Ökologischer Weinbau auf dem Vormarsch: Der Bio-Boom macht vor den deutschen Winzern nicht Halt: Seit 2006 hat sich nach Angaben des Deutschen Weininstituts (DWI) in Mainz die Zahl der Anbauflächen von registrierten ökologisch wirtschaftenden Winzerbetrieben fast verdoppelt. Rund 5.000 Hektar der Weinberge in Deutschland werden inzwischen im Ökoweinbau bewirtschaftet. Das entspricht allerdings nur etwa fünf Prozent aller Rebflächen.
Vergrößern Ökologischer Weinbau auf dem Vormarsch | Bild: © dapd

Mainz (dapd-rps). Die rheinland-pfälzische Umwelt und Landwirtschaftsministerin Ulrike Höfken (Grüne) will deshalb den Ökoweinbau weiter stärken.

Rheinland-Pfalz liege derzeit bei den Fördersätzen für den Erstumstieg auf biologischen Anbau bei 660 Euro pro Hektar, das sei im bundesweiten Vergleich im unteren Bereich, sagt Höfken im dapd-Gespräch. Andere Länder zahlten zum Teil über 800 Euro pro Hektar. Die rheinland-pfälzischen Fördersätze sollen deshalb 'auf ein gutes Mittelfeld' steigen, kündigt die Ministerin an. Auch die Beratung für die Umstellung auf Bioweinbau solle personell verstärkt werden.

Ökowein und konventionelle Erzeugung sollten aber nicht gegeneinander ausgespielt werden, betont Höfken. Vielmehr tue es auch den konventionell wirtschaftenden Betrieben gut, 'wenn das Produkt Wein es schafft, immer mehr an Wertigkeit zu gewinnen'. Eine Förderung des Bioweinanbaus sei deshalb auch 'eine Qualitätsoffensive' für den Weinbau und die Region'.

'Bio ist mittlerweile ein Zusatznutzen, den der Verbraucher mit einkauft', sagt auch der Sprecher des Deutschen Weininstituts, Ernst Büscher. Vor 20 Jahren seien Biowinzer noch belächelt worden, heute würden viele Bio-Methoden auch im konventionellen Anbau verwendet. Geschmacklich gebe es zwar prinzipiell keinen Unterschied zwischen Bioweinen und konventionellen Weinen.

Wegen ihrer schonenden Anbauweise und der oft geringeren Erträge seien Bioweine aber meist qualitativ hochwertige Weine mit intensiven Geschmacksnoten. Viele Spitzenbetriebe arbeiteten deshalb längst nach ökologischen Kriterien, 'ohne das unbedingt nach außen zu tragen', sagt Büscher.

Biologisch arbeitende Winzer setzten auf eine naturnahe Bewirtschaftung der Rebflächen unter Verzicht auf Mineraldünger, künstliche Pflanzenschutzmittel sowie Pestizide oder Pilzmittel, erläutert die Vorsitzende des Bundesverbandes Ökologischer Weinbau, Ecovin, Lotte Pfeffer-Müller. Stattdessen kommt biologischer Dünger für den Boden zum Einsatz, die Pflanzen selbst bekommen dann schon mal Kamillentee gegen Krankheiten.

Ecovin will in den kommenden drei Jahren mit einer großen Veranstaltungsreihe den Verbrauchern das Thema Bioweine noch schmackhafter machen. 'Wir wollen erlebbar machen, was ökologische Winzer tun', sagt Pfeffer-Müller. Von Mitte September bis Mitte Oktober finden vier Wochen lang Aktionstage auf den Ecovin-Weingütern mit Führungen und Weinproben statt, auch können die Besucher vielfach bei der Weinlese mit anpacken.

Wie Biowein künftig noch besser beim Verbraucher ankommt, das untersucht eine Studie des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz. Ergebnisse der Untersuchung 'Präferenzen und Zahlungsbereitschaft deutscher Konsumenten bei Öko-Wein' sollen laut Höfken im Frühjahr 2012 vorliegen. 'Wir wollen das Produkt aus den untersten Supermarktregalen herausholen, davon können alle profitieren', sagt die Ministerin.

dapd