Ohne sichtbare Gegenstimme verabschiedeten die etwa 1500 Teilnehmer dann eine Entschließung mit der Formulierung: «Der Holocaust ist unbestreitbarer Teil der Geschichte. Ihn unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit zu leugnen oder zu relativieren, widerspricht den Grundsätzen der Partei».

Die Debatte beeinflusste auch die geplante Wahl für den neuen Bundesvorstand. Angetreten war zunächst auch ein Mitglied, das sich nach Medienberichten gegen die Strafbarkeit der Holocaust-Leugnung ausgesprochen hat. Dieser Kandidat erschien dann aber nicht mehr auf der Liste von acht für die Abstimmung zugelassenen Kandidaten. Als ein anderer Bewerber sich vorstellte, der früher vom «Weltjudentum» gesprochen hatte, verließ ein großer Teil der Versammlung unter Protest die Halle.

Bei der Wahl zum Bundesvorsitzenden am Nachmittag wurden neben dem amtierenden Parteichef Sebastian Nerz (28) auch dem bisherigen Vize Bernd Schlömer (41) gute Chancen eingeräumt. Weitere aussichtsreiche Bewerberin war die Berliner Politikwissenschaftlerin Julia Schramm (26). Im Unterschied zu den anderen Parteien verzichten die Piraten auf ein Delegiertensystem; jedes Mitglied kann Anträge stellen und abstimmen.

Mit Blick auf die Bundestagswahl wollen die Piraten professioneller werden, ohne dabei jedoch ihre Prinzipien der Basisdemokratie aufzugeben. Der Parteitag lehnte eine längere Amtszeit der Vorstandsmitglieder ab, vergrößerte das Gremium aber von bislang sieben auf neun Mitglieder. «Wir haben uns vorgenommen, die Struktur der Partei etwas zu professionalisieren, die Arbeit auf mehr Schultern zu verteilen», sagte Nerz in seinem Tätigkeitsbericht.

Zum Auftakt der zweitägigen Bundesversammlung rief die bisherige Geschäftsführerin Marina Weisband ihre Partei zu einer verantwortungsvollen Politik auf. «Wir tragen eine riesige Verantwortung, weil wir wissen, dass sich die Gesellschaft grundlegend verändern wird», rief sie den Teilnehmern zu. «Wir waren jung, und wir waren klein, aber wir haben schon Geschichte geschrieben», sagte Weisband, die aus persönlichen Gründen auf eine neuerliche Kandidatur verzichtet hat. «Jetzt werden wir ernst genommen, und es wird gegen uns geschossen.»

Die Haltung der Partei zu rechtsextremen Positionen hatte nach Äußerungen einzelner Mitglieder in den vergangenen Wochen Zweifel an der Abgrenzung zu Rechtsextremisten geweckt hatten. Eine Gruppe von Bonner Piraten verteilte in der Halle in Neumünster Flugblätter mit der Forderung «Flagge zeigen gegen Rechtsextremismus».

Bei der Entscheidung für den Tagungsort im hohen Norden hatten die Piraten die Landtagswahl in Schleswig-Holstein am 6. Mai im Blick. Eine Woche danach wird in Nordrhein-Westfalen gewählt. In beiden Bundesländern rechnen sich die Piraten gute Chancen auf einen Einzug in das Parlament aus. Sie sind bereits im Berliner Abgeordnetenhaus und im Landtag des Saarlands vertreten.