Grebbin/Schwerin (ddp-nrd). Ein großes Mobile gerät im Grebbiner Feuerwehrturm in Bewegung. Ester Kusche und Rainer Kiel haben ein Sammelwerk aus Fundstücken gefertigt: Das Mobile besteht aus kaputten Feuerzeugen. Der Raum ist erfüllt von den Klängen kleiner Spieluhren, die elektronisch und manuell verfremdet sind. Dazu mischt Klangkünstler Hubert Steins literarische Zitate aus Werken von Descartes, Leibniz, Marx und E.T.A. Hoffmann. «Orbis mechanicae» nennt er seine Installation, die eine akustisch-literarische Auseinandersetzung mit der historischen Rolle der Maschine sein soll. Die beiden Kunstprojekte in dem Dorf im Landkreis Parchim gehören zu den außergewöhnlichen Veranstaltungen des Kunstfestes «Kunst:offen», das zu Pfingsten wieder nach Mecklenburg-Vorpommern einlädt.
Ab Samstag öffnen sich landesweit die Türen von Ateliers, Werkstätten und besonderen Kunsträumen zur inzwischen 15. Auflage von «Kunst:offen». Erneut werden mehr als 500 Akteure, unterstützt von Galeristen, Kulturämtern, Kunstvereinen und Stiftungen, über 300 Ateliers und Werkstätten sowie weitere 200 Ausstellungsräume Interessierten Einblicke in das vielschichtige künstlerische Wirken im Nordosten ermöglichen.
Neben Malereien, Grafiken und Zeichnungen unterschiedlicher Stilrichtungen werden Plastiken und Skulpturen aus Holz, Ton, Stein und Metall gezeigt. Auch Fotografien, Werke aus Papier, Emaille, Glas, Filz oder Textilien sind in den Kunsträumen zu sehen. An vielen Orten können Besucher das Entstehen der Kunstobjekte live miterleben, ins Gespräch mit den Künstlern kommen und sich von Theater, Literatur, Musik, Installationen, Mode, Blumenkunst oder Collagen und Schmuck inspirieren lassen.
«Wie in den vergangenen Jahren rechnen wir zu Pfingsten wieder mit 50 000 Besuchern, die sich über die Kunstszene in unserem Land informieren wollen. Zu den Gästen vor Ort gesellen sich viele Tagestouristen», sagt der Geschäftsführer des Tourismusverbands Mecklenburg-Vorpommern, Bernd Fischer. Der Landesverband und vor allem die regionalen Tourismusverbände begleiten die Aktion «Kunst: offen». Gemeinsam mit Akteuren vor Ort werde das Event organisiert, das sich zu einer der nachfragestärksten Veranstaltungen in Mecklenburg-Vorpommern entwickelt habe, betont Fischer.
Die Installationen im Grebbiner Feuerwehrturm seien eines von 23 Angeboten, die allein der im Ort ansässige Kunstverein vorbereitet, sagt Vereinsmitglied Ina Maurer. «Neben Keramik, Kinderbuchillustrationen, Bluesfestival und dem Knopfmuseum präsentieren wir unter anderem in der Kirche 'Figuren und Objekte' von Wieland Schmiedel.« In Zurow bei Wismar lade Vereinsmitglied Yves Müller in einen Bunker und somit in das »Denkmal der vergessenen Angst' ein, ergänzt Maurer.
In Schwerin können sich Interessierte auf eine Kunsthandwerkertour begeben: Rund um die Landeshauptstadt öffnen vier Kunsthandwerker ihre Türen. In der Mecklenburgischen Seenplatte, wo die Landkreise Mecklenburg-Strelitz, Müritz und die Stadt Neubrandenburg die Aktion zum achten Mal gemeinsam gestalten, laden 54 bildende Künstler und Kunsthandwerker sowie Galerien zu «Kunst: offen» ein. Michael Voss aus Malchow präsentiert dabei die Verwandlung des Bumerangs vom Sportgerät zum Kunstobjekt. Gäste können sich über die Geschichte und Entstehung des Bumerangs informieren, Wurf- und Fangtechniken erlernen und sogar selbst einen Bumerang anfertigen.
Eine Premiere zum diesjährigen Kunstfestival gibt es in der Stadtkirche Gützkow: Am Freitag nehmen die Usedomer Jagdhornbläser ihre Parforcehörner zur Hand und lassen Hornmusik aus längst vergangenen Zeiten erklingen. Wer selbst mal ins Horn stoßen will, kann dies beim Jagdhorn-Workshop im Hornhaus Hohenbüssow nördlich von Neubrandenburg tun. Beginn ist am Samstag und Sonntag jeweils um 10.00 Uhr.
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