Berlin (ddp-bln). Rund 20 evangelische Pfarrer und Bestatter aus Berlin und Brandenburg haben am Sonntag gegen die Körperwelten-Ausstellung von Gunther von Hagens in Berlin demonstriert. Begleitet von Bestattungsfahrzeugen zogen sie mit einem Transparent «Gebt Toten Ruhe!» vor die Ausstellungshallen im Postbahnhof am Ostbahnhof. Gegenprotest kam von rund 32 Körperspendern, die auf Plakaten «für postmortale Selbstbestimmung» und «gegen Bevormundung der Bestattungsart» eintraten.

Der Leichenplastinator von Hagens zeigt in seiner Ausstellung «Körperwelten & Der Zyklus des Lebens» seit Anfang Mai 200 anatomische Präparate. Die Exponate reichen von plastinierten Föten über menschliche Organe bis hin zu einem toten Paar beim Geschlechtsakt. Nach dem Protest der Pfarrer enthüllte von Hagens ein bewegtes Objekt, das eine tote Frau darstellt, die den Kopf dreht.

Die Pfarrer hatten vorab erklärt, die Besucher mit ihrer Aktion darauf aufmerksam machen zu wollen, dass dort Menschen ausgestellt werden. Die Schau gehe respektlos mit dem Tod um, kritisierten sie. Der Protest war einer Sprecherin des evangelischen Kirchenkreises Berlin Stadtmitte zufolge als Gedenkmarsch für die Toten gedacht. Die Körperspender hätten die Aktion jedoch für sich instrumentalisiert. Zudem sei der Ort nicht für eine Diskussion geeignet.

Von Hagens warf den Pfarrern vor, sich einer Diskussion nicht stellen zu wollen. Darüber hinaus trat er dem Vorwurf entgegen, Verstorbene auszustellen und betonte, es handle sich um Plastinate. «Auch ein Schnitzel auf dem Teller ist kein totes Tier», sagte von Hagens. Er beziehe sich auf das Grundgesetz, wo es heißt, die Würde des Menschen sei unantastbar. Dies bedeute, jeder habe das Recht auf einen letzten Willen. Sollte dieser darin bestehen, plastiniert zu werden, müsse der Wunsch berücksichtigt werden.

ddp/jpf/pon