Brüssel (dapd). Aber schon kommendes Jahres solle die Führungsrolle in allen Provinzen an die Afghanen übergeben werden. Die NATO-Soldaten werden 'vom Fahrersitz auf den Beifahrersitz' rutschen, sagte Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière.
Pentagonchef Leon Panetta hatte die Parole auf dem Hinflug nach Europa ausgegeben: 'Hoffentlich können wir Mitte oder Ende 2013 einen Übergang von der Kampfrolle zur Ausbildung, Beratung und Unterstützung schaffen', sagte er Reportern im Flugzeug. 'Das heißt nicht, dass wir nicht mehr kampfbereit wären. Sondern, dass wir nicht länger in der offiziellen Kampfrolle sind wie jetzt.'
Seine Ankündigung hatte im NATO-Hauptquartier für Wirbel gesorgt. Nach Beratungen der Afghanistan-Truppensteller war de Maizière bemüht klarzustellen, dass nichts überstürzt werde. Es bleibe bei der Strategie, 'dass wir die Mission bis Ende 2014 durchführen'. Für den schrittweisen Abzug 'brauchen wir eine angemessene Truppenstärke auch deutscher Soldaten, um die Übergabe in Verantwortung seriös zu organisieren.'
Pannetas Bemerkungen hatten zunächst die Sorge geschürt, die geschlossene Afghanistan-Allianz bröckele. Schließlich hatte auch der französische Staatschef Nicolas Sarkozy nach einem Anschlag mit vier getöteten Soldaten erst in der vergangenen Woche auf ein rascheres Ende der Kampfeinsätze gepocht. In Frankreich und den USA ziehen Präsidentschaftswahlkämpfe auf und mit der eiligen Rückkehr vom Hindukusch ließe sich dabei punkten.
NATO-Chef Rasmussen wollte davon nichts wissen. 'Es gibt keine Spaltung' in der Allianz, sagte er. Und betonte nach stundenlangen Beratungen am Abend, das Jahr 2013 für die Übergabe des Kommandos sei keinesfalls beschlossen. Entscheidungen könnten aber auf dem NATO-Gipfel im Mai in Chicago getroffen werden. Zugleich betonte er, dass die Soldaten der Schutztruppe 'bis Ende 2014 Kampfeinsätze durchführen werden'. Die vorübergehende Festlegung auf 2013 hatte den Eindruck erweckt, die NATO sei kampfmüde und könnte den Taliban das Land überlassen.
Erst am Mittwoch war ein interner NATO-Bericht an die Öffentlichkeit gelangt. In dem heißt es, die Moral der Taliban sei auch ein Jahrzehnt nach Kriegsbeginn 'sehr hoch' und die radikalislamischen Aufständischen seien sicher, dass sie die internationale Koalition besiegen und die Macht an sich reißen könnten. De Maizière bezeichnete den Bericht als 'einseitig', weil er vor allem auf Aussagen von Gefangenen basiere.
Das kann aber nicht davon ablenken, dass die afghanischen Sicherheitskräfte inzwischen immer stärker von den Taliban durchsetzt sind. Seit 2007 gab es mindestens 35 Anschläge, bei denen die Täter afghanische Sicherheitskräfte waren oder deren Uniformen trugen. Und die Tendenz ist nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AP stark gestiegen: Von sechs im Jahr 2011 auf 17 im vergangenen Jahr.
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