Die Audienz wurde kurzfristig anberaumt und ist ein deutliches Zeichen: Papst Benedikt XVI. will schnell Klarheit über das Rücktrittsgesuch des Augsburger Bischofs Walter Mixa. Gerade mal eine Woche, nachdem Mixa sein Schreiben an den Papst abgeschickt hatte, empfing Benedikt am Donnerstag im Vatikan eine Delegation deutscher Bischöfe: Neben dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, und dem Münchner Erzbischof Reinhard Marx, die beim Rücktrittsgesuch Mixas eine Schlüsselrolle gespielt hatten, nahm auch der Augsburger Weihbischof Anton Losinger an der Unterredung teil.
Über den genauen Inhalt der Audienz hüllten sich Vatikan wie Bischofskonferenz in Schweigen. In einer Mitteilung der Bischofskonferenz wurde lediglich bestätigt, was sich schon aus der Zusammensetzung der Bischofsdelegation ableiten ließ: «Anlass der Begegnung war die Bitte des Bischofs von Augsburg, Dr. Walter Mixa, um Entpflichtung vom Amt des Augsburger Diözesanbischofs und des Katholischen Militärbischofs für die Deutsche Bundeswehr.»
Der DBK-Vorsitzende Zollitsch und Marx, der an der Spitze der bayerischen Bischöfe steht, hatten ihren Amtsbruder wegen der Prügel- und Untreuevorwürfe vergangene Woche zu einer Auszeit gedrängt und damit seinen Rückzug erheblich beschleunigt: Nach mehreren persönlichen Gesprächen legten sie ihm öffentlich «eine Zeit der geistlichen Einkehr und der räumlichen Distanz» nahe. Noch am selben Abend unterzeichnete Mixa, der bis dahin sogar eine Amtspause abgelehnt hatte, überraschend sein Rücktrittsgesuch. Anschließend sagte er alle Termine ab und zog sich aus der Öffentlichkeit zurück.
Bei der Sitzung des Ständigen Rats der Bischofskonferenz, dem alle 27 deutschen Diözesanbischöfe angehören, am vergangenen Montag wurde Mixa von Weihbischof Losinger vertreten. Losinger gilt als möglicher Kandidat für den Posten des Diözesanadministrators, der in der Übergangszeit bis zur Bestellung eines neuen Bischofs die Diözese führt. Dieser wird vom Domkapitel, einem leitenden Gremium von Geistlichen im Bistum, gewählt - allerdings erst dann, wenn der Papst das Rücktrittsangebot Mixas annimmt.
Darüber, wann Benedikt seine Entscheidung fällt, kann bislang nur spekuliert werden. Die «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» berichtete am Donnerstag noch, der Papst werde über Mixas Gesuch erst entscheiden, wenn die Vorwürfe der Veruntreuung von Stiftungsvermögen gegen den Bischof aufgeklärt seien. Die überraschende Audienz für Zollitsch, Marx und Losinger wiederum deutet darauf hin, dass der Papst den Entscheidungsprozess nicht unnötig in die Länge ziehen will.
Trotz der Erleichterung, die viele innerhalb der Kirche über Mixas Rücktrittsgesuch geäußert haben, gibt es durchaus auch kritische Stimmen: Der Präsident des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, Albert Schmid, hatte es in einem Interview als «äußerst problematisch» bezeichnet, wenn sich ein Bischof zum Rücktritt veranlasst sehe. Es stelle sich die Frage, inwieweit er diese Entscheidung freiwillig getroffen habe oder der Druck auf ihn «so groß war, dass er gar nicht mehr frei entscheiden konnte». Er wünsche sich daher, dass der Papst den Fall sorgfältig prüfe, sich ein eigenes Urteil bilde «und nicht einfach reflexartig dem stattgibt».
Das Gespräch mit Zollitsch und Marx, die durch ihre öffentliche Äußerung den Druck auf Mixa erheblich erhöht hatten, dürfte dem Papst dazu gedient haben, sich ein umfassendes Bild zu machen. Mixas Standpunkt kennt er sicher aus dessen Schreiben.
Rom (ddp)


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