Grund ist häufig ein Mangel an Betreuungsangeboten, so dass die Frauen ihrem Beruf nicht nachgehen können. Insgesamt waren im vergangenen Jahr 31 Prozent der alleinerziehenden Frauen auf staatliche Leistungen wie «Hartz IV» oder Sozialhilfe als Haupteinkommensquelle angewiesen.
58 Prozent der alleinerziehenden Mütter finanzierten sich hauptsächlich über den eigenen Job. Der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Roderich Egeler, hob hervor: «Je älter die Kinder sind, desto geringer ist der Anteil alleinerziehender Mütter mit niedrigem Einkommen.» Ist das jüngste Kind 10 bis 14 Jahre alt, sinkt der Anteil der Mütter mit einem Einkommen von weniger als 1100 Euro auf 25 Prozent. Erreicht das Kind ein Alter von 15 bis 17 Jahren, müssen nur noch 19 Prozent der Mütter mit derart wenig Geld auskommen.
Bei den Vätern ist die Situation wiederum anders. Da die meisten Männer Kinder im Alter von 10 bis 17 Jahren betreuen, stehen sie auch finanziell besser da. Zudem ist Alleinerziehen auch heute noch «Frauensache», wie Egeler betonte. Während in Deutschland 1,4 Millionen Frauen allein für die Erziehung der Kinder zuständig sind, sind es gerade mal 154 000 Männer. Auch ging der Anteil der betroffenen Väter seit 1996 von 13 auf 10 Prozent zurück, obwohl die Gesamtzahl der alleinerziehenden Familien im selben Zeitraum um 20 Prozent anstieg. So lebte 2009 fast jede fünfte Familie mit minderjährigen Kindern unter der Obhut einer Single-Mutter oder des Single-Vaters.
Das Statistische Bundesamt stellte neben dem Mikrozensus auch Ergebnisse aus der Erhebung «Leben in Europa» vor, wonach im Jahr 2008 in Deutschland knapp jeder fünfte Alleinerziehende es sich nicht leisten konnte, die Wohnung angemessen zu heizen. Fast drei Viertel sahen sich finanziell nicht in der Lage, unerwartete Rechnungen wie beispielsweise eine defekte Waschmaschine zu bezahlen. Jedes Jahr eine einwöchige Ferienreise kam für mehr als die Hälfte der Alleinerziehenden nicht in Frage.
Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) versprach angesichts der neuesten Daten, sich weiter für «eine ausreichende und qualitativ gute Kinderbetreuung mit flexiblen Betreuungszeiten» einzusetzen.
Die SPD warf ihr und Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) allerdings vor, die Kinder- und Familienarmut «willentlich und bewusst verschärft» zu haben. Parteivize Manuela Schwesig verwies dabei auf die Streichung des Elterngeldes für Arbeitslosengeld-II-Empfänger. Auch Linke-Familienexperte Jörn Wunderlich kritisierte eine «unsoziale Familienpolitik» der Bundesregierung und forderte einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn von zehn Euro. Grünen-Familienpolitikerin Katja Dörner sagte, der Ankündigung von Schwarz-Gelb, die Rahmenbedingungen für Alleinerziehende zu verbessern, seien noch keine Taten gefolgt.
Irina Kroeske vom Bundesverband alleinerziehender Mütter und Väter forderte derweil eine allgemeine Grundsicherung für Kinder: Unabhängig von Einkommen oder «Hartz IV»-Bezug monatlich 500 Euro für jedes Kind.
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