Heidelberg (ddp). Die protestierenden Schüler und Studenten drohen mit weiteren Streiks. «Diese Aktionswoche wird nicht das letzte Wort sein», sagte Johannes Michael Wagner vom Bündnis «Bildungsstreik 2009» im Interview mit der Nachrichtenagentur ddp in Heidelberg. Sollte die Politik nicht auf die Forderungen der Schüler und Studenten reagieren, sei mit anhaltenden Protesten zu rechnen. Inzwischen seien die Strukturen vorhanden, um schnell wieder für einen bundesweiten Streik zu mobilisieren.

Das Bündnis «Bildungsstreik 2009» - ein Zusammenschluss von Schüler- und Studentenorganisationen, Gewerkschaften und sozialen Gruppen - hatte zu einer bundesweiten Aktionswoche aufgerufen. Seit Montag laufen Kundgebungen und Protestaktionen. Für Mittwoch waren Demonstrationen in über 80 Städten geplant.

Die Initiatoren fordern unter anderem eine Abschaffung der Studiengebühren, mehr Geld für das Bildungssystem und eine Überarbeitung der Bachelor- und Master-Studiengänge. Außerdem verlangen sie mehr Mitsprache in Universitäten.

Wagner kritisierte das deutsche Hochschulsystem als zu starr organisiert, unsozial und unterfinanziert. Die Seminare an Universitäten seien zum Teil «gnadenlos überfüllt», sagte der Studentenvertreter. Es passiere durchaus, dass ein Kurs für 15 Studenten ausgelegt sei, aber 200 Leute kämen, um sich anzumelden.

Die Studiengebühren zu finanzieren sei für viele Studenten ein Problem. «Auch ich muss jedes Semester neu schauen, ob ich mir das noch leisten kann», sagte Wagner. Zahlreiche Hochschüler müssten Nebenjobs annehmen, um über die Runden zu kommen. Zeit für gesellschaftliches oder politisches Engagement bleibe deshalb kaum.

Durch die «verschulten» Bachelor- und Masterstudiengänge habe der Leistungsdruck auf Studenten ohnehin enorm zugenommen, sagte Wagner. Eine «Flut von Prüfungen» lasse keine Zeit für ein selbstbestimmtes Studium oder den Besuch von fachfremden Vorlesungen. «Es gibt keinen Raum mehr für einen Blick über den Tellerrand», kritisierte er. Die Bildung gehe allmählich «kaputt».

(ddp)