont. Foto: Kay Nietfeld

  • Femen-Aktivistinnen - Foto: Stringer

    In der Nähe des Wahllokals, in dem Le Pen ihre Stimme abgab, demonstrierten Femen-Aktivistinnen gegen die Rechtspopulistin. Foto: Stringer

  • Front National - Foto: Kay Nietfeld

    Anhänger der Spitzenkandidatin des Front National, Marine Le Pen, feiert. Foto: Kay Nietfeld

  • Le Pen und Macron - Foto: Stimmzettel für Marine Le Pen und Emmanuel Macron. Foto: Kay Nietfeld

    Stimmzettel für Marine Le Pen und Emmanuel Macron. Foto: Kay Nietfeld

  • Macron - Foto: Christophe Ena

    Macron erhielt die meisten Stimmen. Foto: Christophe Ena

  • Ausschreitungen - Foto: Kamil Zihnioglu

    Nach den ersten Hochrechungen zur Präsidentschaftswahl kam es zu Ausschreitungen in Paris. Foto: Kamil Zihnioglu

  • Marine Le Pen - Foto: Kay Nietfeld

    Die Rechtspopulistin Marine Le Pen, tritt in der Stichwahl um das Präsidentenamt gegen den sozialliberalen Ex-Minister Emmanuel Macron an. Foto: Kay Nietfeld

  • Macron und Le Pen - Foto: Daniel Karmann

    Frankreich ist gespalten. Um das Amt des Präsidenten ringen der Polit-Jungstar Macron und Marine Le Pen. Foto: Daniel Karmann

Wahlscheine - Foto: Kay NietfeldFemen-Aktivistinnen - Foto: StringerFront National - Foto: Kay NietfeldLe Pen und Macron - Foto: Stimmzettel für Marine Le Pen und Emmanuel Macron. Foto: Kay NietfeldMacron - Foto: Christophe EnaAusschreitungen - Foto: Kamil ZihniogluMarine Le Pen - Foto: Kay NietfeldMacron und Le Pen - Foto: Daniel Karmann

Umfragen vom Wahlabend geben ihm einen klaren Vorsprung für die entscheidende zweite Runde in knapp zwei Wochen. Die EU-Feindin Le Pen erzielte 21,4 Prozent, wie das Innenministerium mitteilte. Die Wahlbeteiligung lag bei etwa 78 Prozent, leicht niedriger als vor fünf Jahren.

Der bisherige FN-Rekord lag bei 6,8 Millionen Stimmen bei den Regionalwahlen 2015. Zum ersten Mal seit 15 Jahren steht die FN in der Stichwahl um den mächtigsten Job Frankreichs - 2002 war beim «Schock des 21. April» überraschend Le Pens Vater Jean-Marie Le Pen ins Finale gekommen, das er dann aber krachend verlor.

Führende Sozialisten und Konservative riefen zur Unterstützung Macrons auf, um Le Pen als Präsidentin zu verhindern. Erstmals seit Jahrzehnten ist kein Kandidat der beiden traditionellen Regierungsparteien in der Endrunde. Er wolle mit einem System brechen, «das unfähig ist, auf Probleme zu reagieren», sagte Macron. Frankreich, nach Deutschland die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone, leidet seit Jahren unter einer hohen Arbeitslosigkeit und einer schwächelnden Wirtschaft.

. Denn Le Pen will raus aus dem Euro und die Bürger über die EU-Mitgliedschaft Frankreichs abstimmen lassen. Macron tritt hingegen für Europa ein und will die Eurozone gemeinsam mit Deutschland stärken. Der 39-Jährige sagte, er wolle «der Präsident der Patrioten angesichts der Bedrohung durch die Nationalisten» sein.

Macron rief seine Anhänger dazu auf, ihm auch eine parlamentarische Mehrheit zu verschaffen. Frankreich wählt am 11. und 18. Juni eine neue Nationalversammlung. Die von Macron gegründete Bewegung «En Marche!» (Auf dem Weg) ist dort bislang nicht vertreten. Falls ein Präsident keine Abgeordneten-Mehrheit hinter sich hat, würde das seinen Gestaltungsspielraum erheblich einschränken.

FN-Chefin Le Pen schnitt wesentlich besser ab als bei ihrer ersten Präsidentschaftskandidatur vor fünf Jahren, als sie im ersten Wahlgang 17,9 Prozent der Stimmen geholt hatte. Sie sprach von einem «historischen Ergebnis» und fügte hinzu: «Es ist Zeit, das französische Volk von den arroganten Eliten zu befreien, die ihm sein Verhalten vorschreiben wollen.»

Der Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon erreichte rund 19,6 Prozent. Sein konservativer Widersacher François Fillon kam auf knapp 20 Prozent. Fillon kündigte an, in der Stichwahl für Macron zu stimmen. Mélenchon gab zunächst keine Empfehlung ab. Der Kandidat der regierenden Sozialisten, Benoît Hamon, lag abgeschlagen auf dem fünften Platz.

Erleichterung, aber keine Jubelstimmung herrschte an den Finanzmärkten. Der Kurs des Euro gab am Montag wieder etwas von seinen starken Gewinnen ab. Zeitweise war Europas Gemeinschaftswährung auf den höchsten Stand seit November gestiegen.

Etwa 47 Millionen Franzosen waren zur Wahl des Nachfolgers von Präsident Hollande aufgerufen. Insgesamt wollten elf Kandidaten den Sozialisten beerben. Der Sozialist Hollande hatte wegen schlechter Umfragewerte nicht erneut kandidiert. Macron war unter Hollande Wirtschaftsminister gewesen; sein Parteibuch bei den Sozialisten hat er aber schon lange abgegeben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker wünschten Macron alles Gute und viel Erfolg für die Stichwahl. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) begrüßte Macrons Abschneiden. «Ich bin sicher, er wird der neue französische Präsident», sagte der SPD-Politiker. «Er war der einzige proeuropäische Kandidat, der sich nicht versteckt hat hinter Vorurteilen gegenüber Europa.»

Der Wahlkampf war geprägt von Skandalen und überraschenden Wendungen. Der Antiterrorkampf spielte insbesondere im Finale eine große Rolle. Frankreich wird seit Anfang 2015 von einer Serie islamistischer Anschläge erschüttert. Erst am Donnerstag hatte ein 39-Jähriger in Paris Polizisten angegriffen und einen von ihnen getötet.

@ dpa.de

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