Frankfurt (Oder) (dapd-lbg). Rund 200 Menschen sind am Sonntag trotz des nasskalten Herbstwetters an die 'Schöne Helene' gekommen, wie der See auch genannt wird. Sie wollen von der Betreibergesellschaft Einzelheiten über eine geplante großflächige Umgestaltung der Anlage erfahren.
Als 'geladen' beschreibt die Frankfurterin Christina Pudimat die Stimmung unter den Dauercampern. Ehemann Gerald wird konkreter. 'Wir überlegen, ob wir uns einen anderen Campingplatz für unseren Wohnwagen suchen. Das ist uns hier alles zu unsicher', sagt er sichtlich aufgebracht. Nach Angaben des Ehepaars haben bereits viele Dauercamper, vor allem aus Berlin, der 'Schönen Helene' den Rücken gekehrt. Was sie verunsichert, sind unkonkrete Informationen über mögliche holländische Investoren, die den Freizeitpark angeblich für rund 100 Millionen Euro bis zum Jahr 2015 zu einem ganzjährig nutzbaren Freizeitparadies machen wollen. 'Die Projektentwicklung läuft, Verträge wurden Anfang Oktober unterzeichnet', bestätigt Stefan Voss, Vorstandsvorsitzender der Betreibergesellschaft Helenesee AG, den beunruhigten Campern.
Bebauungsplan sieht Ferienhäuser und Erlebnis-Schwimmbad vor
Konkreter wird der Jurist allerdings nicht, vertröstet seine Zuhörer vielmehr auf das nächste Frühjahr. Einzelheiten kennen die Dauercamper trotzdem. Denn die Stadt Frankfurt als Eigentümer des Sees hat bereits einen Bebauungsplan aufgestellt, damit die 'Interessenten', die als Hauptaktionäre in die Helenesee AG einstiegen sollen, die anvisierten 300 neuen Arbeitsplätze auch wirklich schaffen und nicht schon vorher wieder abspringen. Laut Bebauungsplan soll der Helenesee an seinem Nord- und Westufer das bekommen, was zu einem attraktiven Erholungs- und Sportpark internationalen Standards gehört: mehr als 800 neue Ferienhäuser unterschiedlicher Kategorien, ein überdachtes Wassersportzentrum mit Erlebnis-Schwimmbad, Riesenrutsche und Fitness- sowie Wellnessbereich, dazu ausgewählte Gastronomie und eine schwimmende Seebühne.
'Die Stadt schafft die Möglichkeiten, damit überhaupt investiert werden kann. Da muss ich die Leute in den Ämtern ob ihrer Voraussicht loben', sagt Voss. Bei den Dauercampern und bei den Mitgliedern zweier Tauchclubs an der 'Schönen Helene' kommen diese Aussichten hingegen gar nicht gut an. 'Wir wollen hier kein Halligalli und einen von Menschen überfluteten See, sondern unsere Ruhe und möglichst unberührte Natur', bringt die Berlinerin Heike Keller die Meinung der Camper auf den Punkt. Würde der Bebauungsplan umgesetzt, müssten Stellplätze für Wohnwagen und Zelte unter Umständen weichen, auch die Standorte der beiden Tauchclubs wären nicht mehr sicher. 'Wir wollen dem See ja treu bleiben, aber nicht unter allen Umständen', schimpfen einige aufgebrachte Camper in der Menge.
Jetziger Betreiberverein hat Verbindlichkeiten in Höhe von zwei Millionen Euro
Voss versucht zu beruhigen, spricht von 'Gerüchten', bittet seine Zuhörer ihren 'gesunden Menschenverstand' einzuschalten und versichert, dass die Helenesee AG eine 'ganz normale neue Saison 2011' plane. Klar wird bei dem Streitgespräch um Müllentsorgung, Strandreinigung und veraltete Sanitäranlagen, dass die jetzige Betreibergesellschaft den 20 Jahre lang heruntergewirtschafteten Frankfurter Freizeitpark aus eigenen Kräften nicht auf Vordermann bringen wird. Investitionen waren schon in den vergangenen Jahren an nicht genehmigten Bankkrediten und nicht bewilligten Fördermitteln gescheitert. Die Pacht an die Stadt wurde jahrelang nicht gezahlt. Auch Rechnungen für Strom, Wasser, Müllentsorgung und andere Zulieferungen blieben lange Zeit offen. Voss spricht in diesem Zusammenhang von 'Verbindlichkeiten in Höhe von zwei Millionen Euro', die zunächst hatten getilgt werden müssen.
Das neue Management der AG unter der Führung von Voss bemüht sich seit einem Jahr um einen konstruktiven Dialog mit den Campern. Zur Durchsetzung von Ordnung und Sicherheit gibt es seit Saisonbeginn sogar einen Revierpolizisten vor Ort. Im Winter sollen Treppen saniert und ein Pächter für die Gastronomie am Oststrand gesucht werden. Für die Modernisierung der Sanitäranlagen fehle allerdings noch immer das Geld, gibt der Vorstandsvorsitzende unumwunden zu. 'Das ist doch geradezu lächerlich, wenn man die Pläne der angeblichen neuen Investoren dagegen hält', kommentiert Dauercamperin Keller. Sie und viele ihrer Nachbarn sind sich sicher, dass der Bebauungsplan umgesetzt wird. Denn geblieben sind am Helenesee das kristallklare Wasser und der feinkörnige kilometerlange Sandstrand, eingebettet in grüne Kiefernmischwälder. Das Ambiente hat noch immer etwas von Urlaubsfeeling - viel Potenzial zum Geldverdienen, wenn die Perle 'Helenesee' erst einmal geputzt ist.
dapd


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